Biel zündet das Feuerwerk, Bern spart sein Pulver auf

Der SCB wendet das Saisonende in extremis ab und gewinnt in Biel 1:0. Die Seeländer dominieren und verlieren – Berns Captain Moser kündigt für Dienstag Grosses an.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Die Tissot-Arena ist eine Einbahnstrasse. Biel nimmt Anlauf um Anlauf, löst Angriff um Angriff aus. Die sechste Halbfinalpartie gegen den SC Bern ist für die Seeländer längst ein Wettlauf mit der Zeit. 71 Sekunden verbleiben, als Coach Törmänen sein Timeout bezieht. Danach ziehen sechs Bieler Feldspieler mit Stöcken und Brechstangen ins Berner Drittel. SCB-Geschäftsführer Lüthi verfolgt das Treiben im Stehen, unterbindet jegliche Anzeichen von Regung. Allein der Kaugummi im Mund kriegt Lüthis Nervosität ordentlich zu spüren.

Ein Scheitern im Halbfinal gegen den Kantonsrivalen: Das wäre für den stolzen SCB eine grosse Enttäuschung. Der Entscheid wird vertagt. Die Gäste gewinnen im Seeland 1:0, Torhüter Genoni bleibt erstmals in diesem Playoff ohne Gegentreffer. Und so gehen aus der Partie im Prinzip zwei Sieger hervor: Der SCB gewinnt seine Begegnung der letzten Chance, und in Zug dürfen die Protagonisten mit Freude festhalten, dass ihr Finalgegner über sieben Spiele wird gehen müssen. Egal, wer am Dienstag reüssiert: Er wird beim Start in den Playoff-Final zwei Tage später punkto Energie im Nachteil sein.

Biel kommt trotz 38 Torschüssen nicht zum Erfolg

Überhaupt: die Energie. Die schien gestern mehrheitlich durch die Adern der Bieler zu fliessen. Der EHC war läuferisch so stark, als wolle er allfällig vorhandene Nervosität sofort abschütteln. Der Kanadier Pouliot - er wurde erneut dem Finnen Kärki vorgezogen - erspielte sich bereits in der Startminute eine Möglichkeit. Selbst wer den Begriff «Grosschance» in einem engen und strengen Rahmen definiert, zählte im ersten Drittel für Biel mindestens vier: Zweimal vergab Pouliot, einmal Hügli, und da war noch Topskorer Brunner, der seinem Label freistehend vor Genoni nicht gerecht wurde.

Und der SCB? Dessen Pensum bestand fast nur aus dem Fach «Defensivarbeit». Da gab es zwar noch das Ergänzungsfach namens «Konter». Dieses wählten aber nicht alle Berner. Trotzdem gingen die Gäste in Führung. Biels Stürmer Künzle geriet in der Rückwärtsbewegung gleich zweimal aus der Balance, Sciaroni nutzte das freie Eis, der aufgerückte Verteidiger Untersander traf.

Biel verarbeitete den Rückschlag auf überzeugende Weise und agierte auch im Mitteldrittel überlegen. Die Chancenauswertung aber war nicht finalwürdig, sondern eher auf Level Ligaqualifikation, die ja nicht gespielt wird, der Vergleich daher niemanden beleidigt - ausser vielleicht die Seeländer. Natürlich bekundeten sie auch Pech, etwa beim Schuss von Künzle, der an Almquists Stock abprallte und nur deshalb nicht ins Tor ging. Der SCB aber verteidigte geschickt, liess im Schlussdrittel kaum noch Chancen zu. Damit brachte er das Heimteam sowie dessen Fans zur Verzweiflung. Die Gäste brachten den Vorsprung über die Zeit. Biel blieb am Ende trotz 38 Torschüssen ohne Ertrag.

Fünfmal «Belle» in Bern, viermal gewann der SCB

So kommt es am Dienstag in Bern zur «Belle». In dieser Serie ist kaum etwas vorhersehbar. Trotzdem sei an dieser Stelle noch etwas Statistik erwähnt. Der SCB hat neunmal ein siebtes Spiel bestritten, aber nur in vier Fällen reüssiert. Allerdings holte er alle vier Siege zu Hause. Einzig die ZSC Lions vermochten Bern in der Postfinance-Arena in einem Alles-oder-nichts-Match zu bezwingen. Biel hat seine zwei siebten Spiele verloren. Vorteil SCB also. Nur: Haben die Berner in diesem Playoff zu Hause nicht doppelt so häufig verloren wie gewonnen? Eben, vieles ist unklar, eine Prognose sowieso ein Unding. Das Schlusswort gebührt SCB-Captain Moser: «Am Dienstag wird es von uns ein Feuerwerk geben.»

Gestern haben die Stadtberner ihr Pulver sicher nicht verschossen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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