Der SCL und die NLA: Schiffbruch verhindern

Nach dem Meistertitel kommt die Aufstiegsfrage. Sportlich und strukturell sei der SC Langenthal bereit, sagt Geschäftsführer Gian Kämpf. Um das Abenteuer NLA zu wagen, brauche es aber auch die Unterstützung der ganzen Region.

  • loading indicator
Kathrin Holzer

Eine ganz klare Aussage liess sich Gian Kämpf auch nach dem Finalsieg noch nicht entlocken. Und doch liess der ­Geschäftsführer durchblicken: Grundsätzlich ist der SCL bereit, die Chance NLA zu nutzen. Definitiv entscheiden werde man allerdings erst in den nächsten Tagen. Und kommunizieren womöglich gar erst im Falle eines tatsächlichen Aufstiegs.

Denn auch wenn Langenthal aus der Ligaqualifikation gegen Ambri als Sieger hervorgeht, kann der Club sich immer noch gegen einen Aufstieg entscheiden. Anders als beim Meistertitel vor fünf Jahren müsste der B-Ligist dann nicht auf Feld eins in die vierte Liga zurückkehren. Der SCL bliebe zweitklassig – und Ambri würde trotz verlorener Ligaqualifikation in der höchsten Spielklasse verbleiben.

Die Verantwortlichen hätten sich lange und intensiv mit der Aufstiegsfrage auseinandergesetzt, sagt Kämpf. Könnte das Team in der NLA sportlich überhaupt bestehen? Welche Auswirkungen hätte das Abenteuer auf die Unternehmung SCL? Genügt die Infrastruktur? Wie soll das Ganze finanziert werden? Und welche Folgen hätte ein Aufstieg langfristig gesehen?

«Unsere Crew ist bereit»: SCL-Geschäftsführer Gian Kämpf. Bild: Thomas Peter

Der Massstab bleibt die NLB

Klar ist: Das Abenteuer NLA wäre für den SCL wohl kaum von langer Dauer. «Unsere aktuelle Ausrichtung bleibt es, ein Spitzenklub in der NLB zu sein mit Opportunitäten, auch einmal in der NLA zu spielen, ohne dadurch totalen Schiffbruch zu erleiden», sagt Kämpf. «Wir werden in der NLA sicher kein Spitzenclub sein», warnt er vor falscher Euphorie. «Aber es ist machbar.»

Auch strukturell gesehen sei man so weit bereit. Es werde mehr Personal brauchen – die Liga schreibt NLA-Klubs beispielsweise die Anstellung eines Fandelegierten vor, und auch auf den Sicherheitschef und die Kommunikationsabteilung kämen neue Aufgaben zu –, das sei aber zu bewerkstelligen.

Der an der letzten Generalversammlung neu konstituierte Verwaltungsrat bringe das nötige Know-how mit. Und ebenso die Crew der Geschäftsstelle sei bereit, die Chance zu packen. Schliesslich ist auch die Infrastruktur der alten Schorenhalle ausreichend für die NLA – zumindest für ein bis zwei Saisons (siehe Kasten).

Nicht ohne Politik

Sein Budget müsste der SCL bei einem Aufstieg von aktuell vier auf neu acht Millionen Franken verdoppeln. In der NLA brauche es beispielsweise einen grösseren Spielerbestand, verweist der Geschäftsführer auf eine höhere Verletzungsgefahr. Auch die Sicherheitskosten fallen grundsätzlich höher aus.

«Mit acht Millionen kämen wir aber ein Jahr durch.» Was der Club nicht selber tragen kann, würde eine Gruppe von Kernaktionären übernehmen. Allerdings: Ihre Zustimmung allein reicht dem SCL nicht aus. «Ideell müsste der Aufstieg von allen gestützt werden. Sonst machen wirs nicht.»

Mit dem Aufstieg in die NLB und der Übernahme des Präsidiums durch Stephan Anliker habe sich der SCL vor fünfzehn Jahren klar für eine regionale Strategie entschieden, erklärt Gian Kämpf. «Das Eishockey ist wichtig, klar. Aber wir wollen vor allem Teil dieser Stadt und Region sein.»

1500 Langenthaler Fans beim sechsten Finalspiel in Rapperswil hätten gezeigt, dass die Unterstützung der Bevölkerung durchaus da sei. Aber der SCL brauche auch die politische Unterstützung, «sonst geht es nicht».

Langenthaler Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt