Der Unbequeme ist der Richtige

BZ-Sportredaktor Philipp Rindlisbacher zum Ligaerhalt der SCL Tigers.

53 Spiele, 23 Siege, 68 Punkte, den ­Ligaerhalt 4 Runden vor Schluss ­sichergestellt – die Saison der SCL Tigers ist als Erfolg zu werten. Was die Qualität des Kaders betrifft, steht Langnau in der Hierarchie der 12 NLA-Teams nach wie vor an 12. Position, höchstwahrscheinlich verfügen die Emmentaler über die tiefste Lohnsumme. Dass sie in dieser Meisterschaft keinerlei Abstiegssorgen hatten, kommt nach dem Aufstieg 2015 sowie Rang 11 im Vorjahr einem grossen Schritt vorwärts gleich.

Erfolg und Misserfolg werden im Mannschaftssport oft vorschnell mit der Person des Trainers begründet. Doch bei den SCL Tigers greift schlichtweg kein anderer Erklärungsansatz. Nach 10 Runden und 9 Niederlagen übernahm Heinz Ehlers im vergangenen Oktober ein völlig verunsichertes Team. Er stabilisierte, strukturierte und disziplinierte die heterogene Gruppe, keine zwei Wochen nach seiner Ankunft präsentierte sich diese wie ein umgekehrter Handschuh.

Ehlers ging schroff und wenig zimperlich vor, diverse Akteure beklagten sich bei den Vereinsverantwortlichen wegen des rauen Umgangstons des Dänen. Dieser brüskierte mit gewissen Aussagen und Forderungen selbst seine Vorgesetzten. Doch auch wenn er gelegentlich Grenzen überschreitet, ist Ehlers genau der Coach, den die SCL Tigers brauchen. Er markiert stets den Chef; passt ihm etwas nicht, lässt er es die Beteiligten spüren. Er hat eine Leistungskultur in den Verein gebracht, die in den vergangenen Saisons unzureichend vorhanden war – was selbst mehrere langjährige Mitarbeiter bestätigen.

Eine Scheibe von Heinz Ehlers’ autoritärem Stil sollte sich die Klubführung abschneiden. Mit etwas mehr Härte und Konsequenz hätten sich die Abgänge von gleich drei Ausländern verhindern lassen – oder zumindest finanziell ausreichend ausbezahlt. Wobei den Verantwortlichen in wirtschaftlicher Hinsicht einmal mehr ein Kränzchen gewunden werden darf: Zum vierten Mal in Folge werden die SCL Tigers schwarze Zahlen schreiben, trotz des frühen Trainerwechsels und einiger nicht budgetierter Transfers während der Saison dürfte ein mittlerer sechsstelliger Gewinn resultieren.

Anders als die meisten NLA-Klubs gibt Langnau nur den Franken aus, der erwirtschaftet wird. Das Budget für die kommende Saison wird dank verbessertem TV-Vertrag, aber auch wegen des neuerlichen Zustupfs leicht erhöht. Es soll schliesslich weiterhin Schritt für Schritt vorwärtsgehen.

p.rindlisbacher@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt