Hart ist auch, wer klaglos einstecken kann

In den Playoffs nehmen Härte und Intensität zu. Kann dies für den SC Bern, die kleinste Mannschaft in der NLA, zum Problem werden? «Grösse und Gewicht allein sagen noch nichts über die Kraft aus», sagt Verteidiger Justin Krueger.

SCB-Stürmer Thomas Rüfenacht vor dem Playoff-Start am Samstag. Video: Christian Häderli

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Ist der SC Bern zu klein, zu leicht, zu weich für die Playoffs? Die Frage mag in Anbetracht des Qualifikationssiegs frech erscheinen, unberechtigt ist sie nicht, wie ein Blick auf die Statistik zeigt: Elf Stammspieler der Mutzen sind weniger als 1,80 Meter gross; der Meister stellt die kleinste, zweitleichteste und zweitfairste Mannschaft aller Playoff-Teilnehmer.

Trotzdem antworten Thomas Rüfenacht und Justin Krueger unabhängig voneinander bestimmt mit: «Ganz sicher nicht.» Eine kleine Anzahl von Strafen bedeute nicht, dass die Spieler zu lieb seien, betont Rüfenacht. «Man kann hart und doch fair checken. Zudem haben Stockfouls nichts mit Härte zu tun.» Er sei einverstanden mit der Einschätzung, dass in den Playoffs Intensität und Härte zunähmen, hält der Flügel fest. «Wenn es um alles oder nicht geht, ist auto­matisch mehr Kampf im Spiel. Ausserdem schaukeln sich die Emotionen während einer Serie manchmal hoch.» Sorgen bereitet dies dem schweizerisch-amerikanischen Doppelbürger freilich nicht: «Auch wir verfügen durchaus über bissige Spieler.»

SCB-Flügel Thomas Rüfenacht (r.) will Härte ins Spiel bringen, aber keine Strafen verschulden. Bild: Freshfocus

Sich für das Team aufopfern

Krueger ist erstaunt über die Zahlen. Gefühlsmässig hat er nicht erwartet, dass der SCB zu den Leichtgewichten der NLA gehört. Doch der Deutschkanadier, mit 100 Kilo bei 1,88 Metern selber ein Brocken, meint: «Grösse und Gewicht allein sagen noch nichts über die Kraft aus.» Als Beispiel nennt er Tristan Scherwey. «Er ist ziemlich klein und leicht und doch eine Maschine. Er besteht vorwiegend aus Muskeln. In der Liga weiss jeder, dass er einer der härtesten Checker ist.» Und Krueger erwähnt auch noch David Jobin, seinen eher schmäch­tigen Verteidigerkollegen: «Er ist nicht gross, aber sehr schnell. Und dass auch er hart ist, zeigt er beim Blocken der Schüsse.»

Sich für das Team aufopfern, das gehört dazu. Beim Meister sind alle überzeugt, dass der Uneigennutz der Akteure eine der grossen Stärken des Ensembles ist. «Wir spielen, um zu gewinnen, nicht für persönliche Statistiken. Wenn wir 3:1 führen, will nicht jeder das 4:1 schiessen. Für alle steht das Verwalten des Vorsprungs im Vordergrund», erzählt Rüfenacht. Und Krueger hält fest: «Wir haben einen guten Mix, ja wir haben alles: Härte, ­Finesse, Schnelligkeit und einen hervorragenden Goalie.»

Umfrage

Wie weit schafft es der SC Bern in den Playoffs?

Bern wird wieder Meister

 
67.5%

Es reicht für den Final

 
20.4%

Im Halbfinal ist Schluss

 
5.1%

Der SCB scheitert im Viertelfinal an Biel

 
7.1%

594 Stimmen


Wer spielt den Bösewicht?

Was dem SCB seit dem Abgang Timo Helblings fehlt, ist ein Akteur, der die Rolle des furcht­erregenden Bösewichts auszu­füllen vermag, ein Mann, mit dem sich nur wenige auf einen Faustkampf einlassen wollen. Jeder müsse bereit sein, sich für das Wohl des Teams einem Duell zu stellen, hält Rüfenacht fest, korrigiert sich dann aber gleich selber: «Es wäre sicher nicht gut, wenn Arcobello diesen Job übernähme. Doch wir haben sicher immer einen oder zwei Spieler auf dem Eis, die sich behaupten können.»

Auch Krueger sieht in dieser Hinsicht kein Problem. Simon Moser, Alain Berger, Jérémie Kamerzin und er selber seien gross und kräftig. Ist der Sohn des ehema­ligen Schweizer Nationalcoachs nun quasi der Sheriff des SCB? «Das war immer Teil meiner Rolle», räumt er ein, «ich bin immer da, wenn auf dem Feld etwas nicht sauber läuft.»

Checks zwecks Prävention

Es ist durchaus möglich, dass Krueger in den nächsten Wochen ab und zu als Beschützer auf­treten muss. Die drei besten ­Torschützen des Qualifikationssiegers, Mark Arcobello (25 Tore, 1,73 m), Martin Plüss (19, 1,74 m), und Ryan Lasch (13, 1,70 m), sind auch die drei Kleinsten im Team.

Die Berner haben freilich vor, Eskalationen zu vermeiden, indem sie durch schnelles Spiel und harte Checks Präsenz markieren. Und sie wollen diszipliniert auftreten, denn auf der Strafbank gewinnt man keine Playoff-Serien. Härte bedeutet laut Rüfenacht nicht unbedingt, kräftig auszu­teilen, sondern vor allem klaglos einzustecken. «Man darf die Kon­trolle über sich nicht verlieren.» Der Flügel selber ist ein Meister darin, seinen Gegenspielern unter die Haut zu gehen. Pro­vozieren gehört für ihn dazu, zum Wohl seiner Equipe.

Doch vielleicht wird der Viertelfinal gegen Biel ganz gesittet verlaufen, immerhin treffen die zwei am wenigsten bestraften Playoff-Teams aufeinander. Krueger freut sich so oder so ex­trem auf die Derbys. «Ich erwarte eine tolle Stimmung, ausver­kaufte Stadien, viele Emotionen, intensive Duelle – beste Unterhaltung für alle.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.03.2017, 11:13 Uhr

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NLA

50. Runde

25.02.HC Lugano - ZSC Lions3 : 2
25.02.Geneve-Servette HC - EHC Kloten2 : 4
25.02.Fribourg-Gottéron - SC Bern4 : 7
25.02.HC Davos - SCL Tigers6 : 2
25.02.HC Ambri Piotta - Lausanne HC3 : 2
25.02.EV Zug - EHC Biel-Bienne4 : 3
Stand: 25.02.2017 22:19

Rangliste

NameSpSU+U-NG:EP
1.SC Bern5031649160:114109
2.ZSC Lions5026987166:115104
3.EV Zug50283613153:12296
4.Lausanne HC50235121154:13980
5.HC Davos50224420152:13578
6.HC Lugano50196421142:15573
7.Geneve-Servette HC501841117135:14073
8.EHC Biel-Bienne50212324146:14070
9.EHC Kloten501451021142:16262
10.SCL Tigers50164327124:15459
11.Fribourg-Gottéron50125231130:17748
12.HC Ambri Piotta5098528113:16448
Stand: 25.02.2017 22:23

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