Was bringt Wacker die Teilnahme am EHF-Cup?

Mit dem Auswärtsspiel gegen Azoty Pulawy, einen polnischen Spitzenclub, beginnt für Wacker Thun am Sonntag die Gruppenphase im EHF-Cup. Europacupspiele sind mit einer Menge Aufwand finanzieller Art verbunden.

Volles Haus: Beim Challenge-Cup-Final 2012 ist die Lachenhalle überfüllt.

Volles Haus: Beim Challenge-Cup-Final 2012 ist die Lachenhalle überfüllt. Bild: zvg / Roland Peter

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Pro: Der Europacup bietet Abwechslung

In praktisch allen Teamsportarten dürfen die besten Schweizer Mannschaften einer Saison als Be­lohnung im Jahr darauf am Europacup teilnehmen. Und die Berechtigung, auf internationaler Ebene antreten zu dürfen, sollte auch als Belohnung wahrgenommen werden.

Statt immer auf die gleichen Gegner zu treffen, dürfen die Sportler sich mit Kontrahenten messen, auf die sie sonst nicht treffen. Sie reisen in Länder, in die sie vielleicht privat nie reisen würden. Der Europacup bringt Abwechslung in das Leben eines Teamsportlers, der sonst tagaus, tagein immer in den gleichen Hallen seine Arbeit verrichtet.

Zugegeben: Europacupspiele sind nicht immer attraktiv. Am Anfang eines Wettbewerbs muss manchmal gegen deutlich schwächere und unbekannte Gegner angetreten werden. Aber auch solche Partien können sinnvoll genutzt werden dafür, Akteuren aus der zweiten Reihe Spielpraxis zu verschaffen. Und in der nächsten Runde wartet dann vielleicht der hochkarätige Konkurrent aus einer der führenden Ligen einer Sportart.

Es gibt keinen Grund, Europacupspiele als überflüssigen Bestandteil einer Saison zu betrachten. Die Verbände müssen allerdings darauf achten, den Terminkalender nicht zu überfrachten, sodass die internationalen Einsätze nicht zu einer übermässig grossen Belastung der Spieler führen. Bleibt der monetäre Aspekt: Im Handball ist der Europacup ein Verlust­geschäft. Ein solide finanzierter Schweizer Spitzenklub sollte sich jedoch die Teilnahme leisten können. Reto Pfister


Kontra: Kontostand, Kräfte und Titelchancen schwinden

Es gibt keinen triftigen Grund, sich an derlei Wettbewerben zu beteiligen. Die Teilnahme kostet bloss: Geld, Zeit, Energie – und im Extremfall den Titel auf nationalem Parkett, da nun mal benachteiligt ist, wer mehr Partien absolviert und entsprechend weniger Zeit hat, sich auf die einzelnen Be­gegnungen vorzubereiten.

2012 bestritten die Thuner parallel zum Playoff-Final denjenigen im Europacup. Sie verloren beide – primär deswegen, weil ihnen ob der Termindichte zusehends die Kraft ausgegangen war.

150'000 Franken kostet Wacker heuer die Teilnahme an den Gruppenspielen des EHF-Cups. Das ist Geld, das ein hiesiger Club nicht einfach so aufzu­wenden vermag. Die Oberländer tun es dennoch – mit der Unterstützung besonders grosszügiger Sponsoren und vornehmlich zur Freude der Spieler. Diese hätten es verdient, die Früchte ihrer Arbeit zu ernten, pflegen die Verantwortlichen zu sagen.

Das Argument überzeugt nicht. Denn das Geld, das nun investiert wird, fehlt in Zukunft – etwa wenn es gilt, Abgänge zu ersetzen. Und es ist kaum im Sinn der Akteure, wenn sich der Club dabei aus Geldnot zweitklassigen Personals bedienen würde.

Genauso wenig taugt der Verweis auf das Verbandsreglement, das die Vereine offenbar dazu zwingt teilzunehmen. ­Erstens hätte Wacker nicht alles daransetzen müssen, die Qualifikationsrunden zu überstehen. Zweitens würde der nationale Verband einen aus Geldmangel erfolgten Verzicht kaum sanktionieren. Er hat ein Interesse daran, dass es seinen Vorzeigeclubs gut geht. Adrian Horn (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.02.2018, 09:30 Uhr

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