«Genoni kam rein und hat die Tür zugemacht»

Der Schweizer Nationaltrainer Patrick Fischer (41) spricht nach dem 3:2-Erfolg nach Verlängerung gegen Kanada über den Goaliewechsel, die Partie gegen Finnland und sein Einzelzimmer.

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Patrick Fischer, das war in vielerlei Hinsicht ein spezieller Abend gegen Kanada.
Patrick Fischer: Absolut. Erstens war die Atmosphäre speziell, mit so vielen Schweizern im Stadion. Ich habe den Jungs vor dem Spiel gesagt: Geht raus, es warten Tausende von Fans auf euch. Und dann ist der Puck für uns gesprungen – nicht am Anfang, aber gegen Ende. Wir hatten Glück, aber wir haben uns den Sieg erkämpft. Deshalb ist es sicher ein spezieller Abend.

Bereits am Sonntag folgt der Vergleich mit Finnland. Wie wird die Schweiz in diese Partie steigen?
Wir werden nichts ändern. Die Finnen sind gut, abgeklärt, aber zur Zeit sicher nicht in Topverfassung. Wir müssen hinten solid spielen, kämpfen und vorne die Scheibe aufs Tor bringen.

Müssen Sie die Mannschaft nach dem Sieg gegen Kanada nun eher fliegen lassen oder auf den Boden holen?
Dieses Team fliegt nicht. Die Spieler haben einen ehrlichen, gesunden Charakter. Sie sind immer normal, fliegen im Erfolgsfall nicht zu hoch und liegen bei Niederlagen nicht am Boden.

Sie haben die Partie gege die Kanadier mit Jonas Hiller im Tor begonnen. Weshalb?
Weil wir mit ihm einen Top-Goalie haben, und weil wir ihm vertrauen. Hiller kennt die NHL-Spieler, zudem hatte Leo Genoni in der Vorbereitung in Genf gegen Kanada ein schwieriges Spiel gehabt (1:4, die Red.) und an der WM bereits drei Partien bestritten. Deshalb fiel die Wahl auf «Hilli».

Und weshalb haben Sie nach dem 0:2 den Torhüter gewechselt?
Es war kein Entscheid gegen Hiller. Ich wollte der Mannschaft ein Zeichen geben. Wenn es so läuft wie bei uns zu Beginn, dann musst du etwas ändern. Es ist aufgegangen, Genoni kam rein und hat die Tür zugemacht. Und alle anderen haben sich gefangen. Wir hatten in der Vergangenheit zig andere Spiele, die wir hätten gewinnen müssen, aber am Ende verloren. Gegen Kanada lief es für einmal in die andere Richtung.

Die Schweiz hat von den letzten acht Partien gegen Kanada an Grossanlässen deren vier gewonnen: 2006 an den Olympischen Spielen in Turin, 2010, 2013 und nun 2017 an der WM. Gibt es dafür Gründe?
Kanada ist das beste Team der Welt. Es ist immer extrem speziell, sich mit den Kanadiern zu messen. In Turin war ich als Spieler auf dem Eis. Wir hätten diesen Match 0:6 verlieren können, haben aber 2:0 gewonnen, weil Tinu Gerber im Tor alles gehalten hat. Manchmal gibt es einfach solche Partien. Wir waren auch jetzt sicher nicht besser als Kanada – im Normalfall geht dieser Match verloren. Ich hoffe, dass wir nun auch die Finnen einmal bezwingen. Das ist uns noch nicht oft gelungen.

Handelt es sich um Ihren grössten Erfolg als Schweizer Nationaltrainer?
Als Headcoach: ja. Als Assistent gab es noch grössere, ich denke an den Erfolg im WM-Halbfinal 2013 gegen die USA. Damals haben wir den Sieg sicher nicht geklaut, das war ein noch schöneres Gefühl. Aber als Headcoach ist es der grösste Erfolg… Gut, an der Arosa Challenge gabs vielleicht auch noch einen. (lacht)

Sie haben es erwähnt: In Turin waren Sie als Spieler beim Sieg über Kanada dabei. Nun sind Sie es als Trainer. Ist die Freude eine ähnliche?
Emotional ist es dasselbe, sehr erfüllend. Ich erinnere mich: Ich war in Turin mit Paul DiPietro (er erzielte gegen Kanada beide Tore, Anm. d. Red.) im Zimmer. In dieser Nacht hat er etwa tausend SMS erhalten aus der Schweiz und aus Kanada. Das wird nach diesem Sieg nicht passieren – weil ich ein Einzelzimmer habe. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.05.2017, 08:26 Uhr

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