«Ich bin nie locker, nie!»

Als der 51-Jährige Heinz Ehlers im Oktober bei den SCL Tigers vorgestellt wurde, lag Langnau abgeschlagen auf dem letzten Platz. Nach dem Sieg in Freiburg steht der Klassenerhalt drei Runden vor Schluss bereits fest. Der Tigers-Trainer im Interview.

Gibt den Tarif durch: Heinz Ehlers hat die SCL Tigers in die Erfolgsspur geführt.

Gibt den Tarif durch: Heinz Ehlers hat die SCL Tigers in die Erfolgsspur geführt.

(Bild: Andreas Blatter)

Waren Sie in Ihrer Trainerkarriere jemals so stolz wie jetzt?Heinz Ehlers:Ich will einzelne Erfolge nicht miteinander vergleichen. Aber es ist ein unfassbar gutes Gefühl, den Ligaerhalt so früh zu schaffen. Vor allem wenn man bedenkt, wie unglaublich weit zurück wir im Oktober lagen.

Machten Sie sich trotz grossem Vorsprung in der Platzierungsrunde wirklich Sorgen, noch von Rang 10 verdrängt zu werden? Ja, ich machte mir sogar grosse Sorgen! Ich war nervös in der letzten Woche, weil ich das Gefühl hatte, die Freiburger befänden sich im Hoch. Dass sie in Kloten 5:0 gewannen, beunruhigte mich. Es zeugt von einem Reifeprozess, haben wir den Sack gleich bei der ersten Gelegenheit zugemacht. Darauf können wir aufbauen. In mentaler Hinsicht hatte es zuvor einige Rückschläge gegeben.

Inwiefern? Wir waren einige Male nahe dran, über den Strich zu kommen. Doch jedes Mal, wenn sich die Chance bot, verloren wir.

Hat sich die Mannschaft etwa so entwickelt, wie Sie es sich vorgestellt hatten? Im Spätherbst gab es eine Phase, in der vieles für uns lief. Da realisierten die Leute, was mit einer guten Struktur im Team, mit brutal harter Arbeit möglich ist. Doch es folgten Wochen, in denen wir ein wenig vom Weg abkamen. Vor allem gelang es uns nicht, Ausfälle zu kompensieren. Alles in allem aber hat das Team einen grossen Schritt vorwärtsgemacht, das Spiel in Freiburg ist das perfekte Beispiel dafür. Alle zogen an einem Strang.

Hatten Sie nie Zweifel, dass es in Langnau schiefgehen könnte? Im Herbst hatte ich Bedenken, klar. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass wir das so gut hinkriegen werden, nicht mal ansatzweise. Es war eine verdammt schwierige Situation. Wir lagen so weit zurück, dass für mich klar war, dass wir im Frühling gegen den Zweitletzten die Playout-Serie bestreiten müssen. Mein einziges Ziel war es gewesen, nicht gegen den NLB-Sieger spielen zu müssen. Denn das macht dich psychisch fertig.

Die SCL Tigers haben das schlechteste Kader aller NLA-Teams. Wie ist es gelungen, mehrere Teams hinter sich zu lassen? Was die Qualität betrifft, haben Sie wohl recht. Doch mit Organisation, Disziplin und dem richtigen System lässt sich vieles kompensieren.

Also liegt es primär am Trainer? Bis jetzt habe ich kein Tor geschossen.

Aber Sie haben einiges fundamental geändert. Ja, im spielerischen, aber vor allem im mentalen Bereich. Da machte die Mannschaft einen Schritt vorwärts. (überlegt) Es geht nicht nur um mich, aber ich habe definitiv Anteil am Erfolg.

Sie sind ein strenger, autoritärer Coach, der gegen aussen grimmig wirkt. In den letzten Wochen machte es den Anschein, als wären Sie ein wenig lockerer geworden... ...das täuscht gewaltig. Als ich nach Langnau kam, gab es keinen Grund dafür, Spass zu haben – die Situation war absolut hoffnungslos. Hätte ich da Witze erzählen, den Clown spielen sollen? Es ging darum, das Team in die Verantwortung zu nehmen. Doch ich habe mich nicht geändert, die Abstiegssorgen waren immer präsent. Ich bin nie locker, nie! Ausser vielleicht in diesem Moment (lacht).

Zu Beginn bekundeten einige Spieler Mühe mit Ihrer forschen Art. Wie äusserte sich dies? Mal ehrlich: Einen strengen Trainer hatte Langnau schon vor einem Jahr. Der hat das sehr gut gemacht.

Sie meinen Benoît Laporte – ihn jagten die Spieler quasi davon. Richtig, doch ich weiss nicht, weshalb. (überlegt) Die Mannschaft hat realisiert, was es braucht, um erfolgreich zu sein. Aber wir haben das kleinste Budget in dieser Liga, einfacher wird es nicht.

Werden Sie sich in der nächsten Saison also nicht die Playoff-Teilnahme zum Ziel setzen? Schon nur diese Leistung zu wiederholen, wird schwierig werden. Gottéron zum Beispiel wird mit Reto Berra im Tor 30 oder gar 40 Punkte mehr gewinnen, hundertprozentig! Wir müssen auf Fehler der Gegner hoffen. Und selber alles richtig machen, auch bei den Transfers. Es braucht noch mehr Charakterstärke im Team; es wird sicher kein Spieler geholt, den ich nicht will. Dass wir mit fünf Ausländern starten werden, freut mich sehr.

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