Bern bricht den Bann

Der SCB gewinnt gegen Biel 6:2 und ist im Halbfinal angekommen.

Ramon Untersander (links) schiesst das 3:0, beobachtet von Jan Mursak (Nr. 9).

Ramon Untersander (links) schiesst das 3:0, beobachtet von Jan Mursak (Nr. 9).

(Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Reto Kirchhofer@rek_81

Ramon Untersander zieht vor des Bieler Tor, schüttelt Mike Künzle ab und vertreibt die bösen Geister. Es läuft die 36. Minute, der Berner Verteidiger trifft nach einem prächtigen Querpass Mark Arcobellos zum 3:0 – und in der Postfinance-Arena ist allen klar: Dieses Mal wird den SC Bern der Fluch der vergebenen Zwei-Tore-Vorsprünge nicht mehr einholen.

Die Equipe von Kari Jalonen pflegt ja in diesem Playoff nach 2:0-Führungen in Passivität zu verfallen und nervös zu werden. Allein im Viertelfinal gegen Genf gaben die Berner viermal einen solchen Vorsprung preis. Die jüngsten Negativerlebnisse nisteten sich im Gehirn der SCB-Spieler ein. Untersanders Tor kam einer Befreiung gleich – nicht zuletzt für ihn selbst. Der Verteidiger war wegen Gleichgewichtsstörungen während Monaten zum Zusehen gezwungen. Er gab im dritten Viertelfinalspiel gegen Servette sein Comeback und nähert sich peu à peu der Form früherer Tage.

Selbstverständlich kann eine Mannschaft, die sich zuletzt im Verwalten von Vorsprüngen ungemein schwer tat, auch ein 3:0 noch aus den Handschuhen geben. Gestern aber liess der SCB wenig zu. Er blieb aggressiv, suchte die Offensive, gewann 6:2, verkürzte im Halbfinal gegen Biel auf 1:2 Siege. Und vor allem war es zum ersten Mal in diesem Playoff ein konstant guter Auftritt des Qualifikationssiegers. Die Berner agierten gradlinig, das Forechecking wurde konsequent ausgeführt. Zudem, das soll nicht unerwähnt bleiben, hielt Fortuna ihre schützenden Hände über die Stadtberner. Mit solchem Support konnte wahrhaftig nichts schief gehen.

Viele Premieren beim SCB, falscher Poker bei Biel

Wegweisend war die verflixte siebte Minute: Sie verkam zu einem Drama in vier Akten. Zuerst schoss Biels Dominik Diem völlig freistehend am Tor vorbei, im Gegenzug verpasste Thomas Rüfenacht die Führung. Wieder kam Biel, Damien Riat traf den Pfosten, auf der anderen Seite jubelte Jan Mursak nach einem Pass von Andrew Ebbett. Bern führte, Biels Marco Maurer verfehlte einen Moment später das offene Gehäuse, und im ersten Powerplay des Abends reüssierte Ebbett. Es war das erste Tor des Kanadiers seit dem 23. Februar. In Überzahl kam der Puck per Zufall auf Ebbetts Stock, wo zuletzt das Pech geklebt hatte.

Eben, Fortuna stand den Bernern zur Seite, falls nötig auch mit dem richtigen Isolierband. Da passte es ins Bild, gelang mit Grégory Sciaroni noch einem vierten Berner das erste Playoff-Tor, der in den vergangenen Wochen zuverlässig unglücklich gekämpft hatte.

Noch liegen die Vorteile in der Serie bei den Bielern. Sie dürfen übermorgen zuhause antreten. Vielleicht wird Coach Antti Törmänen dazumal wieder auf Jarno Kärki zurückgreifen. Der Finne war in den ersten zwei Partien einer der Besten gewesen, dennoch musste er gestern dem genesenen Marc-Antoine Pouliot weichen. Der Kanadier blieb ohne Einfluss.

Mindestens bis Dienstag dürfte im Bernbiet zudem die Geschichte aufgewärmt werden, wonach Biel letztes Jahr im Halbfinal gegen Lugano nach 2:0 noch mit 2:4 ausschied. So hat jeder Club seine bösen Geister.

SonntagsZeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt