Als Lehrling in die Spitzenklasse

Patrick Fischer begann die Saison als Assistent bei den Junioren – heute trifft er mit Lugano auf den ZSC.

Einst Nationalspieler, nun Coach aus Berufung: Patrick Fischer bei seiner Arbeit neben dem Eis.

Einst Nationalspieler, nun Coach aus Berufung: Patrick Fischer bei seiner Arbeit neben dem Eis. Bild: Patrick Straub

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Wenn Patrick Fischer heute im Hallenstadion auftritt, ist das für Luganos Assistenzcoach kein Spiel wie jedes andere. Die Begegnung mit dem ZSC ist das erste Wiedersehen mit jenem Klub, gegen den der 35-Jährige am 30. November seine Feuertaufe an der NLA-Bande feierte. 3:2 nach Penaltys lautete damals das Resultat, es war Luganos zweiter Sieg in neun Spielen, eine Serie, die tags zuvor zur Entlassung von Philippe Bozon und zur Beförderung des Trainerduos McNamara/Fischer von den Elite-Junioren geführt hatte.

«Ich bin da ganz unverhofft reingerutscht», erklärt der 184-fache Nationalspieler – und meint damit nicht nur sein frühes NLA-Debüt, sondern seine Coaching-Tätigkeit überhaupt. Im letzten Frühjahr erst war er ins Tessin gezogen, ein knappes Jahr nach seinem Rücktritt als Aktiver. Fischer wollte in erster Linie näher bei seinem neunjährigen Sohn Kimi sein, seinem «Energy Booster», wie er ihn nennt. Nach einem Jahr des Reisens suchte er aber auch beruflich eine neue Perspektive. Lugano, mit dem der Zuger 1999 Meister geworden war, bot Hand. «Wir wären dumm gewesen, einen Mann mit diesem Background nicht an uns zu binden», erinnert sich Sportchef Roland Habisreutinger. Und so kam es, dass Fischer Trainerlehrling beim 61-jährigen Mike McNamara und Luganos Junioren wurde.

«Muss lernen, ruhig zu bleiben»

Dass er sich nur Monate später nicht um die Sorgen von Heranwachsenden kümmern würde, sondern um die Probleme von NLA-Profis, hätte er sich damals nicht träumen lassen. Zwar gelang McNamara/Fischer auf Anhieb, was Vorgänger Bozon in zehn Monaten nicht geschafft hatte: zwei Siege in Folge. Doch inzwischen liest sich ihre Ausbeute keineswegs besser: 27 Punkte aus 27 Spielen holte der Franzose, 11 aus 12 seine Nachfolger. Trotzdem zieht Fischer eine positive Bilanz. «Es waren spannende Wochen, auch wenn wir dauernd am Ausbessern waren», blickt er zurück. «Anfangs waren die Spieler wie durch den Wolf gezogen, das Vertrauen fehlte.» Die sportliche Misere der letzten eineinhalb Jahre sei am Team nicht spurlos vorübergegangen.

Die Prioritäten haben sich geändert unter dem neuen Trainerduo. Zwar erinnert Fischer daran, dass er vor zwei Jahren mit dem EV Zug 21 Punkte in den letzten 11 Spielen holte und so doch noch ins Playoff kam. Doch auch er weiss, dass die aktuellen 15 Punkte Rückstand kaum mehr aufzuholen sind. «Für die restliche Qualifikation haben wir vor allem interne Ziele: Wir wollen den neunten Platz erreichen, aggressiver und kämpferischer auftreten.»

«Ich muss lernen, ruhig zu bleiben»

Fischers Rolle bei diesem neuen Lugano ist die eines Bindeglieds zwischen McNamara und Team. Er arbeitet eher individuell mit den Spielern und sieht seine Aufgabe darin, Freude, Vertrauen und Spass zu vermitteln. «Es ist eigentlich nicht so viel anders als früher», so Fischer, «nur, dass ich meinen Frust im Spiel nicht mehr mit einem Check rauslassen kann, sondern lernen muss, ruhig zu bleiben.»

Das ist nicht immer einfach. Als Lugano im Dezember sechs Spiele in Folge verlor, konnte Fischer kaum fassen, wie viele Chancen seine Spieler vergaben. «Gerade in diesen Momenten darf man aber seine Frustration nicht zeigen – das überträgt sich nur aufs Team.» Es ist unübersehbar: Neben Taktik und Technik faszinieren Fischer bei seiner Tätigkeit vor allem die sozialen Aspekte. «Ich kann mir gut vorstellen, eines Tages auch im Bereich Lebenscoaching und Stressminderung zu arbeiten», sagt der ehemalige NHL-Profi, «auch wenn ich im Moment ganz aufs Hockey setze. Mehr als zwei, drei Jahre im Voraus lässt sich ohnehin nicht planen.»

Bald ein namhafter Nachfolger?

Wie lange Fischer und McNamara ihren Platz an Luganos Bande indes behalten können, ist offen. Ein paar Tage nur hatten es ursprünglich sein sollen, und derzeit verdichten sich wieder die Anzeichen, dass die Verpflichtung eines namhaften Nachfolgers aus Übersee unmittelbar bevorsteht. Habisreutinger mag sich dazu nicht äussern, hält aber fest, dass Fischer dem Klub so oder so erhalten bleibt. Und für den Nachwuchscoach ist die unverhoffte Beförderung in die höchste Liga ohnehin eine Erfahrung fürs Leben. «Ich lebe diese Aufgabe Tag für Tag», sagt er. «Und heute freue ich mich auf das Spiel gegen den ZSC.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.01.2011, 15:45 Uhr

Infobox

ZSC unverändert

Die ZSC Lions bestreiten das heutige Heimspiel gegen Lugano mit demselben Team, das zuletzt Fribourg besiegte. Im Tor steht damit wieder Flüeler, von den ausländischen Feldspielern pausiert erneut Down. Ob Krutow oder Schommer als 13. Stürmer aufläuft, entscheidet sich heute. (phm.) Lakers wieder mit Reid. Gegen Ambri können die Lakers wieder auf den Kanadier Brandon Reid zählen, der die letzten sechs Spiele wegen einer Bauchmuskelzerrung verpasste. Ausserdem soll heute bekannt werden, wer bis Ende Saison das Captainamt übernimmt.

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