Köbi Kölliker und ein besonderes Quartett

Favorit Langnau, Aussenseiter Olten – in der NLB-Finalserie sind die Rollen verteilt. Doch die Solothurner haben die Auftaktpartie für sich entschieden, wollen mittelfristig ebenfalls aufsteigen.

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Auf rund achteinhalb Millionen Franken beläuft sich das Budget der SCL Tigers, mit der Hälfte dieses Betrags operiert der EHC Olten. Köbi Kölliker spricht von «meilenweiten Distanzen», welche zwischen den NLB-Finalisten liegen würden. «Langnau ist uns in sportlicher und unternehmerischer Hinsicht klar voraus.

Von A bis Z.» Oltens Sportchef hält fest, dass seine Equipe unerfahrener sei und aus weitaus weniger prominenten Spielern bestehe. Doch Kölliker, der die Tigers vor zwei Jahren nach dem Abstieg im Unfrieden verlassen musste, macht auf Understatement. Denn: Auch in Oltens Team figurieren Akteure mit gewissem Bekanntheitsgrad – eine Auswahl:

Thomas Bäumle:Er spielte im SCB-Nachwuchs, gross wurde er in Ambri. Während sieben Saisons stand er in der Leventina zwischen den Pfosten, war beim Dorfklub ein Eckpfeiler und bestritt zu dieser Zeit 14 Länderspiele. 2012 wechselte der Grenchner nach Langnau, unterzeichnete einen sehr gut dotierten Vertrag. Der erhoffte sichere Rückhalt war er indes nicht. In den Playouts wurde Bäumle gar degradiert. Bitter: Gut drei Monate vor dem Abstieg hatte er eine lukrative Offerte des EHC Biel ausgeschlagen. Das Abenteuer in Langnau hat ihm geschadet, selbst in Olten ist er nicht mehr Goalie Nummer 1.

Sami El Assaoui:Im Dezember 2012 meinte der Verteidiger nach seiner ersten Trainingseinheit in Langnau: «Ich bin untalentiert. Als Junior war ich immer einer der Schlechtesten.» Nun, dies hielt ihn nicht davon ab, für die ZSC Lions, Ambri, die SCL Tigers und Kloten zu spielen. Nach dem ehemaligen SCB-Profi Ramzi Abid ist der Sohn eines Marokkaners erst der zweite Spieler mit Wurzeln im Maghreb, der in der NLA zum Einsatz kam. Eine Zeitlang lebte El Assaoui in einer Wohngemeinschaft mit Fussballer Alexandre Pasche (Ex-YB) und Sänger Bastien Kaltenbacher (alias Bastian Baker).

Marco Truttmann:Mit Biel kehrte der Spielmacher 2008 in die NLA zurück, auf höchster Stufe hat er über 200 Partien absolviert. Zu wenig, zieht man sein Talent in Betracht. In der NLB gehört Truttmann zu den besten Schweizern, vor zwei Jahren war er Topskorer. In dieser Saison hat er 28 Tore erzielt. Jugendsünden haben seiner Karriere geschadet: In Österreich wurde er einst wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung, in der Schweiz wegen rechtsextremer Äusserungen verurteilt.

Corey Ruhnke: Bereits als Zweijähriger watschelte er durch die Oltner Garderobe. Papa Kent Ruhnke war damals Trainer bei den Solothurnern, führte den Verein 1988 ins Oberhaus. Sohn Corey eiferte dem Vater nach, zu mehr als ein paar NLA-Einsätzen mit Basel hat es ihm aber nicht gereicht. Als Junior hatte der Stürmer in Bern gespielt, Kent Ruhnke seinerseits den SCB 2004 zum Meister gecoacht. In Olten arbeitete Corey Ruhnke zuletzt auch im Sekretariat, belieferte die Social-Media-Kanäle zuweilen mit witzigen Videos aus der Spielergarderobe.

Köbi Kölliker seinerseits hatte auch in Langnau als Sportchef gearbeitet. Und er stand als Interimstrainer an der Bande, als die Tigers in Lausanne abstiegen. Das Geschehene sei vergessen, sagt der einstige Nationalcoach Deutschlands, «ich kann in Langnau allen in die Augen schauen». Coach Bengt-Ake Gustafsson ist seit Jahren sein Vertrauter.

Dieser Tage tritt die Freundschaft in den Hintergrund; Olten will Ligakrösus Langnau ein Bein stellen. Köllikers Wunschszenario jedoch sieht den Aufstieg erst in drei bis fünf Jahren vor. «In dieser Saison käme er an und für sich zu früh.» Die Euphorie in der Stadt jedenfalls ist gross, in den Playoffs haben bisher fast 5400 Zuschauer die Heimspiele besucht.

Fürs zweite Duell (heute Freitag, 19.45 Uhr) sind keine Karten mehr erhältlich. Die SCL Tigers ihrerseits stehen nach der 2:3-Startniederlage bereits ziemlich unter Druck. Kölliker hin oder her – zumindest in sportlicher Hinsicht scheinen die Klubs nur durch Zentimeter voneinander getrennt zu sein.

Berner Zeitung

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