«Kämpfen kannst du immer. Auch müde»

Als jüngster Spieler der NHL beeindruckt Nico Hischier (19) in New Jersey. Er erklärt, wie er auf Anhieb in der härtesten Liga Fuss fasste.

Nico Hischier wurde kürzlich von Wayne Gretzky gelobt: «Das macht mich glücklich.» Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Nico Hischier wurde kürzlich von Wayne Gretzky gelobt: «Das macht mich glücklich.» Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

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Es ist für Nico Hischier eine Woche zum Durchschnaufen. Die Devils haben von Montag bis Freitag ihre fünftägige, von der Liga verordnete Pause, die seit letzter Saison Pflicht ist. Nicht einmal Trainieren ist erlaubt. Dem jungen Walliser kann es recht sein. Er blickt auf vier turbulente Monate zurück, seit er ins Trainingscamp New Jerseys einrückte. Der Mittelstürmer etablierte sich sofort in der NHL, ist mit 26 Punkten aus 41 Spielen der zweitbeste Devils-Skorer und lässt sogar Wayne Gretzky schwärmen. Auch dank ihm liegt New Jersey, letzte Saison noch das viertschwächste Team der Liga, auf einem Playoff-Platz.

Sie feierten vor einigen Tagen Ihren 19. Geburtstag. Dachten Sie da kurz darüber nach, was im letzten Jahr alles in Ihrem Leben passiert ist?
Nein. Wir stecken mitten in der Saison, es geht alles so schnell. Das ist nicht der Zeitpunkt für mich, zurückzublicken oder zu überlegen, was noch werden könnte.

Müssen Sie sich manchmal noch ­zwicken? Oder ist bei Ihnen nach drei Monaten in der NHL schon Routine eingekehrt?
Routine sicher nicht. Ich erlebe immer wieder neue Dinge, das wird die ganze Saison so sein. Neue Städte, neue Stadien, neue Gegner. Ich brauche bestimmt ein Jahr, um einmal alles gesehen zu ­haben, hier so richtig anzukommen.

Staunen Sie manchmal noch?
(lacht) Ja. Sicher.

«Neue Städte, neue Stadien, neue Gegner. Ich brauche ein Jahr, um so richtig anzukommen.»

Haben Sie das Rookie-Dinner, bei dem Neulinge die Teamkollegen einladen, schon hinter sich?
Nein, noch nicht. Ich weiss nicht, wann es sein wird. Ich finde, es ist eine schöne Tradition.

Vor der Saison sagten Sie, Ihr Ziel sei ein Platz im Team. Nun sind Sie meist der erste Center der Devils. Haben Sie sich selber überrascht?
Davon konnte ich schon nicht ausgehen. Aber ich bin einfach froh, dass ich hier spielen kann. Es ist immer der Entscheid des Trainers, wo er einen sieht. Er hat viel Vertrauen in mich, und ich versuche, ihm etwas zurückzugeben.

Geniessen Sie bei ihm als Nummer-1-Pick einen kleinen Bonus?
Nein, das glaube ich nicht. Jeder wird bei uns gleich behandelt. Und das ist auch gut so.

Wie empfanden Sie den Sprung von den Junioren in die beste und härteste Liga der Welt?
Natürlich ist vieles anders. Du spielst gegen Männer statt gegen ­Knaben, das Niveau ist viel höher. Aber beides ist Eishockey. Ich muss hier ein bisschen anders spielen, einfacher und taktischer. Hier passieren viel weniger Fehler, spielt jeder smart. Das Spiel ist sehr strukturiert. Da muss man sich anpassen. Es hat mir sicher geholfen, dass ich ein gutes Spielverständnis habe. Ich bin ja keiner, der körperlich den Takt angibt.

Achten Sie mehr auf die Defensive als bei den Junioren?
In dieser Beziehung habe ich nicht viel verändert. Mein Spiel war schon immer so, dass ich zuerst nach hinten schaue.

Werden Sie als Ausnahmetalent besonders ruppig angegangen?
Diesen Eindruck habe ich nicht. Wenn in der NHL einer den Check fertigmachen kann, macht er ihn fertig. Ganz egal, wer der Gegenspieler ist.

Kürzlich haben Sie aber ein paar Zähne verloren, in einem Spiel gegen Columbus.
Stimmt, Anfang Dezember bekam ich einen Stock ins Gesicht, dabei brachen vier Zähne ab. Aber nur zur Hälfte. Die Zähne sind noch da, der Rest wurde nun mit Kronen aufgefüllt.

Sie dürften es schwer haben, in Ihrer NHL-Karriere alle Zähne zu behalten.
(lacht) Mal schauen. Holz anfassen.

Was war bisher Ihr eindrücklichster Moment in der NHL?
Schon das erste Saisonspiel, und erst noch zu Hause (4:1 gegen Colorado).

Bildstrecke: Das Wunderkind aus dem Wallis

Sie haben nun die Hälfte der ­Regular Season absolviert. Wie stecken Sie diesen Rhythmus ­körperlich weg?
Die Intensität ist in jedem Spiel sehr hoch. Und es gibt schon Abende, an denen du dich nicht so spritzig fühlst. Aber dann musst du trotzdem einen Weg finden, dem Team zu helfen. Indem du einen Schuss blockst oder andere Dinge tust. Kämpfen kannst du immer. Egal, ob du müde bist oder nicht.

Kürzlich sagte Wayne Gretzky in einem Interview, es mache Spass, Ihnen zuzuschauen, weil Sie mit Herz spielen würden. Haben Sie das mitbekommen?
Ja, ich habe es gehört. So etwas von Gretzky zu hören, ist schon sehr speziell. Das macht mich glücklich. Ich traf ihn schon einmal persönlich, am Stanley-Cup-Final in Nashville. Wir redeten aber nicht gross, sagten nur kurz Hallo.

Die Devils starteten nicht mit viel Kredit in die Saison, sind nach einem Blitzstart aber immer noch auf Playoff-Kurs. Was macht dieses Team aus?
Dass jeder weiss, was sein Job ist. Und diesen auch erfüllt. Zudem haben wir einen guten Teamgeist, die Atmosphäre in der Kabine stimmt. Es ist auch eine gute Mischung zwischen Routiniers und Jungen, die eine gewisse Unbeschwertheit reinbringen.

Ihr Teamkollege Brian Boyle ist an Leukämie erkrankt und spielt ­trotzdem. Wie erleben Sie ihn?
Seine Geschichte ist inspirierend. Boyle ist sehr wertvoll für unser Team. Es ist nicht einfach für ihn. Wenn man sieht, wie er mit seiner Krankheit umgeht, ist das beeindruckend.

«Einen Abend duelliert man sich in New Jersey, den nächsten in Chicago. Das ist schon krass.»

Sprechen Sie mit ihm darüber?
Nein, nicht gross.

Welcher Gegenspieler hat Sie bisher am meisten beeindruckt?
Da sage ich Connor McDavid. Seine Schnelligkeit, einfach alles. Er ist in ­allen Belangen herausragend.

Wie kommen Sie mit den vielen Reisen klar?
Am meisten überraschten mich die Spiele back to back, wenn man zu Hause und auswärts nacheinander gegen den gleichen Gegner spielt. Einen Abend ­duelliert man sich in New Jersey, den nächsten in Chicago oder Detroit. Das ist schon krass. Daran muss ich mich noch gewöhnen. Nach dem ersten Match geht es da sofort ab ins Flugzeug.

Pflegen Sie Kontakt zu den anderen Schweizer NHL-Cracks?
Ausser zu meinem Teamkollegen Mirco Müller nicht gross. Als ich in Minnesota spielte, unterhielt ich mich nach dem Spiel mit Nino Niederreiter. In Nashville, gegen Roman Josi, spielte ich noch nie. Aber ihn kenne ich ja vom Sommer­training.

Haben Sie nun eine eigene Wohnung bezogen?
Ja, ich habe jetzt ein Apartment in Jersey City, in dem ich alleine wohne. Aber im gleichen Gebäude leben drei Mitspieler: Jesper Bratt, Pavel Zacha und Blake Coleman. Wir unternehmen viel miteinander, essen fast immer zusammen.

Kochen Sie auch?
Ja, natürlich helfe ich auch mit. Aber Sie dürfen sich das nicht so chic vor­stellen. Es gibt zum Beispiel Spaghetti mit einer Bolognese-Sauce. Keine grossen Menüs. Es ist kein Kochtreffen, bei dem der eine den anderen überbieten will. Manchmal gibt es auch ein gutes Stück Fleisch.

Haben Sie manchmal Zeit für einen Abstecher nach Manhattan?
Doch, schon. Aber momentan gehe ich nicht mehr. Es ist recht kalt geworden. Da bleibe ich lieber zu Hause.

Haben Sie Vorsätze für 2018 gefasst?
Nein, eigentlich nicht. 2017 war ein super Jahr für mich. Ich versuche, mich weiterzuentwickeln. Aber das Wichtigste ist Gesundheit. Für mich und meine Familie.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.01.2018, 21:14 Uhr

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