«Dann wäre ich richtig geschockt»

Bengt-Ake Gustafsson führte die SCL Tigers zurück in die NLA, Langnaus Klubverantwortliche jedoch haben seinen Vertrag bisher nicht verlängert – ein Ende der Zusammenarbeit ist sehr wahrscheinlich. «Die Situation ist frustrierend», meint der Coach.

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Das Emmental befindet sich auch eine Woche nach dem Aufstieg der SCL Tigers im Freudentaumel. Wie ist es bei Ihnen?Bengt-Ake Gustafsson:Lange gefeiert habe ich nicht, aber ein gutes Glas Rotwein gönnte ich mir schon. Es fiel eine grosse Last von meinen Schultern, die letzten Wochen waren sehr stressig und nervenaufreibend. Ich spüre eine grosse Zufriedenheit – vor der Saison hatten uns wenige so viel zugetraut.

Hinsichtlich der kommenden NLA-Saison haben die Langnauer bereits vier Spieler verpflichtet, Sie aber haben bisher keine Offerte erhalten... ...das ist schon eine ziemlich spezielle Situation. Ich befinde mich zwischen Stuhl und Bank; weiss nicht, ob ich nun meine Sachen packen muss oder hierbleiben soll. Es ist unangenehm, man fühlt sich merkwürdig.

Sie haben 51 von 67 Spielen gewonnen, gewannen die Qualifikation und die NLB-Playoffs, stiegen auf. Und dennoch geniessen Sie – auch in dieser Zeitung – wenig Kredit. Haben Sie eine Erklärung dafür? Nein. Aber ich bin gespannt auf Ihre Begründung.

Sie gelten als passiver, eher zurückhaltender Coach, der viel Wert auf die Eigenverantwortung der Profis setzt. Zudem war zu vernehmen, Sie hätten das Taktiktraining zuweilen vernachlässigt und die Jungen nicht wie gewünscht gefordert. (lacht) Die Leute, die unzufrieden sind, sollten sich einmal gründlich hinterfragen. Was hätten wir denn noch mehr erreichen sollen in dieser Saison? Der Plan nach dem Abstieg 2013 war, innert dreier Jahre in die NLA zurückzukehren. Nun sind erst zwei Jahre vergangen. Ich habe meinen Stil, war damit oft erfolgreich. Wenn ich höre, dass ich ein zu wenig lauter Trainer bin, finde ich das doch eher lächerlich. Ich kenne jedenfalls keinen Spieler, der besser spielte, nachdem er auf der Bank oder in der Garderobe angeschrien worden war.

Sind Sie enttäuscht? Natürlich, ja. Ich wurde immer wieder auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet, konnte nichts anderes tun als warten, warten, warten. Mein Agent erkundigte sich während der Qualifikation und in den letzten Wochen mehrmals bei den Verantwortlichen. Warum es nicht längst zu einer Lösung gekommen ist, kann ich nicht nachvollziehen.

Fühlen Sie sich ungerecht behandelt respektive vermissen Sie etwas die Wertschätzung? (überlegt lange) Mit den Klubverantwortlichen habe ich an und für sich ein sehr gutes Verhältnis, es sind Leute mit viel Leidenschaft am Werk. Wir sind gemeinsam einen langen Weg gegangen, der von Erfolg gekrönt war. Aber klar: Die Situation ist frustrierend.

Wie geht es nun weiter? Wir hatten in den letzten Tagen zwei Gespräche, nun bleibt mir nichts anderes übrig, als zu warten. Ich hoffe, dass es gut kommen wird – ich würde gerne weiterhin in Langnau arbeiten.

Dass Sie noch kein Angebot erhalten haben, ist doch bestimmt ein schlechtes Zeichen. Würde ich keinen Vertrag erhalten, dann wäre ich so richtig geschockt. Ich könnte das absolut nicht verstehen, weiss nicht, wie ich darauf reagieren würde. Aber nach dieser tollen Saison wäre das doch auch normal. Ich kam im Herbst 2013 nach Langnau, als das Team in grossen Schwierigkeiten steckte. Wir kriegten die Kurve – das ist doch irgendwie auch mein Verdienst.

Berner Zeitung

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