2016 verspricht für YB besser zu werden

BZ-Sportredaktor Fabian Ruch schreibt über das Jahr der Young Boys.

Fabian Ruch

In diesen Tagen finden die letzten Europacuppartien des Jahres 2015 statt. Am nächsten Wochenende werden die Cupviertelfinals ausgetragen. Die Young Boys sind bereits in den Ferien, weil sie in der Vorrunde kontinental und national alle Ziele verpasst haben.

YB blickt auf schwierige Monate ­zurück – und das vielleicht Schlimmste für den Verein daran ist: Im Publikum hat sich eine gewisse Gleichgültigkeit breitgemacht. Man hat sich daran gewöhnt, dass die Young Boys regelmässig enttäuschen.

YB hat in der ersten Saisonhälfte Vertrauen verspielt.Dabei war die Euphorie im Sommer riesig, nicht nur diese Zeitung setzte das Team auf Rang 1 in der Vorsaisonprognose. Es war eine Fehleinschätzung. Vielleicht wurde das Team überschätzt, dazu kam in den ersten Wochen grosses Verletzungspech. Die Analyse, warum es nicht läuft, fällt heute nicht viel anders aus als Ende August nach den Wirren um den Trainerwechsel und miserablen Ergebnissen.

So fehlt es im Klub weiter an Fussballkompetenz in der Führung und damit an einem Ansprechpartner für Fredy Bickel. Der Sportchef sagt, er habe zu lange an Trainer Uli Forte festgehalten. Viel besser aber sind die Resultate nach der Entlassung Fortes nicht geworden.

2016 ist bei YB nicht nur für Bickel das Jahr der Wahrheit. Und es gibt Anzeichen, die auf einen Aufschwung der Young Boys hindeuten. Das Kader ist ordentlich und dementsprechend teuer zusammengestellt, selbst wenn bei einigen Akteuren aus der Mittelklasse wie Jan Lecjaks, Raphael Nuzzolo, Milan Gajic, Scott Sutter, Samuel Afum oder Alexander Gonzalez das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht immer stimmt. Andere wie Loris Benito und Milan Vilotic stehen in der Pflicht, die hohe Ablösesumme und den respektablen Lohn zu rechtfertigen.

Weil die aufstrebenden Jungen, die bei YB vorbildlich gefördert werden, nur noch besser und vor allem konstanter werden, besitzt diese Mannschaft erhebliches Steigerungspotenzial. Mehrere Stammkräfte sind nicht älter als 21 Jahre alt, und wenn die Säulen Steve von Bergen, Sékou Sanogo, Miralem Sulejmani, Guillaume Hoarau und Alexander Gerndt verletzungsfrei bleiben, verspricht die YB-Mischung 2016 einiges.

Das Problem ist: Die Talente dürften eher früher als später ins Ausland wechseln. Der FC Basel hat es in den letzten Jahren meisterhaft verstanden, die prominenten Abgänge ausgezeichnet zu ersetzen. Der Serienmeister ist ohnehin das leuchtende Vorbild für YB. In den letzten fünf Jahren gewann der FCB nicht nur jede Menge Titel, sondern häufte auch beinahe so viel Vermögen an, wie der Rivale aus Bern Verlust machte (rund 50 Millionen Franken).

Eine Frage ist deshalb auch, wie lange die grosszügigen Gebrüder Rihs als Investoren in Bern dieser wirtschaftlichen Entwicklung noch zuschauen.Nicht immer wirkt die Mentalität im Stade de Suisse leistungsfördernd –zumal die Angestellten wissen, dass am Ende das Millionendefizit ohnehin übernommen wird. Immerhin: Die Verkäufe begabter Akteure wie Yvon Mvogo, Florent Hadergjonaj oder Denis Zakaria dürften YB einige Millionen in die Kasse spülen.

Im Idealfall für die Young Boys bleiben die Jungen aber noch eine Saison. Gelingt es YB, das Team – nach dem Abgang Renato Steffens – zusammenzuhalten und klug zu verstärken, könnten die Young Boys ab Sommer bereit sein, ganz oben anzugreifen.

Trainer Adi Hütter, seit drei Monaten im Amt, hinterlässt einen guten, zielstrebigen Eindruck und geht knallhart seinen für die Belegschaft teilweise unbequemen Weg. Hütter wird ab Januar an seiner Arbeit gemessen werden und weitere Ansprüche stellen. Er belebt den Betrieb mit seiner zackigen Art.

Und in der Rückrunde dieser Saison muss das Ziel für die Young Boys sein, Rang 2 zu erobern. Das liegt, bei fünf Punkten Rückstand auf GC, im Bereich des Realistischen. Nach dieser schwachen Vorrunde von YB sagt das vieles über das Niveau in der Super League hinter ­Primus Basel aus.

fabian.ruch@bernerzeitung.ch

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