Huguenin findet die Erlösung im Emmental

Anthony Huguenin fiel in Biel ausser Rang und Traktanden. Nun setzen die SCL Tigers langfristig auf den 25-jährigen Verteidiger. Auch gegen den EV Zug (heute Freitag, 19.45 Uhr).

Engagiert: Anthony Huguenin (links) will in Langnau so schnell als möglich den Ligaerhalt schaffen.

Engagiert: Anthony Huguenin (links) will in Langnau so schnell als möglich den Ligaerhalt schaffen.

(Bild: Keystone)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Überrascht? «Ja, es ist doch ­relativ schnell gegangen», sagt Anthony Huguenin. Am Mittwoch gaben die SCL Tigers bekannt, dass sie den Verteidiger bis 2019 unter Vertrag nehmen. Er lächelt, spricht von einem Neuanfang. «Meine Saison hat erst begonnen, als ich nach Langnau kam. Ich bin glücklich.»

Im Januar erst stiess Huguenin zu den Emmentalern, er sollte die knapp besetzte Defensive vorerst bis Saisonende unterstützen. Der Neuenburger nahm dieses Angebot gerne an, war er doch in Biel ausser Rang und Traktanden ­gefallen.

Unglaublich sei es ge­wesen, sofort so viel spielen zu können, hält er fest. Und weil er überzeugte (6 Spiele, 1 Tor), machte Sportchef Jörg Reber rasch Nägel mit Köpfen. «Für mich ist das eine Genugtuung», sagt der 25-Jährige.

Am Nullpunkt angelangt

Huguenin blickt auf die schwierigsten Monate in seiner Karriere zurück. Beim EHC Biel war er bis Mitte Januar lediglich 14-mal zum Einsatz gekommen, verbrachte die meiste Zeit auf der Tribüne oder bei seinem Stammklub La Chaux-de-Fonds.

Auch wenn ihm dieser leihweise Abstecher in die NLB gutgetan habe, sei es zu Beginn brutal gewesen. «Nach zehn Minuten in der ersten Partie hatte ich keine Energie mehr, mir fehlte der Rhythmus, obwohl ich die ganze Zeit trainierte.» ­Huguenin begann zu zweifeln, er befand sich am Nullpunkt.

2011 hatte ihn Kevin Schläpfer in Biel zum NLA-Verteidiger gemacht. Vor zwei Jahren bemühte sich der Baselbieter stark, den zehnfachen Nationalspieler aus Freiburg zurückzuholen. «Ich hatte mehrere Optionen, doch ich wollte wieder in Biel spielen», hält dieser bestimmt fest.

Es war ein folgenschwerer Entscheid. In der letzten Spielzeit entging der EHCB der Ligaqualifikation nur, weil NLB-Meister Ajoie nicht aufsteigen wollte. Er machte ­immerhin 25 Punkte, «was nicht schlecht war, wie ich finde», sagt er.

Schläpfer war anderer Meinung. Bereits in der Vorbereitung auf die aktuelle Saison setzte er Huguenin unter Druck, bemängelte dessen Defensivspiel. Schläpfer: «Er machte zwei, drei grosse Fehler pro Partie.» Er habe versucht, daran zu arbeiten, meint der Verteidiger, «aber ich hatte nicht die Möglichkeit, mich zu zeigen, weil ich kaum Eiszeit erhielt». Trotz allem liegt es Huguenin fern, Schläpfer zu kritisieren. «Denn er gab mir die Chance, mich in der NLA zu etablieren.»

Überdies ist für ihn die Situation auch mit dem Wechsel zu Mike McNamara nicht besser ­geworden. Weil es den Bielern gut lief, sah der neue Coach keinen Grund, Umstellungen vorzunehmen. Das Engagement in Langnau sei deshalb für ihn eine Erleichterung gewesen, sagt Huguenin, «auch wenn es weh tat, die Kollegen in Biel zu verlassen».

Playout-Profi

Bei den SCL Tigers fand sich der 25-Jährige rasch zurecht. In der Equipe figurieren mehrere Romands, überdies steht ihm Jewgeni Schirjajew mit Rat und Tat zur Seite – was kaum überrascht, er ist Huguenins Schwager.

Nun ist der Verteidiger gefordert, stehen die SCL Tigers doch vor wegweisenden Wochen. Zum Abschluss der Qualifikation zu Hause gegen Zug und in Davos müssen die Langnauer Punkte sammeln, damit in der Zwischenrunde nicht noch das grosse Zittern beginnt. ­

Zuletzt jedoch verloren die SCL Tigers dreimal in Folge. «Nach der Niederlage gegen den SCB hat in der Garderobe kaum jemand etwas gesagt, wir waren wirklich enttäuscht, weil es unglaublich schön gewesen wäre, in den Playoffs zu spielen», sagt Huguenin. Entsprechend sei die Mannschaft auch am nächsten Tag in Zürich nicht bereit gewesen, was sich in der 3:8-Niederlage manifestiert habe.

Huguenin ist ein Playout-Experte, er ist zum dritten Mal in Folge in den Abstiegskampf involviert. «Lustig ist das nicht», meint er, «geht es schief, sind im Klub plötzlich Arbeitsplätze bedroht, die Fans werden nervös, du spielst schlicht ums Überleben.»

Noch ist die Ausgangslage der SCL Tigers einigermassen komfortabel, ihr Vorsprung auf das elftplatzierte Gottéron beträgt 8 Punkte. «Das ist kein Grund, uns zurückzulehnen», betont Huguenin. «Wir müssen sofort vergessen, was war, uns auf das, was vor uns liegt, konzentrieren.» Niemand weiss das so gut wie er.

Berner Zeitung

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