«Arno Del Curto hat mich enttäuscht»

Der Verband und Infront-Ringier haben den Cup in dieser Saison wiederbelebt. Armin Meier, Chef der Agentur, äussert sich im Vorfeld des Finals zwischen Bern und Kloten zu Kritikpunkten.

Armin Meier: «Letztendlich geht es im Sport doch um Titel. Daher erachte ich den Cup als Mehrwert.»Bilder

Armin Meier: «Letztendlich geht es im Sport doch um Titel. Daher erachte ich den Cup als Mehrwert.»Bilder

(Bild: Matthias Käser)

Adrian Ruch

Interessiert Sie als ehemaliger Radprofi Eishockey?Armin Meier: Ich interessiere mich für fast für alle Sportarten, für das Eishockey berufsbedingt sogar überdurchschnittlich, weil es im Schweizer Sportmarkt eine starke Plattform ist. Persönlich gefällt mir das Spiel, weil es von guten, harten Typen geprägt wird, die austeilen, aber auch einstecken können.

Haben Sie beim Cupfinal zwischen dem SC Bern und den Kloten Flyers eine Präferenz in Bezug auf den Sieger? Ich freue mich auf ein spannendes Spiel. Wer gewinnt, ist mir völlig egal.

«44 Spiele sind genug» ist seit Jahren die Kernbotschaft der Eishockey-Fangemeinde. War es unter diesen Umständen sinnvoll, den Cup einzuführen? Absolut. Uns ging es darum, den Eishockeysport in der Breite zu fördern und einen weiteren Saisonhöhepunkt zu schaffen. Nach 50 Runden gewinnt nur ein Verein die Meisterschaft. Im Cup kann man hingegen in fünf Spielen einen Titel holen. Und letztendlich geht es im Sport doch um Titel. Daher erachte ich den Cup als Mehrwert.

Wie wertvoll ist dieser Titel? Der Wert eines Titels wird nicht durch den Vermarkter, sondern durch die Athleten bestimmt. Ich mache ein Beispiel aus meiner Welt: Hat die Katar-Rundfahrt eine sportliche Relevanz? Wenn mit Chris Froome und Alberto Contador die weltbesten Fahrer im Februar in Katar um den Sieg kämpfen und unbedingt gewinnen wollen, ist der Wettkampf relevant, auch wenn es am Strassenrand wenig Zuschauer hat.

Das beantwortet die Frage noch nicht. Wer gesehen hat, wie Mathias Seger von den ZSC Lions (er ist Rekordnationalspieler/die Redaktion) nach dem Halbfinal gegen den SC Bern wütend, frustriert in die Kabine gestapft ist, dem ist klar, dass Seger den Titel unbedingt hatte gewinnen wollen. Der Cup hat also durchaus Relevanz. Die Athleten machen den Sport aus. Wir alle rundherum sind zwar wichtig, aber letztlich nicht tonangebend.

Mit welcher Kritik wurden Sie von den Klubs konfrontiert? Einige klagten über die zusätzlichen Spiele. Dem HC Davos ging es vor allem darum, den Spengler-Cup zu schützen, was ich nachvollziehen kann.

Davos-Trainer Arno Del Curto hat sich despektierlich über den Cup geäussert. Hat Sie seine Aussage verärgert? Arno Del Curto hat mich mit seinen Aussagen enttäuscht, weil sie nicht seinen Kompetenzbereich betreffen – auch wenn ich ihn als grosse Persönlichkeit im Eishockey, als aussergewöhnlichen Trainer schätze.

Können Sie das präzisieren? Er machte einen Rundumschlag, sprach von einem Betrug bei der Auslosung und reinem Kommerz. In seiner Position kann er nicht sagen, alles neben dem Sport interessiere ihn nicht. Del Curto verdient fast eine Million Franken, sagt aber, Kommerz interessiere ihn nicht – das geht nicht auf.

Könnte es für den HCD und den Wintersportort Davos ein Problem sein, im eigenen Stadion für den Konkurrenten Ötztal werben zu müssen? Das mag sein, nur: Diese Problematik gibt es in jedem zentral vermarkteten Sportwettbewerb. In der Champions League wird im St.-Jakob-Park für Heineken geworben, obwohl Feldschlösschen ein Sponsor des FC Basel ist. Ich denke, es müsste zu verkraften sein, wenn an einem Tag im Jahr Ötztal-Werbung im Stadion zu sehen wäre. Jedenfalls wäre das kein Grund, sportlich nicht alles zu geben.

Was war die Grundidee – einen Wettbewerb zu kreieren, mit dem sich Geld verdienen lässt? Es ging nicht nur darum. Wir haben einen langfristigen Vertrag mit dem Verband abgeschlossen, um eine relevante Plattform zu schaffen, die den Sport in der Breite fördert. Zudem wollten wir in einer Sportart, in der es noch nicht viele Titel gibt, einen weiteren Saisonhöhepunkt etablieren. Ich betrachte es immer als Ex-Sportler: Letztlich ist der grösste Erfolg, wenn du einen Titel gewinnst. Im Verhältnis zu einem Triumph an der Tour de France war das zwar unbedeutend, aber ich war trotzdem glücklich, als ich Schweizer Meister wurde.

Wie sind Sie mit dem ersten Jahrgang zufrieden? Wir sind sehr zufrieden, aber noch nicht dort, wo wir hinwollen. Mittlerweile ist die Grundstimmung bei den Klubs positiv. Erfreulich war auch, wie die NLB-Klubs mithalten konnten. Die befürchteten 20:0-Resultate gab es nicht. Auch kommerziell liegen wir über den Erwartungen.

Ist es ein Glücksfall, dass mit dem SCB der populärste Klub des Landes im Final steht? Matchentscheidend war, dass uns Marc Lüthi und Peter Zahner (die CEO des SC Bern und der ZSC Lions/die Redaktion) von Anfang an unterstützt haben. Ohne die beiden wäre die Sache sehr schwierig geworden. Dass der Final nun im Berner Eishockeytempel stattfindet, ist für uns das Best-Case-Szenario. Trotzdem müssen wir noch viel an diesem Produkt arbeiten.

In welcher Hinsicht? Uns ist wichtig, dass alle Klubverantwortlichen den Cup als wichtigen Wettbewerb schätzen, sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Einige Klubs jammern, sie müssten um jeden Franken kämpfen – gerade deshalb sollten sie doch alles daran setzen, durch fünf zusätzliche Spiele ein paar 100'000 Franken zu verdienen.

Ärgert es Sie, dass diverse grosse Zeitungen den Cup bisher fast ignoriert haben? Am Anfang gab es viel Kritik. Ich bin aber nicht der Typ, der sich schnell irritieren lässt, wenn er von etwas überzeugt ist. Mittlerweile sind die meisten negativen Stimmen verstummt. Dass uns die Kritiker nun aber nicht gleich zujubeln, ist auch klar.

Die enge Zusammenarbeit mit dem «Blick» wird vielerorts kritisch betrachtet. Unsere Agentur, die zu 50 Prozent Ringier und zu 50 Prozent Infront gehört, suchte für den Aufbau und die Etablierung dieses neuen Wettbewerbs die Unterstützung eines starken Medienpartners. Aber: Der «Blick» war nicht gesetzt. Wir haben mit allen Anbietern von bewegten Bildern gesprochen und uns am Schluss für das beste Modell entschieden.

Trotzdem: Der «Blick» hat vor der ersten Runde eine Sonderbeilage herausgegeben. Haben Sie auf die Redaktion Druck ausgeübt? Die Antwort ist simpel: Wir haben für die «Blick»-Sonderbeilage bezahlt, und wir haben keine extremen Sonderkonditionen. Das ist eine knallharte Geschäftsbeziehung. Ringier bezahlt uns auf der anderen Seite für die Übertragungsrechte – sauberer geht es nicht.

Wie viel Einfluss nehmen Sie respektive nimmt Infront-Ringier generell auf die Berichterstattung der Ringier-Medien? Gar keinen. Wir können nicht zur «Blick»-Redaktion gehen und eine Sonderbeilage wünschen – da werden wir ausgelacht. Ein Beispiel: Mit Lara Gut, die wir vermarkten, geht die «Blick»-Redaktion oft nicht zimperlich um. Eine andere Episode: «Blick»-Eishockeyexperte Dino Kessler war anfänglich vom Cup nicht begeistert und tat dies in der Zeitung auch kund. Wir wollen gar keinen Einfluss nehmen, sondern, dass über unsere Events und Athleten objektiv berichtet wird.

Unabhängigkeit ist für Medien ein hohes Gut. Betrachten Sie die enge Verquickung von Sportvermarktung und Sportjournalismus nicht als heikel? Nein, sie ist gar kein Thema. Sie sind selber Journalisten und wissen, wie Sie reagieren würden, wenn Ihnen jemand etwas aufdrängen wollte.

Zurück zum Cup. Verdienen Sie mit dem neuen Wettbewerb schon im ersten Jahr Geld? Ja, der Cup ist profitabel.

Was werden Sie nächste Saison anders, besser machen? Die Vermarktung verfeinern und weiterhin einen engen Dialog mit den Vereinen pflegen, um sie zu sensibilisieren. Es ist schade, dass das überhaupt nötig ist. In den letzten 15 Jahren sind nur vier Klubs Meister geworden, alle anderen haben nichts gewonnen. Es gibt Spieler, die nach langen Karrieren zurücktreten, ohne einen Titel geholt zu haben – das ist doch dramatisch. Als Trainer und Captain würde ich sagen: Das Wichtigste ist, dass wir über dem Strich sind. Aber darüber hinaus tun wir alles dafür, den Cup zu gewinnen.

Welche Bedeutung hat der Cup in fünf Jahren? Das hängt sehr stark vom Feuer der Athleten ab – und von den Vereinen, die diese Ambitionen unterstützen. Wer nicht gewinnen will, macht besser nicht mit. Letztlich ist es so: Wenn die Spieler hinter dem Wettbewerb stehen, kommt auch die Akzeptanz der Fans, Medien und Sponsoren.

Besteht das Risiko, dass sich der Cup nicht durchsetzen wird? Nein. Ich sehe keinen einzigen Grund, weshalb der Cup nicht funktionieren sollte. Die NLA wird immer das Grösste sein, aber der Cup wird seinen Platz finden. Sportlich wäre es langfristig eine Aufwertung, wenn sich der Cupsieger für die Champions Hockey League qualifizieren würde.

Berner Zeitung

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