Keine Pause, aber ein Break

Überzeugende SCL Tigers siegen zum Auftakt der Ligaqualifikation in Rapperswil-Jona 4:2. Bei den St.Gallern wird Coach Anders Eldebrink beurlaubt, der Ex-Langnauer Michel Zeiter übernimmt.

Einen Schritt voraus: Die SCL Tigers (rechts Claudio Moggi) siegen in Rapperswil-Jona, die St.Galler laufen bereits hinterher.

Einen Schritt voraus: Die SCL Tigers (rechts Claudio Moggi) siegen in Rapperswil-Jona, die St.Galler laufen bereits hinterher.

(Bild: Keystone)

Die Rapperswil-Jona Lakers schweigen. Bis zum Saisonende. Der Kommunikationsstopp wurde am Mittwoch verhängt; wichtige Informationen würden via Medienmitteilung verbreitet, hiess es. Elektronische Post gab es bereits gestern, der Inhalt hatte es in sich: Coach Anders Eldebrink wird beurlaubt, sein bisheriger Assistent Michel Zeiter und Goalietrainer Reto Schürch stehen künftig in der Verantwortung. Die 2:4-Heimniederlage vom Donnerstag gegen die SCL Tigers zum Auftakt der Ligaqualifikation brachte das Fass zum Überlaufen – es handelte sich um die 45.Pleite im 63.Saisonspiel. Und doch mutet der Zeitpunkt des Wechsels skurril an, war Eldebrink doch noch vor Beginn des Auf-/Abstiegsduells das Vertrauen ausgesprochen worden. Wie auch immer: Die Nerven liegen blank beim NLA-Letzten, die verunsicherten Profis wurden vom harten Kern der Fans übel beleidigt.

«Gigi» hier

Ein Klassenunterschied jedenfalls war nicht ersichtlich zwischen Rapperswil-Jona und Langnau, der Emmentaler Auswärtssieg ging in Ordnung. Die kampfstarken Gäste starteten etwas verhalten, waren läuferisch leicht unterlegen. Doch ab dem Mittelabschnitt erspielten sie sich viele gute Möglichkeiten. «Ich bin nicht überrascht. Wir wussten, dass wir uns auf Augenhöhe mit dem Gegner befinden», meinte Yves Müller. Über seine zwei Pfostenschüsse konnte der Verteidiger am Ende lachen.

Abgesehen von Topskorer Chris DiDomenico, der etwas ausgelaugt wirkte, präsentierten sich die Tigers trotz des zuletzt sehr strengen Programms ohne mehrtägige Pause frisch. «Wenn man gewinnt, kann man gar nicht müde sein», sagte Trainer Bengt-Ake Gustafsson. Der Schwede erwähnte in der Nachbetrachtung mehrmals die Cupviertelfinalpartie von Mitte Dezember gegen Bern. «Obwohl wir verloren, stärkte dieses Spiel den Glauben an die eigenen Fähigkeiten. Es bewirkte einiges.» Und Rapperswil ist schliesslich nicht der SCB – vorab in der Defensive bekunden die St.Galler grosse Probleme. Gustafssons Ensemble hingegen liess sich weder vom frühen und etwas gar strengen Ausschluss Martin Stettlers noch vom Führungstreffer entgegen dem Spielverlauf beirren. Die Tigers-Tore erzielten Kévin Hecquefeuille, Adrian Gerber und Sven «Gigi» Lindemann (2). Letzterer erzielte auf Vorlage seines Bruders Kim den entscheidenden Treffer.

«Susi» da

Die Gebrüder Lindemann, deren Eltern in Arosa eine Bar mit dem Namen Overtime führen, verhinderten eine Verlängerung. Der Treffer fiel 141 Sekunden vor Schluss, die geschockten Lakers vermochten nicht zu reagieren. Zuvor hatte der ehemalige SCB-Verteidiger Dan Weisskopf das Heimteam beinahe in Führung gebracht, den Puck im Powerplay an den Pfosten gedroschen. Gustafsson erwähnte den immensen Druck, der nun auf den Lakers laste, «sie sind sich noch stärker bewusst, was sie verlieren können». Derweil sprach Müller von einem optimalen Auftakt in die Best-of-7-Serie. «Bei uns rennt jeder für jeden, geht über die Schmerzgrenze hinaus.» Der 26-Jährige weiss, wovon er spricht, er spielt mit gebrochenem Nasenbein.

Am Samstag (19.45Uhr) können die Langnauer nachlegen und das Break, wie in einer Serie ein Auswärtssieg bezeichnet wird, bestätigen. Die Ilfishalle ist ausverkauft, am Montag (Spiel 3) soll die Mannschaft von neun Fancars begleitet werden. Die Euphorie ist riesig, zumal die Lakers auf und neben dem Eis einen konfusen Eindruck hinterlassen. Die Lösung mit dem Ex-Langnauer Michel Zeiter – sein Übername ist «Susi» – überrascht, trägt doch auch er den Groove des Verlierens. Das Vorgehen erinnert an jenes der Tigers vor zwei Jahren, als nach der Entlassung John Fusts Assistent Alex Reinhard befördert wurde. Das Ganze mündete im Abstieg. Und apropos Maulkorb: Viel erzählt hätten die Lakers-Profis am Donnerstag wohl ohnehin nicht. Ob der Gegenwehr der Tigers dürften sie sprachlos gewesen sein.

Berner Zeitung

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