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Zlatan ist Schwedens Jesus

Auch die sonst eher rational geprägten Schweden haben ihren Personenkult. Stürmer Zlatan Ibrahimovic nimmt im Königreich die Stellung eines gottähnlichen Wesens ein. Das soll am Freitag auch den Favoriten Italien besiegen helfen.

Wird in seinem Heimatland Schweden vergöttert: Fussballstar Zlatan Ibrahimovic.
Wird in seinem Heimatland Schweden vergöttert: Fussballstar Zlatan Ibrahimovic.
Keystone

Zlatan, Zlatan, Zlatan. Wer dieser Tage die schwedische Berichterstattung zur eigenen Nationalelf bei der EM in Paris liest, bekommt den Eindruck, es handle sich eher um eine National-eins. Der schwedische Stürmer Zlatan Ibrahimovic ist bei den atheistisch und rational geprägten Schweden eine gottähnliche Gestalt.

Zlatan ersetzt sogar Google

Er schmückt die Titelseiten der Zeitungen, seine Selbstbiographie war monatelang auf Platz eins der Bestsellerlisten. Zlatan ist für viele eher ein magisches Wesen als ein Mensch mit zwei Beinen. Wegen des grossen Interesses wurde eine Internet-Suchmaschine aufgemacht, die aussieht wie Google, aber «Zlatan» heisst, und ausschliesslich Informationen über den Stürmer liefert.

Der 34-jährige ist vieles zur gleichen Zeit für das nur 10 Millionen Einwohner zählende Land. Zum einen ist er die Integrationsfigur, die den schwedischen Traum verkörpert. Zlatan ist der Sohn eines Alkoholikers, der aus der moslemischen Minderheit in Bosnien stammt und als Pfleger arbeitete, und einer kroatischen Putzfrau. Die Familie begann ihr Leben ganz unten in der schwedischen Gesellschaft.

1981 wurde Zlatan im Migrantenghetto Rosengard im südschwedischen Malmö geboren. Zlatan wollte da raus und schaffte es über den FC Malmö bis hin zum heutigen Paris Saint-Germain, wo er in vier Jahren 156 Tore schoss.

2015 war er laut Forbes bei den bestbezahlten Prominenten der Welt auf Platz 55 mit einem Jahreseinkommen von 39 Millionen Dollar (38 Millionen Franken).

Bombastisches Auftreten

Die Schweden entzückt zum einen seine schwere Kindheit, zum anderen aber auch sein angeberhaftes Auftreten.

Gerade weil es so sehr gegen das von allen anderen prominenten Schweden streng eingehaltene Bescheidenheitsprinzip verstösst, das uralte «Jantelagen». Das Jantegesetz verbietet es, sich als etwas Besseres anzusehen und sich hervorzutun.

Doch genau das tut Zlatan mit teils brachialer Gewalt. «Glaubst du an Jesus? Dann glaubst du an mich!», riet er einem nervösen Mitspieler. «Wer mich stoppen will, muss mich umbringen», sagte er auch mal.

«Ihr redet, ich spiele», ist eine andere seiner rambohaften Aussagen. Auf die Frage nach seinen Idolen sagte er: «Gibt es nicht. Es gibt nur den Zlatan-Stil». Zu seinem bevorstehenden Abschied aus Paris – auch Bayern München soll Interesse an der Übernahme des Stars haben – schrieb er: «Ich kam als König und gehe als Legende.» Kurz zuvor hatte er die stolze Grande Nation zur Weissglut getrieben, als er Frankreich öffentlich als «Scheissland» bezeichnete.

Ein Herz für andere

Obwohl Zlatan ein Multimillionär im Fussballhimmel ist, bleibt er doch auf seine Art auf dem Boden. Das schafft er wiederum durch eine gehörige Portion typisch schwedischer Selbstironie und durch soziales Engagement. «Man kann zwar einen Kerl aus Rosengard herausreissen, aber nicht Rosengard aus einem Kerl», sagte er einmal.

Auf dem «Zlatan-Platz», den er seinem Viertel gestiftet hat, spielen die Mini-Zlatans Fussball und träumen davon, so zu werden wie er. Er ist auch eine Stimme für benachteiligte Einwanderer, der gegen seine Feinde hart vorgeht.

So schrieb er über Ex-Sportchef Hasse Borg in Malmö: «Er hat mich ausgenutzt, mich als den dümmsten Falafel-Jungen angesehen, den man veräppeln kann, um Geld zu verdienen.»

So gesteht Zlatan auf seine Weise auch Unsicherheiten ein. Seine Frau, das Ex-Model Helena Seger, und seine beiden acht- und neunjährigen Söhne, Vincent und Maximilian, würden seine kantigen Seiten etwas abschwächen, räumt Papa Zlatan auch gern ein. «Ich habe ein grosses Herz, ich will immer das Beste für andere», gestand er einmal.

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