Er hofft, noch möglichst lange Gast beim SCB zu sein

Sandro Brügger, in der letzten Saison noch in der dritthöchsten Liga tätig, erweist sich bei Bern derzeit als wertvoller Lückenfüller.

Sandro Brügger fand in der zweithöchsten Liga keinen Job und ging zum EHC Basel. Doch zurzeit ist er beim SCB ein wertvoller Lückenfüller.

Sandro Brügger fand in der zweithöchsten Liga keinen Job und ging zum EHC Basel. Doch zurzeit ist er beim SCB ein wertvoller Lückenfüller.

(Bild: Freshfocus)

Adrian Ruch

2017 war Sandro Brügger ganz unten. Als Martigny in Konkurs ging, fand der Freiburger, der bei Gottéron einst neben Christian Dubé und Simon Gamache hatte stürmen dürfen, selbst in der zweithöchsten Liga keinen Job mehr und musste beim EHC Basel in der Mysports League anheuern. «Ernsthaft ans Aufhören dachte ich zwar nicht, aber in diesem Sommer befand ich mich moralisch schon im Tief», gibt er zu. «Doch als ich wieder auf dem Eis stand, kehrte die Freude sofort zurück.» Auf dritthöchster Stufe lag das Profidasein nicht mehr drin, der Stürmer arbeitete zu 50 Prozent bei einer Immobilienfirma im Büro.

Jetzt ist der 27-Jährige zwar noch nicht ganz, aber doch schon weit oben: Der kleingewachsene Stürmer bestreitet mit dem SC Bern das Playoff und steht nach einer epischen Serie gegen Servette im Halbfinal. «Es ist kaum zu glauben, wenn man bedenkt, wo ich vor einem Jahr war», sagt er selber.

Mit Basel in der Relegationsrunde

Vor gut 12 Monaten bestritt er mit Basel die Relegationsrunde und trat vor 200 Zuschauern an. Morgen dürfte er mit dem SCB gegen Biel in die ausverkaufte Postfinance-Arena einlaufen. «Diese Entwicklung hätte ich mir nicht einmal im Traum vorstellen können.»

Weil 2018 13 Teammitglieder an den Olympischen Spielen in Südkorea weilten, lud der SCB ein paar Unterligaakteure ein, um mit den verbliebenen Profis zu trainieren und Testspiele zu bestreiten. Brügger hinterliess einen guten Eindruck. Jedenfalls wurde der Freiburger, mittlerweile beim SCB-Partnerteam Visp unter Vertrag, heuer hinsichtlich Playoff mit einer B-Lizenz ausgestattet.

Und in der Hierarchie der Notfallspieler steht er zuoberst – nicht zuletzt, weil er Kari Jalonen in einem Swiss-League-Playoff-Match gegen Olten überzeugte. «Er ist ein smarter Spieler. Ich sah, dass er keine Fehler begeht. Sein Spielverständnis ist neben seiner NLA-Erfahrung der Hauptgrund, dass ich ihn einsetze», erklärt der Finne.

Zurück im Kinderzimmer

In Game 4 der Serie gegen Servette agierte Brügger als Flügel in der vierten Formation, weil Alain Berger gesperrt war. In Game 5 ersetzte er ab dem zweiten Drittel den ausgefallenen Center Gaëtan Haas. «Gleich im ersten Einsatz gelang unserer Linie ein Tor, das erleichterte mir die Sache erheblich», erzählt er. Überhaupt macht Brügger seine Sache bisher gut. Skorerpunkt hat er zwar noch keinen geholt, aber er ist bei drei Plustoren und bei keinem Gegentreffer auf dem Eis gestanden.

Derzeit wohnt Sandro Brügger in Alterswil bei seinen Eltern. Er übernachtet im ehemaligen Kinderzimmer, wo einst neben NHL-Utensilien und Bildern der Gottéron-Russen Slawa Bykow und Andrei Chomutow auch ein Poster von Ivo Rüthemann an der Wand hing. «Von ihm war ich ein grosser Fan.»

Der polyvalente Stürmer hofft, noch möglichst lange bei den Eltern und beim SCB zu Gast zu sein. 2013 hatte er mit Gottéron den Playoff-Final bestritten, diesen ausgerechnet gegen Bern verloren. Wie sein Abenteuer auch endet, er wird für die nächste Saison zum EHC Visp zurückkehren, bei dem er seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hat. Im Wallis gefällt es ihm ausgezeichnet. Doch «im Hinterkopf» ist, wie er sagt, der Gedanke an eine Rückkehr in die National League noch vorhanden. Oben ist es halt am schönsten.

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