Erfolgsgeschichte ohne Happy End

Was in den letzten Wochen gemunkelt wurde, ist nun Tatsache: Bengt-Ake Gustafsson wird die SCL Tigers nicht länger trainieren. Eine Geschichte über Enttäuschungen und Erwartungen.

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Marco Oppliger@BernerZeitung

Eine Woche ist es her, da feierten die SCL Tigers den Wiederaufstieg in die NLA. Die Euphorie darüber schien im Emmental gar nicht mehr abebben zu wollen, die Stimmung passte zum sonnigen Wetter – zumindest bis Donnerstagmittag. Denn da zogen nicht nur am Emmentaler Himmel dunkle Wolken auf. Schliesslich verkündete der Klub, was längst gemunkelt worden war: Der Vertrag mit Coach Bengt-Ake Gustafsson und dessen Assistent Peter Andersson wird nicht verlängert.

Auf den ersten Blick kommt der Entscheid einer grossen Überraschung gleich, denn Gustafsson hatte sämtliche an ihn gestellten Anforderungen erfüllt – ja übertroffen. Deshalb war die Empörung bei den Fans gross, wie ein Blick in die Kommentarspalten auf einschlägigen Internetseiten zeigte.

«Bin richtig enttäuscht»

Gustafssons Leistungsausweis kontrastiert mit dem Entscheid der Tigers-Führung. Als er das Team im Oktober 2013 übernommen hatte, befand sich dieses in der Krise, der Start in die erste NLB-Saison war völlig misslungen. Unter dem Schweden jedoch steigerte sich die Mannschaft kontinuierlich, in der abgelaufenen Spielzeit dominierte sie die zweithöchste Liga nach Belieben und liess in der Ligaqualifikation auch Rapperswil-Jona keine Chance. Deshalb überrascht die Reaktion Gustafssons kaum: «Ich bin richtig enttäuscht, wir haben ja alles erreicht.» Der 57-Jährige hält gegenüber dieser Zeitung fest, «dass ich wirklich ein gutes Gefühl hatte, hier weiter arbeiten zu können.»

Nun, insgeheim dürfte der Trainer gewusst haben, dass sein Rückhalt im Emmental nicht allzu gross ist. Obschon die SCL Tigers in der abgelaufenen Saison wenig Schwächen zeigten, stand Gustafsson mehrmals in der Kritik. Und immer tönten die Vorwürfe gleich: Zu wenig aktives Coaching, zu wenig Impulse an die Spieler.

Zuweilen wurde er von diesen sogar aufgefordert, mehr Taktik zu unterrichten. «Ich war als Spieler ein ruhiger Typ und als Trainer auch, das ist keine Neuigkeit», antwortet Schwedens Weltmeister- und Olympiasieger-Coach von 2006, darauf angesprochen.

Diverse Kandidaten

Man sei sich durchaus bewusst, dass dieser Entscheid nicht alle verstehen können, lässt Jörg Reber verlauten. «Doch wir haben die ganze Saison analysiert, nicht bloss die letzten zwei, drei Wochen», begründet der Langnauer Sportchef. Letztlich sei man zum Schluss gekommen, dass man hinsichtlich der NLA-Saison neue Impulse setzen müsse.

«Gustafsson hat auch vieles gut gemacht, aber intern ist es für uns der absolut richtige Entscheid.» Gewiss weiss Reber, dass er – sollten die SCL Tigers mit dem neuen Coach scheitern – ins Zentrum der Kritik geraten würde. «Das ist ein Risiko, aber mir geht es nur darum, für Langnau das Beste herauszuholen.»

Dem pflichtet Verwaltungsratspräsident Peter Jakob bei: «Wir hätten die einfache Tour wählen und mit dem Trainer ein Jahr verlängern können, um ihn dann, sollte es in der NLA nicht klappen, auszuwechseln.» Doch in den letzten Jahren habe man zu oft diese kostspielige Strategie gewählt, «und das können wir uns einfach nicht leisten.»

Zieht man Jakobs Anforderungsprofil an den neuen Coach in Betracht («er sollte sich unglaublich engagieren, sich in die ganze Organisation einbringen und Kontakt mit den SCL Young Tigers halten»), wird klar, woran eine Weiterverpflichtung Gustafssons gescheitert ist.

Namen wollten am Donnerstag weder Reber noch Jakob nennen – an Kandidaten für den Trainerposten dürfte es freilich nicht mangeln. Es hätten sich bereits mehrere Coaches gemeldet, hält Jakob fest. Er ist überzeugt, in den nächsten Wochen einen Nachfolger für Gustafsson präsentieren zu können.

Für Sportchef Reber ist klar, dass dieser einen aggressiven Spielstil praktizieren lassen sollte: «Das Ziel muss sein, dass die anderen Teams nicht gerne nach Langnau kommen. Wir wollen ein unangenehmer Gegner sein.» Im Emmental übrigens dürfte es am Freitag regnen.

Berner Zeitung

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