Finnische Tormaschine mit Aussetzern

Nach einem Stilwechsel sind die Nordländer so offensiv stark wie anfällig. Es droht die erste Niederlage gegen die Schweiz seit 1988.

Der beste Skorer des Turniers: Finnlands
Sebastian Aho (20). Foto: C. Bruna (Keystone)

Der beste Skorer des Turniers: Finnlands Sebastian Aho (20). Foto: C. Bruna (Keystone)

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Als der Schweizer Stürmer Tristan Scherwey erklärte, wie sein Team morgen im Viertelfinal Finnland besiegen will, beschrieb er unbeabsichtigt das ­Erfolgsrezept des Gegners. «Wir werden hungrig sein, wir werden Vollgas geben, wir werden sie schikanieren», versprach Scherwey. Viel besser lässt sich auch der Auftritt nicht beschreiben, mit dem die Finnen im letzten Gruppenspiel die USA demontierten und von der ­Tabellenspitze verdrängten.

Nicht zum ersten Mal an dieser Weltmeisterschaft fiel dabei besonders einer auf. Sebastian Aho, erst 20 Jahre alt, schoss beim 6:2 gegen die Nordamerikaner die ersten beiden Tore sowie das letzte und ist damit bester Skorer des ­gesamten Turniers. Mit 9 Toren und 8 Assists liegt er knapp vor seinem Landsmann Teuvo Teräväinen, mit dem er auch bei den Carolina Hurricanes ein kongeniales Duo bildet.

«Er hat einen tollen Schuss»

Die beiden ragen heraus aus dem neunköpfigen NHL-Kontingent von Trainer Lauri Marjamäki. Doch prominent sind auch andere. Da ist Mikko Rantanen, der Teamkollege von Sven Andrighetto in Colorado und mit 84 Punkten die Nummer 17 der NHL-Skorerliste. Da ist Mikael Granlund, der Teamkollege von Nino Niederreiter in Minnesota und zweitbeste Skorer beim finnischen Weltmeisterteam 2011. Da ist Eeli Tolvanen, Teamkollege von Roman Josi und Kevin Fiala in Nashville und bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang zweitbester Skorer überhaupt. Mit erst 19 Jahren. «Er hat einen tollen Schuss», schwärmt Josi, «man kann sehen, was für Skills er hat.»

Kein Zufall jedoch, dass in dieser Aufstellung nur Stürmer vorkommen. Denn wie selten zuvor ein finnisches WM-Team ist das diesjährige vorwärts orientiert. Vor dem 6:2 gegen die USA ­besiegte es Kanada 5:1, schoss gegen Korea, ­Norwegen und Lettland insgesamt 23:2 Tore. Und zeigte doch auch ein ganz ­anderes Gesicht: 2:3-Niederlagen gegen Dänemark und Deutschland deuten auf eine Mannschadft hin, die an einem weniger guten Tag weder besonders hungrig ist noch den Gegner schikanieren kann, um es mit Scherwey zu sagen.

Trainer Marjamäki ist erst 40 Jahre alt und war in Finnland wegen seiner vorsichtigen taktischen Ausrichtung lange in der Kritik. Im Sommer geht er, übernimmt er den KHL-Club Jokerit Helsinki. Nun hat er zum Abschluss seiner Verbandszeit einen radikalen Stilwechsel vollzogen. Dass der riskant ist und das System wenig gefestigt, zeigt sich in ­diesen Tagen deutlich. Und bietet den Schweizern die Chance, gegen einen schwierigen Gegner Sporthistorisches zu ­erreichen: den ersten Sieg gegen Finnland seit den Olympischen Spielen 1988 (2:1) nämlich. Der letzte Sieg an einer WM liegt gar noch weiter zurück: 1972 in Prag war das (3:2). (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.05.2018, 23:21 Uhr

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