Zu leichtgewichtig an Grenzen gestossen

Die chancenlose Schweiz verliert das Endspiel um den Gruppensieg in Portugal nach mutloser Darbietung 0:2. ­Damit bestreitet sie Mitte November die WM-Playoffs.

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Und dann ist halt doch vieles so, wie man es eigentlich hätte denken können. Elf Minuten sind in der zweiten Halbzeit absolviert, als die Schweizer von den technisch brillanten Portugiesen wunderbar ausgespielt werden. Sie stellen sich ungeschickt an, sind unsortiert, offenbaren defensive Defizite, die von einer Weltklassemannschaft gnadenlos ausgenutzt werden. Am Ende des herrlichen Spielzuges darf André Silva den Ball ins leere Tor schieben, es ist ein Treffer wie ein Kunstwerk. Und eine Demütigung für die ausgespielten Schweizer, die geschlagen auf dem Hosenboden liegen.

André Silva schiebt mühelos zum 2:0 ein. Video: Tamedia/SRF

Portugal ist nicht Ungarn

Silvas 2:0 ist bereits die Entscheidung in einer einseitigen Begegnung. Die harmlosen, mutlosen, ideenlosen Gäste sind im ausverkauften Estadio Da Luz zu keiner Reaktion fähig. Zu leichtgewichtig sind sie, zu schwach, das viel gepriesene Selbstvertrauen ist wie ausgelöscht im Stadion des Lichts. Kein Xherdan Shaqiri an seinem 26. Geburtstag, kein Granit Xhaka und schon gar kein Admir Mehmedi, Blerim Dzemaili, Haris Seferovic setzt sich in Szene. Portugal ist nicht Ungarn, Lettland, Färöer, Andorra, so ist das, und deshalb werden den Schweizern an diesem milden Herbstabend in Lissabon brutal die Grenzen aufgezeigt.

Die Portugiesen dagegen feiern die erfolgreiche WM-Qualifikation wenige Minuten nach Spielende mit einem launigen Ständchen, das Publikum singt begeistert mit, während die über 5000 Schweizer ernüchtert in die Lissaboner Nacht entschwinden. Sie werden in einem Monat wieder mitfiebern in den WM-Playoffs, wenn die Schweizer als gesetztes Team auf Schweden, Griechenland, Irland oder Nordirland treffen. Auf eine Mannschaft also, die von erheblich geringerer Qualität als jene Portugals ist. Und dabei hat Cristiano Ronaldo einen vergleichsweise unscheinbaren Abend eingezogen, kurz vor Schluss verstolpert er nach einem Konter ungewohnt fahrig das 3:0.

Yann Sommer bewahrt die Schweizer vor dem 0:3. Video: Tamedia/SRF

Schweizer zu zögerlich

In der Fünf-Sterne-Arena in Lissabon ergriffen die Portugiesen wie erwartet sofort das Kommando. Sie kombinierten schnell und schick, allerdings fehlte es den Aktionen des Europameisters vorerst an Zielstrebigkeit, ihre Tormaschine fand lange Zeit kaum Bindung zu den Mitspielern. Ronaldo hing fast eine halbe Stunde Spielzeit in der Luft, die Schweizer stellten die Passwege konsequent zu und verteidigten noch konzentriert.

Möglicherweise hätten Luka Modric oder Toni Kroos eine Lücke erspäht, doch im Nationalteam muss Ronaldo auf die herausragenden Passspieler Real Madrids verzichten. Mit kluger Raumaufteilung und Ballsicherheit kontrollierten die Schweizer über weite Strecken der ersten Halbzeit den verspielten Gegner, obwohl sie die Kontrolle des Geschehens komplett Portugal überliessen.

In der Vorwärtsbewegung indes hinterliessen die Schweizer nie den Eindruck, an einem Torerfolg interessiert zu sein. Sie agierten erstaunlich zögerlich. Es fehlte den Schweizer Offensivkräften an Klasse und an Entschlossenheit, der portugiesische Torhüter Rui Patricio hätte die erste Halbzeit auch als Zuschauer von der Tribüne aus verfolgen können. Gefordert in seiner Kernkompetenz wurde er nie.

Djourous Eigentor

Und nach rund 30 Minuten stand auf einmal Yann Sommer im Brennpunkt. Der helvetische Keeper verhinderte mit einem starken Reflex das 1:0, als er einen strammen Schuss Bernardo Silvas über die Latte lenkte. Vorangegangen war ein erstes Dribbling Ronaldos in der Schweizer Gefahrenzone. Der Weltfussballer wirkte nun lebendiger, er wich verstärkt auf die Seiten aus, der Druck der Portugiesen erhöhte sich.

Beinahe hätte Ronaldo einen Handelfmeter provoziert, doch Cüneyt Cakir bestrafte die Intervention von Ricardo Rodriguez nicht. Und kurze Zeit später stellte er den überforderten Remo Freuler nach einem Handspiel nicht mit einer zweiten Verwarnung vom Platz, obwohl sich die Schweizer darüber nicht hätten beklagen dürfen.

Trotzdem gelang es den Gästen nicht, das Nullzunull in die Pause zu retten. Nach mehreren schwachen Flanken Portugals beförderte Eliseu in der 42. Minute eine Hereingabe scharf in die Mitte, Sommer erwischte den Ball nicht, im Durcheinander unterlief Johan Djourou ein unglückliches Eigentor. Es war die Strafe für einen zu passiven Schweizer Vortrag. Und der Anfang vom Ende eines völlig missglückten Abends in Lissabon.

Das ärgerliche 1:0, ein unglückliches Eigentor von Johann Djourou. Video: Tamedia/SRF

Berner Zeitung

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