«Ich würde mich von keinem Trainer beeinflussen lassen»

Andreas Hänni ist Verteidiger beim SC Bern und der einzige Veganer in der NLA. Am heutigen Weltvegantag erklärt er, wie es ist als Profi-Hockeyspieler ohne tierische Produkte zu leben und wie er seine 100 Kilogramm Körpergewicht hält.

Andreas Hänni (r.) ist auf dem Eis ein knallharter Verteidiger. Privat trägt er als überzeugter Veganer Sorge zu Tieren

Andreas Hänni (r.) ist auf dem Eis ein knallharter Verteidiger. Privat trägt er als überzeugter Veganer Sorge zu Tieren Bild: Andreas Blatter

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Heute ist der 1. November, wissen Sie was das für ein Tag ist?
Andreas Hänni: Ich habe mich vor dem Interview schlau gemacht. Es ist Weltvegantag.

Wie sind Sie zum Veganismus gekommen?
Es gibt drei Gründe, warum ich keine tierischen Produkte esse. Ich bin ein Mensch mit klaren Werten. Ich habe eine emotionale Bindung zu Tieren und es sind Wesen, die man nicht töten darf. Bei allen Säugetieren geben nur die Milch, die Junge haben. Um an die Milch zu kommen, muss man die Jungen töten. Zudem hat Fleisch eine katastrophale Ökobilanz. Und nicht zuletzt aus gesundheitlichen Gründen: Viele Herz- Kreislauferkrankungen hängen mit dem Konsum von Fleisch und Milchprodukten zusammen. Auch meine zwei Kinder, alle meine Geschwister und meine Eltern leben vegan.

Wie schwierig ist es, als Eishockeyprofi vegan zu leben?
Eigentlich ist es nicht anders, als für andere Veganer. Es ist leider nicht ganz einfach, denn es gibt die Produkte nicht überall zu kaufen. Ich lebe vegan, seit ich 18 bin, mein Organismus hat sich umgewöhnt. Ich muss meinen Proteinhaushalt im Griff haben. Wussten Sie, dass Broccoli und Kohl mehr Proteine haben als Fleisch pro Kalorie?

Hat noch kein Trainer versucht, Sie aus sportlichen oder gesundheitlichen Gründen zu bekehren?
Nein, und ich würde mich auch gar nicht beeinflussen lassen.

Veganer stellt man sich bleich und dünn vor. Diesem Klischee entsprechen mit einer Körpergrösse von 189 und einem Gewicht von 100 Kilo so gar nicht. Ja, dieses Klischee kenne ich. Das kommt davon, dass die andern überernährt sind. Vielleicht sind Veganer etwas dünner, dafür leben sie länger und gesünder.

Wie muss man sich Ihren Speiseplan vorstellen? Was zum Beispiel haben Sie heute zum Zmittag gegessen?
Am Mittag habe ich mir im Tibits ein Sandwich geholt. Sonst ist mein Speiseplan asiatisch inspiriert, Currys beispielsweise sind schnell gemacht, viel koche ich sie auch mit Tofu. Aber es gibt auch Schweizer Küche, da ersetze ich das Fleisch dann einfach mit anderen Zutaten.

Nehmen Sie irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel?
Nein, ich nehme nichts.,

Was sagen Ihre Teamkollegen zu Ihrer Einstellung zur Ernährung? Hören Sie manchmal Sprüche?
Es ist unterschiedlich, beim SCB gibt es noch einen anderen Vegetarier. Die einen sind neugierig, die anderen weniger. Als ich als 18-Jähriger neu im Profihockey war, wurde ich schon etwas «gedisst». Damals kamen auch Sprüche. Inzwischen wissen alle, dass ich Veganer bin.

Haben Sie ein Problem mit Leuten die Fleisch essen? Anders gefragt: Sind Sie ein «Fundi-Veganer»?
Nein ich bin kein Fundi, das entspricht nicht meinem Naturell. Ich bin eher kritisch, wenn irgendwer darüber reden will. Wenn jemand die guten Gründe für Veganismus hören will, bin ich gerne bereit, Auskunft zu geben. Es ist eine wichtige Sache. Es gibt zum Beispiel eine Uno-Studie, die sagt, dass die tierische Produktion in der Landwirtschaft schlechter fürs Klima ist als das gesamte Transportwesen. Jedes Jahr werden 70 Milliarden Tiere getötet und die Ernährung hier richtet gesundheitliche Schäden in der Gesellschaft an. Aber ich stehe nicht auf die Kanzel und referiere. Ich mache mein Ding und die anderen machen ihres. Vielleicht bin ich auch ein Fundi, weil ich sage, was ich denke und das nicht opportun ist.

Strenge Veganer tragen auch keine Lederutensilien. Ist nichts an Ihrer Ausrüstung oder Ihrer Kleider aus Leder?
Ich trage kein Leder, auch meine Ausrüstung hat kein Leder, darauf achte ich. Und Pelzmantel habe ich auch keinen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.11.2012, 14:15 Uhr

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Andreas Hänni spielt seit 2009 in der Verteidigung beim SCB und trägt die Nummer 49. Sein Vertrag läuft Ende Saison aus, in den nächsten Monaten entscheidet sich, wie es sportlich für ihn weitergeht. Er ist 33 Jahre alt und lebt in Bern. Ursprünglich kommt er aus Erlenbach am Zürichsee.

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