Die Finnen kopieren die Schweizer

Das Schweizer Nationalteam verliert an der Eishockey-WM gegen Finnland 2:3 nach Verlängerung. Die Teilnahme an den Viertelfinals ist dem Team von Patrick Fischer dennoch kaum mehr zu nehmen.

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Wenn die Archive bemüht werden, ist das für die Schweizer Nationalmannschaft meistens ein gutes Zeichen. Zwei Siege an Weltmeisterschaften also gab es für die Schweiz bisher gegen Finnland: 1951 und 1972. Und der letzte Erfolg an einem Grossanlass gegen die Finnen datierte von den Olympischen Spielen 1988. Oder besser: datiert.

Den die Wartefrist wurde am Sonntag um mindestens eine Saison verlängert. Die Schweizer verloren nach 2:0-Führung zuerst den Faden und dann das Spiel 2:3 nach Verlängerung. Der finnische Trainer Lauri Marjamäki wechselte nach dem Zwei-Tore-Rückstand seinen Torhüter; die Massnahme stand am Ursprung der Wende.

Sie war eine exakte Kopie dessen, was den Schweizern tags zuvor den Erfolg gegen Kanada ermöglicht hatte. Dank dieses Coups über den Titelverteidiger steht für Tür zum Viertelfinal für die Auswahl von Patrick Fischer trotz sonntäglicher Niederlage sperrangelweit offen.

Die Ausgangslage ist simpel: Reüssieren die Kanadier heute gegen Norwegen, ist den Schweizern der Platz in der K.-o.-Runde nicht mehr zu nehmen. Fischer sagt: «Nun bin ich Kanada-Fan.»

Herzogs drei Tore

Finnland erwischte gestern den besseren Start, doch die Schweizer gingen in Führung. Ramon Untersander lancierte den direkt von der Strafbank kommenden Tanner Richard, dieser passte auf Fabrice Herzog. Beim ZSC-Angreifer kalberte am Wochenende der Scheitstock: Er hatte gegen Kanada zweimal auf sehenswerte Weise getroffen und reüssierte auch gegen die Finnen mit einem prächtigen Abschluss.

Beim ZSC-Angreifer Fabrice Herzog kalberte am Wochenende der Scheitstock.

Durch Joël Genazzis Weitschuss legte das Team von Patrick Fischer nach. Vieles sprach nun für die helvetische Equipe, zumal die Finnen vornehmlich mit Disziplinlosigkeiten auffielen. Die Schweiz liess aber eine 5-gegen-3-Situation ungenutzt, und kurz vor der ersten Pause trafen die Finnen durch Juuso Hietanen im Powerplay.

Das Resultat schmeichelte dem Favoriten. Doch im Mitteldrittel erhöhte der WM-Finalist der Vorsaison die Kadenz. Die Schweizer waren nun oft zu spät, verloren viele Zweikämpfe und zudem mit Genazzi und Philippe Furrer verletzungsbedingt zwei Verteidiger. Erstgenannter konnte nach kurzer Pause wieder mittun.

Eine weitere Schwächeperiode im dritten Abschnitt führte zum Ausgleich: Erneut reüssierte der Gegner in Überzahl. Und in der Verlängerung fuhr Valtteri Filppula ungehindert in die Zone und entschied die Begegnung.

Federers Gratulation

So klappte es also nicht mit dem zweiten Erfolg gegen einen «Grossen» innert 24 Stunden. Wie speziell der Triumph über die Kanadier gewesen war, zeigte sich daran, dass selbst Roger Federer via Twitter gratulierte («Wow, grosses Spiel, Gratulation»).

Coach Fischer sagte: «Wir hatten Glück, aber wir haben uns den Sieg erkämpft.» Und Thomas Rüfenacht meinte: «Die Kanadier wurden fahrlässig, wir konnten das ausnutzen.» Der Giftzahn provozierte die NHL-Stars und lieferte sich nach dem Handshake mit Philadelphias Wayne Simmonds ein Wortgefecht.

«Die Kanadier fühlen sich unantastbar und sind schnell beleidigt, wenn du nicht nur einsteckst, sondern auch austeilst», sagte Rüfenacht. Und: «Gopferdami, wenn wir so weiterspielen, dann liegt für uns an diesem Turnier viel drin.» Die Aussage hat nach wie vor Gültigkeit.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 15.05.2017, 06:16 Uhr

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