Ivo Rüthemann: «Ich hätte gerne in Bern weitergespielt»

Nach 20 NLA-Saisons, 1072 NLA-Partien mit 311 Toren und 399 Assists, 3 Olympia- und 12 WM-Teilnahmen ist Schluss. Ivo Rüthemann (37) spricht nach seinem letzten SCB-Spiel erstmals offen über seinen Rücktritt.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Die Fans in der Postfinance-Arena haben während der Partie gegen Zug mehrfach Ihren Namen skandiert. Am Ende gab es stehende Ovationen. Sie wollen sich zwar noch nicht öffentlich festlegen, aber die Szenen sahen sehr stark nach Abschied aus. Ivo Rüthemann: Ja, jetzt kann ich es sagen: Ich höre auf!

Ursprünglich hatten Sie aber geplant, Ihre Karriere fortzusetzen. Ich hätte gerne in Bern weitergespielt. Aber der Klub wollte meinen Vertrag nicht verlängern. Diesen Entscheid muss ich akzeptieren. Nachdem mich der SCB darüber informiert hatte, galt es für mich zwei Fragen zu beantworten: Will ich überhaupt weiterfahren? Und falls ja, bei welchem Team? Rasch wurde mir klar, dass ich keinen Klubwechsel mehr vornehmen möchte.

Wegen Ihrer langjährigen Verbundenheit mit dem SCB? Und auch wegen meiner Verbundenheit mit der Region. Wäre ich jünger, hätte ich mit Sicherheit einen neuen Weg eingeschlagen. Aber ich und meine Familie, wir haben uns in Bern niedergelassen, möchten nicht mehr weg von hier. Also kamen mit Gottéron und Biel im Prinzip nur noch zwei Klubs infrage.

Und Langnau? Bei Langnau galt das Gleiche wie bei Biel. Beides sind tolle Vereine, die Leute arbeiten mit viel Herzblut. Ich hatte einfach das Gefühl, dass es für mich nicht das Richtige wäre, auch wenn ich mit meiner Art hätte helfen können. Vielleicht hätte ich in Langnau oder Biel eine Superzeit gehabt, wer weiss das schon. Letztlich entschied ich: wenn ein Wechsel, dann nur zu einem Klub mit Titelambitionen.

Weshalb nicht Gottéron? Nach 15 schönen Jahren beim SCB bei Gottéron zu unterschreiben, um dort vielleicht nach einer Saison dann doch aufzuhören, das konnte ich mir nicht vorstellen.

Es gibt zahlreiche Spieler, die gegen Ende Ihrer Karriere von Bern nach Freiburg gezogen sind. Die waren aber allesamt jünger – und sind jeweils auch mehrere Jahre in Freiburg geblieben.

Was werden Sie aus Ihrer Aktivzeit am meisten vermissen? Es ist zu früh, diese Frage schlüssig zu beantworten. Aber mit Sicherheit wird mir das Teamleben fehlen, das Zusammensein mit Leuten, die das Eishockey lieben und leben. Und auch die Anspannung vor wichtigen Spielen, die Herausforderung, vor der grossen Kulisse in Bern anzutreten.

Wie empfanden Sie die Sprechchöre des Publikums? Die waren sehr schön. Ich möchte mich auch bei allen bedanken, die mich über die Jahre hinweg unterstützt haben. Ich habe es sehr genossen, in Bern zu spielen. Dieser Klub war und bleibt immer meine Nummer eins.

Trotzdem war Ihr letztes Spiel nicht gerade das, was man als einen Abschied wie aus dem Bilderbuch bezeichnen könnte... (lacht) Definitiv nicht.

Kurz vor Schluss hatten Sie in Überzahl den Ausgleich zum 3:3 auf dem Stock. Ich habe schon in wichtigeren Spielen Torchancen vergeben, insofern kann ich gut damit umgehen (lacht). Die Saison wäre auch mit einem Tor im Abschiedsspiel nicht mehr zu retten gewesen.

Sie sind innert weniger Monate vom unverzichtbaren Toplinienspieler zum zuweilen überzähligen Stürmer abgestiegen. Können Sie diesen Absturz erklären? Die Suche nach Gründen ist nicht einfach. Ich will an dieser Stelle auch nicht nachtreten und sagen, man habe zu wenig auf mich gesetzt. Fakt ist: Alle Personen, die in dieser Saison wichtige Entscheide treffen mussten, haben in jenem Moment, in dem sie den Beschluss fassten, das Beste für den Klub angestrebt. Im Nachhinein hätte man sicher einige Dinge anders machen können...

...die da wären? Es ergibt keinen Sinn, jetzt darüber zu sprechen. Was ich zu meiner Situation sagen kann: Es ist einfacher, den Weg aus einem Loch zu finden, wenn man mehr Eiszeit hat. Ich hätte nie gedacht, dass ich in derart kurzer Zeit derart viel Eiszeit verlieren würde.

Wie schwierig war es, diesen Umstand zu akzeptieren? Natürlich hat man keine Freude, wenn Entscheide gegen einen getroffen werden. Ich hätte mir gewünscht, nochmals eine Rolle zu bekommen, in der ich der Mannschaft besser hätte helfen können. Und gerade in schwierigen Zeiten sind Eigenschaften wie Charakter und Einstellung sehr wichtig.

In der Garderobe sind Sie ein Leader geblieben. Ja, denn Leaderqualitäten haben nichts mit der Einsatzzeit auf dem Eis zu tun.

Sind es die drei Meistertitel mit dem SCB, die Ihnen als Höhepunkte der Karriere in Erinnerung bleiben werden? Ich denke schon. Aber auch meine erste Playoff-Final-Teilnahme 1998 mit Davos behalte ich in bester Erinnerung. Diese spezielle Konstellation mit Trainer Arno Del Curto und den vielen jungen Spielern, die zusammen aus der U-20 gekommen waren – und dann erreichten wir für alle überraschend den Final, das war ebenfalls sehr schön. Auch international gab es spezielle Momente, nur sind diese schwer vergleichbar. Insgesamt investiert man viel mehr Zeit in den Klub, während Nationalmannschaftseinsätze wie kurze, intensive Projekte sind.

Dennoch dürfte es hart gewesen sein, das abrupte Ende Ihrer internationalen Karriere kurz vor der WM 2013 zu akzeptieren. Damit musst du als Spieler rechnen. Ich habe immer gesagt: Solange ich Eishockey spiele, stehe ich dem Nationalteam zur Verfügung. Dass ich kurz vor der WM aus dem Kader gestrichen worden war, hat mich sehr enttäuscht – im Nachhinein erst recht, weil ich gerne Teil dieses erfolgreichen Teams von Stockholm gewesen wäre. Damals hätte es sicher auch Argumente gegeben, mich mitzunehmen. Aber diese Saison und Olympia, da müssen wir nicht diskutieren, das war nie ein Thema.

Ihnen liegt ein Angebot des SCB vor, künftig anderweitig in der Organisation mitzuwirken. Werden Sie es annehmen? Ich weiss es noch nicht, wirklich nicht.

Berner Zeitung

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