Die Tiger brüllen wieder erstklassig

Es ist geschafft: Die SCL Tigers kehren nach zwei Jahren Absenz in die NLA zurück. Die Equipe Bengt-Ake Gustafssons bezwang am Donnerstag die Rapperswil-Jona Lakers zum vierten Mal in Serie.

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Marco Oppliger@BernerZeitung

Die Schlussphase wird zum Festakt. Es läuft die 54. Minute, als Chris DiDomenico seine Mannschaft, den Grossteil der 6050 Zuschauer – ja eine ganze Region erlöst. Lanciert von Adrian Gerber, läuft der Langnauer Topskorer alleine auf Lakers-Goalie Ivars Punnenovs los und bezwingt diesen eiskalt zum 3:1. Die Ilfishalle steht Kopf, nun ist der Aufstieg zum Greifen nah. Und der Lärmpegel steigt 34 Sekunden später nochmals rasant an, als Lukas Haas den Puck wuchtig in die Maschen drischt.

Nun liegen sich die Zuschauer definitiv in den Armen, Kévin Hecquefeuilles 5:1 ins längst verlassene Lakers-Gehäuse ist lediglich noch Zugabe. Und dann, um 22.01 Uhr, ist es endlich geschafft: Die SCL Tigers steigen nach zwei Jahren Absenz wieder in die National League A auf.

Der 9. April 2015 wird gewiss in die Annalen der 69-jährigen Klubgeschichte der SCL Tigers eingehen. Zum vierten Mal ist den Langnauern nach 1961, 1987 und 1998 die Promotion in die höchste Spielklasse gelungen. Dass die SCL Tigers dorthin gehören, steht ausser Frage, betrachtet man, wie viel Support der Klub auch in den zwei Jahren in der Zweitklassigkeit erhielt. Nach dem gewonnenen NLB-Titel hatten die Vereinsverantwortlichen T-Shirts mit der Aufschrift «Wär nid dra gloubt, isch ke Tiger» drucken lassen.

Spätestens nach dem 4:2-Auftaktsieg in dieser Ligaqualifikation wussten Spieler und Staff der Emmentaler, dass dieses Rapperswil-Jona zu packen ist. Dass die St. Galler letztlich mit 0:4 in die Zweitklassigkeit geschickt wurden, ist gewiss überraschend. Aber die Emmentaler wussten einen grossen Vorteil auf ihrer Seite: Ein unerschütterliches Selbstvertrauen.

Die Fans hatten den Tenor vorgegeben. «NLB mir heis gseh», stand vor Spielbeginn auf einem grossen Transparent vor der Schlachthauskurve geschrieben. Und wahrlich, der Anhänger Worte schienen ihre Wirkung nicht zu verfehlen: Die SCL Tigers starteten forsch – und wurden von Rapperswil-Jona überdies noch beschenkt. Nach drei Minuten verlor Leandro Profico die Scheibe an Chris DiDomenico, dieser passte sofort zu Tobias Bucher – 1:0. Ein erstes Mal tobte die Ilfishalle –und das Publikum kam gar nicht erst zur Ruhe.

Nur 37 Sekunden später lag der Puck bereits wieder hinter Lakers-Goalei Punnenovs, sein Verteidiger Derrick Walser hatte die Scheibe für ihn unhaltbar abgelenkt. Ein grober Fehler und ein Eigentor – aus Lakers-Sicht hätte diese so kapitale Partie kaum schlechter beginnen können, für die SCL Tigers indes war der Abend lanciert.

Und die St. Galler leisteten sich weitere Aussetzer. Zuerst checkte Marco Pedretti Langnaus Yannick-Lennart Albrecht übel gegen den Kopf, zwölf Sekunden später spedierte Cedric Hächler die Scheibe ins Publikum. Zwei Minuten durften die Emmentaler also nun mit zwei Mann mehr agieren, doch das Gebotene war bescheiden. Oder mit anderen Worten: Die SCL Tigers verpassten die frühe Vorentscheidung.

Das war gut für Rapperswil-Jona. Denn auf einmal schienen Emmentaler Spieler und Publikum den Druck gleichermassen zu spüren; derweil die Akteure auf dem Eis passiv wurden, kam von den ausverkauften Rängen kaum noch Support. Und spätestens als Derrick Walser zur Spielhälfte auf 1:2 verkürzte, war die Nervosität im Langnauer Ensemble sichtbar.

Die SCL Tigers liessen den Gegner gewähren, sie durften sich mehrfach bei Damiano Ciaccio bedanken, der gestern alles hielt, was es zu halten gab. Ausgerechnet Ciaccio – war der Tigers-Keeper vor den Playoffs von diversen Experten doch für «nicht-aufstiegstauglich» befunden worden. Und so zitterten Langnauer Spieler und Fans bis weit ins letzte Drittel hinein, phasenweise vermochten sich die Gastgeber kaum mehr aus der eigenen Zone zu befreien.

Nach 22.01 Uhr ist dies jedem Langnauer Spieler und Fan egal. Rasch bilden sich unter dem Hallendach Nebelschwaden, die Zigarren werden im Akkord angezündet. Die Spieler aber ziehen sich nach kurzem Feiern in die Kabine zurück. Derweil verharrt das Publikum auf den Rängen und bald einmal tönt aus den Lautsprechern das unvermeidliche «We are the Champions». Nun kehren die Spieler zurück, einer nach dem anderen, während die Fans das Eisfeld entern. In Langnau kann eine lange Nacht beginnen.

Berner Zeitung

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