Den Pokal in den Händen, Rapperswil vor Augen

Die SCL Tigers bezwingen Olten 5:2, werden zum NLB-Meister gekürt. Gefeiert aber wird nur kurz – bereits morgen soll an der Erfolgsgeschichte weiter geschrieben werden.

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Es ist die Geschichte eines Klubs, der in letzter Zeit so vieles einstecken musste. Der jahrelang mehr verlor als gewann, von Spott und Häme begleitet wurde. Und der diesen Moment der Glückseligkeit entsprechend geniesst. Der Name jedes Profis wird skandiert, jeder wird gefeiert, jeder kriegt die Goldmedaille um den Hals gehängt.

Die SCL Tigers sind Meister, sie sind zwar «nur» der Champion in der NLB, aber einen Pokal gibt es trotzdem. Goalie Damiano Ciaccio weint vor Freude, Stürmer Adrian Gerber schluchzt und trägt seinen kleinen Buben auf dem Arm. Die Ilfishalle wird zum Tollhaus, als Captain Martin Stettler und Lorenzo Croce den Kübel in die Höhe stemmen. Es ist 22.15 Uhr, und womöglich der Startschuss zu einem erfolgreichen, neuen Kapitel.

Wie ein Rudel Wölfe stehen die Langnauer vor Beginn des entscheidenden Finalspiels gegen Olten beisammen. Fehlt nur noch, dass sie jaulen und mit den Zähnen fletschen. Sie sind bissig, das ist nicht zu übersehen. Topskorer Chris DiDomenico, der Leitwolf, teilt früh einen kernigen Check aus. Er provoziert, wirft sich in Schüsse – seine Energie überträgt sich auf die Mitspieler.

Kévin Hecquefeuille schiesst das 1:0, 140 Sekunden sind erst vorbei. Unermüdlich greifen die SCL Tigers an, erarbeiten sich Chance um Chance, verlieren kaum einen Zweikampf. Einen stärkeren Auftritt hätten sich die Emmentaler Fans von ihren Lieblingen kaum wünschen können, doch das Resultat trübt die Stimmung. Nach 20 Minuten steht es 1:1, Oltens Remo Hirt trifft kurz vor der ersten Pause. Beim Heimteam stehen Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis.

Und dennoch ist nichts zu spüren von Nervosität, kein Langnauer hat zittrige Hände. Die SCL Tigers müssen dieses Spiel unbedingt gewinnen, und zum Erstaunen vieler treten sie mit mehr Überzeugung auf als in sämtlichen Finalspielen zuvor. Auch im Mitteldrittel schnüren sie die Gäste ein. Nicht der Leitwolf, sondern Lukas Haas dribbelt die Solothurner schwindlig, schiesst die Scheibe ins Lattenkreuz (22.).

Zwei Minuten später erreicht der Lärmpegel die Nähe der erträglichen Dezibelgrenze. Erneut trifft der Franzose Hecquefeuille, erneut aus grosser Distanz. An und für sich ist es unfassbar, steht es nach 40 Minuten lediglich 3:2. Den Tigers mangelt es an Effizienz, für Olten verkürzt Fabian Ganz.

Ganz und gar nicht davon beeindrucken lässt sich der Langnauer mit der Nummer 84: Kévin Hecquefeuille jubelt in der 45. Minute zum dritten Mal; er ist an jedem Tor beteiligt, wird als Meisterheld in die Tigers-Historie eingehen. Und er trägt entscheidend dazu bei, dass die Langnauer ihr Verliererimage abstreifen. Der 5:2-Sieg in der siebten Finalpartie ist ein Erfolg von besonderem Wert. «Nicht ein Spieler hatte Zweifel, wir wussten, dass es gut kommen würde», erzählt Lukas Haas.

In Langnau wird die Nacht zum Tag. Die Fans aber feiern ohne ihre Helden. Um Mitternacht im Bett – so lautet überspitzt formuliert die Devise der Vereinsführung. Keine mit Bier gefüllten Harassen stehen in der Garderobe, keine Havannas werden verteilt. Der Gewinn des NLB-Titels sorgt für Glücksgefühle – das höchste der Gefühle ist er aber nicht.

Nüchtern spricht Claudio Moggi: «Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.» Bereits morgen beginnt die Ligaqualifikation, mit den Rapperswil-Jona Lakers streiten sich die SCL Tigers um den letzten freien Platz in der NLA. Am Obersee wollen die Emmentaler nicht untergehen. «Let`s make our own history» steht auf einem Plakat in der Tigers-Kabine geschrieben. In den nächsten Tagen können die Langnauer ihre eigene Geschichte zum Bestseller veredeln.

Berner Zeitung

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