«Eine Frechheit gegenüber den Fans»

Sechste Runde, sechste Niederlage: Im Heimspiel gegen Lausanne enttäuschen die SCL Tigers schwer, verlieren verdientermassen 0:5. «Für unsere Leistung gibt es keine Entschuldigung», meinte Yannick-Lennart Albrecht.

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Es ist erst September, in den Eishallen sind noch kaum Mützen und Winterjacken zu sehen. Die Meisterschaft ist gerade mal zwei Wochen alt, 44 Qualifikationsrunden stehen aus. Doch die Prognose sei gewagt: Wer heute darauf wettet, dass die Saison für die SCL Tigers turbulent, mühsam und ziemlich lang wird, der legt sein Geld so schlecht nicht an.

Mit dem 0:5 gegen Lausanne verloren die Langnauer auch ihr sechstes Spiel, wobei nicht dieser Fakt allein zu denken gibt. Der Auftritt vor 5180 Zuschauern in der Ilfishalle war schlichtweg ungenügend. Es mangelte an vielem: an Organisation, an einer Spielidee, an Durchsetzungsvermögen. Und so weiter. Und so fort.

Aussprache in der Kabine

Die Kunst des Schönredens will gelernt sein. Und nach den ersten fünf Runden hatten sich die Emmentaler diesbezüglich als Könner erwiesen. Falsch waren sie damit nicht gelegen, schliesslich waren die Leistungen trotz nur eines Punktgewinnes mit Ausnahme der Startpartie in Bern durchaus ordentlich gewesen.

Am Dienstagabend jedoch sprachen die Titulare Klartext. «Für unsere Leistung gibt es keine Entschuldung», meinte Stürmer Yannick-Lennart Albrecht, «unser Auftritt war eine Frechheit gegenüber den Fans», resümierte derweil Claudio Moggi.

Nach Spielschluss blieb die Kabinentür über 20 Minuten lang zu, es bestand reichlich Gesprächsbedarf. Der Frust sass tief bei der Tigers-Belegschaft, und ungefähr so gross wie der Ärger nach dem Spiel war zuvor die Unsicherheit auf dem Eis gewesen. Die Darbietung warf Fragen auf.

Die fehlende Struktur im Langnauer Spiel, die vielen Fehler in der eigenen Zone, die Undiszipliniertheiten – eine Erklärung hierfür liess sich auf die Schnelle nicht finden. «Es war ein Desaster», sagte Moggi, «es lief alles gegen uns, und wir zeigten unverständlicherweise überhaupt keine Emotionen. So zu spielen, das geht einfach nicht.»

Fehlendes Selbstvertrauen

Entschieden war die Partie bereits nach 17 Minuten, als die SCL Tigers 0:3 zurücklagen. Eric Walsky (7.) sowie im Powerplay Matteo Nodari (10.) und Sven Ryser zeichneten für die Treffer verantwortlich. Am Ursprung des zweiten Gegentors war ein Langnauer Wechselfehler gestanden, der in eine Bankstrafe mündete. Ryser reüssierte gar in doppelter Überzahl. Zu einer Reaktion war der Tabellenletzte nicht mehr fähig.

Weil Thomas Nüssli schon nach 10 Minuten angeschlagen ausfiel, musste Scott Beattie die Angriffsformationen umstellen. Der Trainer änderte die Linien mehrmals, der Ertrag indes blieb aus. Die besten Möglichkeiten vergaben Rob Schremp (Pfostenschuss) sowie Chris DiDomenico. Der Kanadier konnte allein auf Cristobal Huet losziehen, spielte den Goalie aus, traf aus zwei Metern allerdings backhand das leere Tor nicht.

Und so entwickelte sich eine ereignisarme Partie. Ville Koistinens Eigentor zum 0:4, der brachiale Fruststockbruch von Lukas Haas sowie das gewiss zwingend notwendige Time-out von Lausanne-Coach Dan Ratushny kurz vor Schluss – beide Trainer schwiegen während der 30 Sekunden – durchbrachen die Langweile.

Überraschungsleader Lausanne (6 Spiele, 15 Punkte) agierte souverän. «Bei uns dagegen fehlte das Selbstvertrauen», hielt Yannick-Lennart Albrecht fest. Eine markante Steigerung ist nötig, und zwar so schnell wie möglich. Sonst dürfte der Herbst aus Tigers-Sicht schon bald äusserst stürmisch werden.

Matchtelegramm

SCL Tigers - Lausanne 0:5 (0:3, 0:1, 0:1)

5180 Zuschauer. - SR Massy/Mollard, Borga/Progin. - Tore: 7. Walsky (Froidevaux, Pesonen) 0:1. 10. Nodari (Pesonen/Ausschluss Schremp) 0:2. 17. Sven Ryser (Froidevaux, Junland/Ausschlüsse Pascal Berger, Schremp) 0:3. 38. Miéville (Sven Ryser) 0:4. 56. Kneubühler (Florian Conz) 0:5. - Strafen:5mal 2 Minuten gegen SCL Tigers, 4mal 2 Minuten gegen Lausanne. - PostFinance-Topskorer: Schremp; Herren.

SCL Tigers:Punnenovs; Stettler, Koistinen; Flurin Randegger, Seydoux; Zryd, Adrian Gerber; Yves Müller, Currit; Pascal Berger, DiDomenico, Shinnimin; Claudio Moggi, Albrecht, Nüssli; Kuonen, Schremp, Roland Gerber; Lukas Haas, Schirjajew, Sven Lindemann.

Lausanne:Huet; Dario Trutmann, Junland; Nodari, Genazzi; Gobbi, Jannik Fischer; Lardi, Schelling; Déruns, Miéville, Sven Ryser; Danielsson, Jeffrey, Herren; Walsky, Froidevaux, Pesonen; Augsburger, Florian Conz, Kneubühler.

Bemerkungen: SCL Tigers ohne Nils Berger und Murray, Lausanne ohne Paul Savary und Benjamin Antonietti (alle verletzt). Nüssli verletzt ausgeschieden (12.). - Pfostenschuss Schremp (32.). - Timeout Lausanne (53.).

Berner Zeitung

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