Ein Berner vermarktet den Spengler-Cup

In der Altjahreswoche steht der Spengler-Cup im Fokus. Achim Dähler arbeitet für das älteste Eishockeyklubturnier der Welt. Der Berner ist beeindruckt vom Stellenwert der Veranstaltung.

Viel unterwegs:?Achim Dähler lebt in Davos und Bern. Und verbringt  einige Zeit mit Autofahrten durch die Schweiz.

Viel unterwegs:?Achim Dähler lebt in Davos und Bern. Und verbringt einige Zeit mit Autofahrten durch die Schweiz. Bild: Andreas Blatter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Fototermin wird kurzerhand auf den Parkplatz in der Nähe der Wohnung von Achim Dähler am Rosengarten verlegt. Und das passt.

Soeben ist der Berner aus Davos eingetroffen, die letzten Vorbereitungen für den Spengler-Cup laufen, Dähler wird die Festtage zu Hause nur kurz geniessen können, am 25. Dezember fährt er wieder hoch ins Bündnerland, einen Tag später startet die 89. Austragung des legendären Eishockeyturniers in Davos. «Wir sind bereit», sagt Dähler, «aber es gibt so kurz vor Turnierbeginn noch ganz viele Sachen zu regeln und zu organisieren.»

Grosser Stellenwert

Mit 11 Millionen Franken Budget ist der Spengler-Cup nach den Swiss Indoors in Basel der zweitgrösste Sportanlass in der Schweiz – knapp 40 Prozent werden durch Sponsoringeinnahmen gedeckt. Seit diesem Jahr vermarktet der HC Davos das Tournament in Eigenregie, nachdem das jahrzehntelang von Agenturen, zuletzt von IMG, übernommen wurde.

Achim Dähler arbeitet seit etwas mehr als einem Jahr als Verantwortlicher der Vermarktung des Ein­ladungsturniers, welches letzte Saison nahezu restlos ausverkauft war mit rund 70'000 Zuschauern in elf Partien. «Der Stellenwert des Spengler-Cups ist beeindruckend», sagt der 38-Jährige, «ich war erstaunt, weckt das Turnier weltweit Interesse.»

Auch in diesem Jahr werden die Spiele in allen Eishockeyländern übertragen, selbst in Kanada sind sämtliche Partien live zu sehen. «Und in der Schweiz werden die Partien in allen drei Sprachre­gionen gezeigt», sagt Dähler.

Milchkuh für den HCD

In der Altjahreswoche steht die Welt ja stets ein wenig still, auch wegen fehlender Konkurrenz generiert der Spengler-Cup in den letzten Tagen des Jahres grosse Aufmerksamkeit. «Die Faszination des Turniers ist vielfältig», findet Dähler, «es ist das älteste Eishockeyklubturnier der Welt mit grosser Tradition. Es sind starke Teams dabei, das Turnier findet in den Bergen statt, die Leute sind in Ferienstimmung, das Geschehen ist unterhaltsam.»

Dählers Werbespot wird durch die attraktiven TV-Bilder, die aus dem verschneiten Davos in die warmen Stuben gesendet werden, Jahr für Jahr unterstrichen. Für den HCD ist das Turnier eine Milchkuh, auf rund zwei Millionen Franken jährlich werden die Einnahmen für den Verein geschätzt. Für den Meister und Rekordchampion, der letzte Saison 2,5 Millionen Verlust totalisierte, ist das überlebensnotwenig. «Wir haben aufgrund der geografischen Lage einen grossen Nachteil», sagt Dähler, «viele Fans von Davos wohnen im Unterland.»

Durch die Eigenvermarktung möchte der HCD jene Provisionen, die an die Agenturen abflossen, selber einnehmen. «Zudem sind wir näher am Kunden und können besser auf seine Bedürfnisse eingehen», erklärt Dähler. Die Verträge mit dem Hauptsponsor, der dem Vernehmen nach rund eine Million jährlich bezahlt, sowie den fünf Goldpartnern laufen noch einige Jahre, aber die Konkurrenz im Sportmarkt ist riesig. «Zu Vertrags­inhalten äussern wir uns nicht. Aber wir sind viel unterwegs», sagt Dähler, der auch in Davos eine Wohnung hat. «Und die wirtschaftliche Lage ist nicht einfach.»

Der Traum vom SCB

Die anderen NLA-Vereine sind mal mehr und mal weniger ver­ärgert über die Sonderstellung des Spengler-Cups. Insbesondere die Platzhirsche SCB und ZSC sind alles andere als erfreut dar­über. 800'000 Franken gibt der HCD jährlich an die NLA-Klubs ab. «Die anderen Vereine profitieren aber auch von Davos», sagt Dähler. «Kein anderes Team hat so viele Auswärtsfans wie wir.»

Dähler, der früher bei YB arbeitete und Geschäftsführer bei Volley Köniz war, gefällt es im Bündnerland. Und nach 26 Jahren endet die Ära von OK-Chef Fredy Pargätzi, ab 2016 wird der frühere Davos-Captain Marc Gianola die Organisation übernehmen. An Plänen mangelt es den Spengler-Cup-Machern nicht. Einerseits wird die Digitalisierung voran­getrieben, etwa mit einer multifunktionalen App, mit der beispielsweise eine Lichtshow im Stadion orchestriert werden kann. Andererseits lebt der schwierig umsetzbare Traum von der Teilnahme eines NHL-Teams. Und als Berner würde es Dähler freuen, wäre einmal der SCB zu Gast am Spengler-Cup. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.12.2015, 08:57 Uhr

Artikel zum Thema

«DiDo» am Spengler-Cup

Noch ist nichts offiziell, aber ein SCB-Quartett sowie Tigers-Stürmer Chris DiDomenico werden fürs Team Canada am Davoser Traditionsturnier spielen. Mehr...

Boucher will in Davos gewinnen und lernen

Obwohl die Entscheidungsträger des SC Bern dem Spengler-Cup nicht besonders freundlich gesinnt sind, darf Cheftrainer Guy Boucher in der Altjahrswoche das Team Canada coachen. Mehr...

Servette gibt dem Spengler-Cup einen Korb

SPORT KOMPAKT +++ Fusion im Schweizer Curling +++ NFL-Superstar Brady legt Rekurs ein +++ Finnischer Nationalstürmer für Gottéron +++ Houston Rockets geben nicht auf +++ Schmerzhafte Giro-Etappe für Contador +++ Mehr...

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Kommentare

Blogs

Sweet Home So richten Sie geschickter ein

Tingler Neuer Name, neues Glück

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...