Das Casting geht weiter

Vor der Saison wurde Nils Berger in die NLB abgeschoben. Nach seiner Rückkehr zu den SCL Tigers buchte er im ersten Spiel vier Skorerpunkte. Der Stürmer darf nun in Langnau bleiben – am Freitag gastieren die Emmentaler in Biel.

Tigers-Stürmer Nils Berger hat seine Chance genützt.

Tigers-Stürmer Nils Berger hat seine Chance genützt.

(Bild: Freshfocus)

Nein, singen kann Nils Berger nicht. Aus Langeweile guckt er aber ab und zu die Castingshow «The Voice of Germany». Und vielleicht identifiziert sich der Eishockeyprofi mit den Kandidaten, welche die Juroren während knapp zweier Minuten mit ihrer Stimme überzeugen müssen.

Denn bei Berger verhielt es sich Ende Oktober ähnlich: Langnaus neuer Coach Heinz Ehlers wollte sich ein Bild des Stürmers, der vor Saisonbeginn in die NLB nach Rapperswil verliehen worden war, machen.

Klar, Berger hatte mehr Zeit als bloss zwei Minuten, um dem Dänen zu imponieren. Aber was er in der Partie bei den ZSC Lions zeigte, war eindrücklich. Der 25-Jährige schoss einen Treffer, bereitete drei weitere vor. Von Trainer Heinz Ehlers gabs das kurze, aber vielsagende Feedback: «Gute Arbeit. Bin zufrieden.»

Die schwierigen Monate

Nach der zweiwöchigen Meisterschaftspause meint Berger, er habe sich bei der Rückkehr nach Langnau kaum Druck auferlegt. «Ich sagte mir: Du kannst nur gewinnen. Klappt es nicht, dann geht es halt zurück in die NLB.» Spielen, ohne gross zu überlegen, dies sei die Devise gewesen. 24 Stunden nach dem Kräftemessen in Zürich kam der Flügel ein letztes Mal für Rapperswil zum Einsatz, schoss erneut ein Tor. «Mein Selbstvertrauen ist gewachsen. Deshalb fällt mir vieles leichter.»

Was das Eishockey betrifft, hat Nils Berger schwierige Zeiten hinter sich. Im April 2015 zog er mit Rapperswil in der Ligaqualifikation gegen die SCL Tigers den Kürzeren – er war einer der wenigen St. Galler gewesen, die zumindest halbwegs überzeugt hatten.

Nach dem Wechsel ins Emmental folgte bald der Schock. Während eines Spiels in Lau­sanne kugelte er sich zum vierten Mal die linke Schulter aus. Eine Operation war unumgänglich. Die Rehabilitationsphase verlief nicht ohne Komplikationen, vier Monate lang fiel der Flügel aus. «Innert kurzer Zeit erlebte ich mehrere sportliche Tiefschläge. Deshalb tat mir das Erfolgserlebnis in Zürich sehr gut», meint Berger. «Doch jetzt geht es darum, die Leistung zu bestätigen.»

Die schlechte Laune

Als Junior bestritt Nils Berger eine Saison in einer unbekannten nordamerikanischen Liga, mit dem U-18-Nationalteam nahm er an der WM teil. 241 NLA-Spiele hat er absolviert, weshalb sein Ego doch ziemlich angekratzt war, nachdem er von den Tigers-Verantwortlichen in die NLB geschickt worden war. «Ich regte mich fürchterlich auf, hatte eine Zeit lang schlechte Laune und kam zunächst auch in Rapperswil nicht auf Touren.

Denn in der Vorbereitung hatte ich das Gefühl keine Chance zu erhalten.» Mit Scott Beattie sei er nicht auf derselben Wellenlänge gewesen. «Aber das heisst nicht, dass er ein schlechter Trainer ist. Setzt einer nicht auf dich, bist du nicht begeistert von ihm. Diese Meinung ist höchst subjektiv.»

Die ungewisse Zukunft

Am Freitag (19.45 Uhr) in Biel und morgen vor eigenem Publikum gegen Kloten wollen Berger und seine Kollegen den positiven Trend der vergangenen Wochen fortsetzen. «Wir müssen punkten, dann bleiben wir dran am hinteren Mittelfeld», sagt der gebürtige Glarner.

Berger, so viel ist sicher, darf nun in Langnau bleiben. Wobei: Ende Saison läuft sein Vertrag aus, Gespräche haben bisher keine stattgefunden. Das Casting geht also weiter.

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