Ein Crash und ein Mann auf seiner Mission

Der SC Bern steht dank einem 5:1 in der «Belle» gegen Biel im Playoff-Final und trifft dort auf den EV Zug.

Die Szene, die bleibt: Hillers Crash, das Berner 2:0. Video: SRF.
Adrian Ruch

Eine «Belle» zwischen zwei Berner Clubs ist im helvetischen Spitzeneishockey etwas Spezielles, bisher etwas Einmaliges sogar. Irgendwie ist es daher passend, wird dieses Duell durch eine aussergewöhnliche Szene vorentschieden. Robbie Earl schiesst in der 11. Minute Tristan Scherwey an der gegnerischen blauen Linie an, der Stürmer des SC Bern verschafft sich im Laufduell Vorteile, derweil Biel-Goalie Jonas Hiller aus dem Tor sprintet.

Scherwey und Hiller hechten der Scheibe entgegen, der Berner verfehlt sie, der Bieler spitzelt sie weg. Während Earl mit voller Wucht in seinen Teamkollegen prallt, schiesst Gregory Sciaroni den Puck ins verlassene Gehäuse.

Scherwey, der auch leicht mit dem Keeper kollidiert ist, versichert sich, dass der Puck im Tor ist, jubelt aber nicht, sondern blickt betroffen auf den benommen auf dem Eis liegenden Berufskollegen. Derweil die Schiedsrichter die Fernsehaufnahmen konsultieren, wird Hiller gepflegt. Nach ein paar Minuten ist die Sache klar: Das 2:0 für den SCB ist gültig, der Seeländer Keeper kann nicht weitermachen und wird durch Dennis Saikkonen ersetzt.

Scherweys Blick

Rund 20 Minuten vorher, kurz vor dem ersten Bully, war die Anspannung bei den Exponenten gross. Die SCB-Fans auf der imposanten Stehrampe teilten ihren Lieblingen per Transparent mit, ganz Bern stehe hinter ihnen. Auf dem Videowürfel war eine Grossaufnahme von Scherwey zu sehen. Der Gesichtsausdruck des Lausbubs war ganz ernst. Kurz darauf war klar, was das zu bedeuten hatte: Der Mann ist auf einer Mission. Schon nach gut fünf Minuten brachte er seine Mannschaft per Ablenker auf die Siegesstrasse.

Für den unerwartet in den Mittelpunkt gerückten Saikkonen beginnt der Arbeitstag schlecht, landet der Puck doch kurz nach seiner Einwechslung im Netz. Torschütze ist Verteidiger Ramon Untersander, der schon die Vorlage zum 1:0 gegeben hat. Der Match scheint entschieden, bevor er richtig begonnen hat. Doch kurz vor der Pause verkürzt Marco Maurer aus Sicht des Gastes auf 1:3 und bringt so die Hoffnung zurück.

Keine Zeit zum Feiern

Diese wird noch grösser, als sich Hiller für das zweite Drittel wieder zwischen die Pfosten stellt. Doch die Zuversicht beim EHCB-Anhang weicht der Ernüchterung, als der SCB nur 51 Sekunden später auf 4:1 erhöht, indem Thomas Rüfenacht die Scheibe nach einem Schlenzer Justin Kruegers unhaltbar ablenkt.

Der Rest ist Formsache. Die Berner kontrollieren nun das Geschehen, auf den Rängen der ausverkauften Postfinance-Arena wird längst gesungen und gefeiert. Biel-Coach Antti Törmänen will dennoch nichts unversucht lassen; der Finne beordert Hiller schon sechs Minuten vor der Schlusssirene auf die Bank. Der flinke Scherwey – wer den sonst? – entwischt den Seeländern und sorgt mit einem Schuss in verlassene Tor für den Schlusspunkt. «Tristan Scherwey, einer von uns», skandieren die begeisterten SCB-Anhänger während der Spielerehrungen. Einmal mehr hat das Freiburger Energiebündel im Bären-Trikot für den Unterschied gesorgt.

Für die Protagonisten des Heimteams bleibt kaum Zeit, den 5:1-Sieg zu feiern. Denn sie werden schon morgen Abend gleichenorts den EV Zug zur ersten Partie im Rahmen des Playoff-Finals erwarten. Trotz dem bitteren Saisonende wird im Gästesektor lautstark gesunken. Immer wieder sind in der ansonsten fast leeren Arena «Jonas Hiller»-Rufe zu hören. Nach einer Weile kommen die Biel-Profis noch einmal aufs Eis, um sich für den Support zu bedanken. Die Enttäuschung ist ihnen ins Gesicht geschrieben.

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