Die Vorfreude trotz Niederlage

Dem SC Bern ist der erste Teil der «Mini-Playoff-Serie» gegen Lugano misslungen. Nach dem 1:3 in einer hitzigen Partie in der Resega bietet sich heute in der PostFinance-Arena (19.45 Uhr) Gelegenheit zur Revanche

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Diese eine Szene in der 42. Minute beinhaltete viel von dem, was für den neutralen Beobachter den Reiz der Partie der einstigen Erzrivalen ausmachte. Zuerst entschied Martin Plüss, bei Vier gegen Vier, fernab des Spielgeschehens das «Schwingerduell» gegen Damien Brunner klar für sich, doch dann nahm Linus Klasen Fahrt auf. Der schwedische Zauberer liess Beat Gerber elegant aussteigen, trickste weiter und hatte dann auch Glück, dass der Puck den Weg zwischen Nolan Schaefers Schonern ins Tor fand.

Es war das 2:1, kurz zuvor hatte Plüss seinerseits eine Chance zur SCB-Führung verpasst. Das sollte sich bitter rächen, es folgte ein minutenlanges Lugano-Feuerwerk, die Tessiner verpassten mehrere Male das 3:1. Gleichzeitige Strafen gegen Beat Gerber und David Jobin waren dann aber zu viel: Fredrik Pettersson vollstreckte aus der Distanz bei Fünf gegen Drei, der Puck war noch von Pascal Berger abgelenkt worden. «Die Strafen haben den Unterschied ausgemacht», sagte Guy Boucher, nachdem sein Team gerade zum ersten Mal in dieser Saison drei Partien in Serie verloren hatte, «sie sind im Powerplay einfach sehr stark.»

Schäfers Gala

Das Duell zwischen Bern und Lugano war für beide Teams eine ideale Playoff-Simulation. Für den SCB, weil er bei einem Team antrat, das in den letzten 9 Heimpartien 24 Punkte eingespielt hatte und weil die Stadtberner gleichzeitig versuchen konnten, ihre Offensivbaisse zu beheben. Und für Lugano ohnehin: Zwei Partien innert 24 Stunden gegen Bern sollen die nötigen Zusatzinformationen geben, damit sie nach neun Jahren wieder eine Playoff-Serie gewinnen können.

Nach dem Startdrittel hielten sich die positiven Erkenntnisse aus Berner Sicht in Grenzen. Vor allem stand zu Buche, dass Schaefer in seinem ersten Einsatz seit seiner Verletzung vom 9,. Januar keine Anlaufzeit benötigte, er vereitelte mehrere Glanzchancen. Machtlos war er nur gegen einen Distanzschuss von Calle Andersson in Unterzahl (12.). «Luganos Intensität war im Startdrittel höher als unsere, das war etwas überraschend», erklärte Boucher, fügte aber an, «dass dies nachher geändert hat.»

Auch der SCB, ohne die verletzten Christoph Bertschy und Tristan Scherwey, dafür erstmals mit vier ausländischen Stürmern angetreten, hatte Chancen gehabt, insgesamt aber weniger zwingend. Nach 15 Sekunden im Mitteldrittel glich aber Bud Holloway aus. Es war das erste SCB-Erfolgserlebnis seit 139 Minuten und 35 Sekunden und es folgte die beste Phase. Auch punkto Intensität merkte man, dass die wichtigste Saisonphase unmittelbar bevorsteht.

Beide Teams überschritten die Grenze des Erlaubten mehrfach. Fredrik Pettersson musste viel einstecken, unter anderem eine Charge von Byron Ritchie von hinten. In der Schlussphase liess sich der Schwede selber zu einer überflüssigen Aktion hinreissen, die nichts dazu tat, die Gemüter abzukühlen «Ab dem zweiten Drittel war es eine richtige Schlacht. Ich liebe das», sagte Boucher.

Heute kommt es zur Revanche. Mit gleichen Protagonisten, aber dem SCB als Favoriten, hat doch Lugano zuletzt auswärts fünfmal verloren. «Ich will 60 gute Minuten sehen», fordert Boucher, «wir waren nicht faul oder schrecklich, aber es war nicht gut genug.» Für Spannung und Feuer ist also auch heute Abend gesorgt. Welcome to the playoffs!

Telegramm: Lugano - Bern 3:1 (1:0, 0:1, 2:0)

5226 Zuschauer. - SR Eichmann/Mollard, Espinoza/Tscherrig. - Tore: 12. Andersson (Simek/Ausschluss Joensuu) 1:0. 21. (20:15) Holloway (Blum, Ritchie/Ausschluss Kienzle) 1:1. 42. Klasen 2:1. 46. Pettersson (Klasen, Simek/Ausschlüsse Jobin, Gerber) 3:1. - Strafen: 8-mal 2 Minuten gegen Lugano, 10-mal 2 Minuten gegen Bern. - PostFinance-Topskorer: Pettersson; Plüss.

Lugano:Manzato; Hirschi, Chiesa; Vauclair, Ulmer; Kienzle, Andersson; Kparghai; Brunner, Paakkolanvaara, Klasen; Pettersson, McLean, Simek; Walker, Steinmann, Maurer; Fazzini, Sannitz, Reuille; Bertaggia.

Bern: Schaefer; Krueger, Gerber; Jobin, Furrer; Randegger, Blum; Kreis; Holloway, Ritchie, Moser; Alain Berger, Plüss, Joensuu; Kobasew, Gardner, Rüfenacht; Pascal Berger, Reichert, Loichat; Müller.

Bemerkungen: Lugano ohne Filppula, Bern ohne Scherwey, Bertschy (alle verletzt), Gragnani und Cloutier (beide überzählige Ausländer). 500. NLA-Spiel von Furrer. Pfosten-/Lattenschüsse: Ritchie (19.), Moser (31.), Pettersson (35.) und Hirschi (45.).

Berner Zeitung

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