Blum kehrt zurück, der Erfolg bleibt

Der Meisterexpress fährt im Standgas – und ist dennoch nicht zu bremsen. Beim 2:0 in Langnau holen die Berner den achten Sieg in Folge. Das geglückte Comeback von Verteidiger Eric Blum gibt Trainer Kari Jalonen zusätzliche Optionen.

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Eric Blum sucht und findet das Wort zum Derby: «abebüezt» – heruntergearbeitet. Er könnte auch sagen: heruntergespult. Der SC Bern gewinnt in Langnau 2:0, die Akkordtorschützen Tristan Scherwey (siebter Saisontreffer) und Thomas Rüfenacht (sechster) sind bis zur 27. Minute erfolgreich.

In der Folge spult der Meister sein Programm runter, tut nicht mehr als nötig. Und weil Leonardo Genoni partout keine Abpraller zulassen will, verflüchtigt sich die Hoffnung der Tigers bereits nach zwei Dritteln.

So richtig aufregend wird es im Prinzip nur zur Spielhälfte, als zwei Langnauer auf die Strafbank müssen. Bei 5 gegen 3 agieren die Gäste zwei Minuten lang so, als müssten sie im Pantomimespiel den Begriff Nonchalance erklären. Die Tigers überstehen die Unterzahl, dürfen sogleich ihrerseits im Powerplay antreten, setzen aber kein Ausrufezeichen.

Der mögliche Wendepunkt wird durchgestrichen – die Geschichte des Derbys ist erzählt. Blum sagt: «Es war alles andere als schön.» SCB-Trainer Kari Jalonen sagt: «Es war eine strenge Woche, uns fehlte die Energie.» Offensichtlich ist der Meisterexpress selbst dann nicht zu bremsen, wenn er im Standgas fährt.

Der achte Sieg in Folge bedeutet aber keinen Rekord in der Ära Jalonen: Im Vorjahr reihten die Berner von Mitte Oktober bis Mitte November neun Erfolge aneinander. Blum sagt: «Wir haben eine intakte Mannschaft. Aber die Siege fallen selten deutlich aus. Du musst dir in dieser Liga vieles erarbeiten.» Oder eben: den Gegner «abebüeze».

Die verflixte linke Hand

In jüngerer Vergangenheit klappte das für Bern an der Ilfis mehr schlecht als recht: Fünf der letzten sechs Vergleiche gingen verloren. «Das hast du vor der Anreise im Hinterkopf, eine solche Bilanz scheisst auch an und ist mit unseren Ansprüchen nicht zu vereinbaren», sagt Blum.

Dennoch verbindet der SCB-Verteidiger mit dem Emmental beste Erinnerungen, gelang ihm doch bei den Tigers der Durchbruch in der höchsten Spielklasse. Blum wechselte mit 18 Jahren vom pulsierenden Zürich ins beschauliche Emmental. «Ein Kinobesuch in Signau war das höchste der Gefühle», sagt er in typisch blumigen Worten. «Damals habe ich mich noch nicht für die Natur interessiert. Das wäre heute anders. Es war eine grossartige Zeit.»

Längst ist der Verteidiger beim SCB und im Nationalteam zur festen Grösse avanciert. Zuletzt war Blum aber zum Zusehen gezwungen. Im Frühling zog er sich in den Playoffs eine starke Knochenprellung an der linken Hand zu. Im Titelkampf konnte er den Stock nicht mehr schmerzfrei halten, musste später für die WM Forfait geben. Wegen Entzündungen im Handwurzelbereich verzögerte sich die Heilung, erst vor Wochenfrist konnte Blum seine erste Partie bestreiten.

Die Rückkehr des spielstarken Schweizers gibt Jalonen vorab bei der Ausländerrotation neue Perspektiven: Der kanadische Offensivverteidiger Maxim Noreau dürfte künftig trotz guter Form ab und an als überzähliger Ausländer zuschauen müssen – es sei denn, Mika Pyörälä habe sich am Samstag ernsthaft verletzt. Der Finne konnte das Derby nach einem Check von Landsmann Ville Koistinen nicht beenden.

Die Extramotivation

Blum hat sich rasch wieder an den Wettkampfrhythmus gewöhnt. «Ich bin zufrieden. Es waren extrem lange Wochen. Ich konnte zwar auf dem Eis skaten und Runden drehen, aber nicht spielen – eine trockene Angelegenheit.» Überstürzen wollte der 31 Jahre alte Kreativverteidiger nichts: «Das Handgelenk ist ein filigranes Gelenk, da muss alles in Ordnung sein. Zudem stehen wichtige Turniere an. Deshalb war für mich klar: Ich kehre erst zurück, wenn alles okay ist.»

Im Februar könnten neben Blum bis zu 14 SCB-Spieler an den Olympischen Spielen dabei sein. Trainer Jalonen sagt, dies sei «eine tolle Gelegenheit und eine Extramotivation für die Spieler. Aber das heisst auch, dass viele in den Länderspielpausen zusätzlich unterwegs sein werden. Wir müssen die Kräfte gut einteilen.» Für Sonntag verordnete der Trainer einen Ruhetag. «Die Spieler sollen abschalten.» Vielleicht mit dem Trickfilm «Cars 3» oder mit der Komödie «Flitzer» – zu sehen im Kino in Signau.

Telegramm: SCL Tigers - Bern 0:2 (0:1, 0:1, 0:0). - 6000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Urban/Vinnerborg, Kovacs/Obwegeser. - Tore: 4. Scherwey (Burren, Gaëtan Haas) 0:1. 27. Rüfenacht (Untersander) 0:2. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen die SCL Tigers, 3mal 2 Minuten gegen Bern. - PostFinance-Topskorer: Erkinjuntti; Ebbett. SCL Tigers: Punnenovs; Zryd, Koistinen; Blaser, Erni; Lardi, Huguenin; Flurin Randegger, Seydoux; Elo, Gagnon, Erkinjuntti; Neukom, Gustafsson, Kuonen; Dostoinow, Albrecht, Nüssli; Roland Gerber, Peter, Lukas Haas. Bern: Genoni; Untersander, Blum; Kamerzin, Andersson; Burren, Krueger; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Bodenmann, Gaëtan Haas, Scherwey; Pyörälä, Ebbett, Raymond; Kämpf, Heim, Gian-Andrea Randegger; Meyer. Bemerkungen: SCL Tigers ohne Stettler, Pascal Berger, Nils Berger (alle verletzt) und Himelfarb (überzähliger Ausländer), Bern ohne Beat Gerber, Alain Berger, Hischier (alle verletzt) und Noreau (überzähliger Ausländer). Pfostenschüsse Rüfenacht (10.) und Raymond (2mal 46.). SCL Tigers ab 58:41 ohne Torhüter. Timeout SCL Tigers (59:05). (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.10.2017, 08:48 Uhr

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