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«Ziel ist die Champions League»

Benno Oertig, VR-Präsident des Stade de Suisse, investiert seit zehn Jahren in YB. Im Interview spricht Oertig über die dicke Haut, die er sich zulegte, über Stéphane Chapuisats Zögern und die Perspektiven des Klubs.

Als Verwaltungsratspräsident des Stade de Suisse ist Benno Oertig seit mittlerweile zehn Jahren eine einflussreiche Person bei den Young Boys.
Als Verwaltungsratspräsident des Stade de Suisse ist Benno Oertig seit mittlerweile zehn Jahren eine einflussreiche Person bei den Young Boys.
Andreas Blatter

Sie waren zu Besuch im YB-Trainingslager in Andalusien. Haben Sie den Eindruck, das Team ist reif für den Titel? Benno Oertig: Auch in den letzten Jahren habe ich jeweils im Trainingslager vorbeigeschaut. Aber noch nie habe ich eine so gute Atmosphäre erlebt. Die Spieler sind konzentriert, ich spürte: Sie wollen den Erfolg. Gleichzeitig ist die Stimmung locker. Die Klubleitung lud die mitgereisten Fans zu einem Drink in die Bar des Mannschaftshotels ein. Jeder Spieler ist erschienen, keiner hat den Termin verpasst. Auch das ist für mich ein Zeichen, dass die Professionalität noch einmal gestiegen ist.

Vor zehn Jahren stiessen Sie als Stadioninvestor zu YB. Hat der Klub seither die gesteckten Ziele erreicht? Mit wenigen Abstrichen ist unsere Strategie aufgegangen. Grösster Wermutstropfen ist der verlorene Cupfinal 2009. Doch bei YB hat sich in den letzten zehn Jahren viel bewegt. Wir begannen damals bei null und haben dann stets im Fünfjahresrhythmus geplant. Die ersten fünf Jahre stand der Bau des Stadions im Zentrum. Dabei gab es Rückschläge und schwierige Momente. Wir mussten Strukturen ändern, wie immer in solchen Fällen tat das einigen weh. Ich musste mir in dieser Zeit eine dicke Haut zulegen...

...etwa bei den Querelen um den damaligen Stadionmanager Peter Jauch. Jauch tat viel für uns und YB. Doch er polarisierte stark. Mit Stefan Niedermaier als Stadion-CEO wurde die Situation einfacher. Wir prüften damals die Dossiers von rund 150 Kandidaten. Niedermaier fanden wir schliesslich über einen Headhunter. Dass er Berner ist, war zwar nicht Bedingung für den Job, aber es war ein weiterer Punkt, der für ihn sprach. Mit der Eröffnung des Stadions im Juli 2005 wurde vieles einfacher. Es begann die zweite Phase, in der wir die Strukturen festigten – alles mit Blick darauf, zur Nummer eins aufzusteigen. Dafür brauchen wir auf jeder Position im Klub die beste Person.

Ist das unterdessen bei den Young Boys der Fall? Das Engagement von Stéphane Chapuisat ist das beste Beispiel. Es war immer mein Ziel, ihn bei YB einzubinden. Zunächst sträubte er sich und erteilte mir eine Absage. Schliesslich sagte er doch noch zu und ist nun Teil der Geschäftsleitung. Chapuisat erkennt bei YB mittlerweile die Professionalität, die er als Spieler im Ausland gewohnt war.

Wie sieht der Plan für die kommenden fünf Jahre aus? YB soll im Schweizer Fussball die Spitze übernehmen und auch international eine Rolle spielen. Ein Ziel ist die Champions-League-Teilnahme. Doch diese dritte Phase wird die schwierigste. Um den Klub ist eine Euphorie entstanden. Das bedeutet aber auch, dass die Begehrlichkeiten wachsen. Wir spüren den Druck, endlich wieder einen Titel zu gewinnen. Daher ist es schade, verspielte die Mannschaft letztes Jahr trotz 2:0-Führung den Cupfinal. Der Cupsieg hätte viel von diesem Druck genommen.

Nach dem Abgang von Seydou Doumbia und Gilles Yapi im Sommer muss das Team neu formiert werden. Danach sind die Aussichten auf einen Titel weniger günstig. Einzelne Abgänge können wir verkraften. Das Gefüge der Mannschaft steht. Als Yapi-Ersatz steht Thierry Doubai schon bereit. Die Kunst ist es, ihn nach den beiden Kreuzbandrissen zur alten Stärke zurückzuführen. Und auch Doumbia ist zu ersetzen – wenn auch natürlich nicht eins zu eins.

Wie sehr mischen Sie sich in die sportlichen Entscheidungen ein? Nach der Entlassung von Martin Andermatt war ich an der Suche nach dem neuen Trainer beteiligt. Mit Vladimir Petkovic haben wir eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Aber in die Details mische ich mich als Verwaltungsratspräsident nicht ein. Ich habe die mittel- und langfristige Planung im Auge.

Was hat Sie vor zehn Jahren bewogen, sich für die Young Boys zu engagieren? Das ist eine gute Frage. Ein Grund war aber sicher, in welch schlechtem Zustand sich die populärste Sportart in Bern befand. YB war finanziell bedroht und verfügte in Bern über keinen Rückhalt. Das Stadionprojekt sorgte zwar für Auftrieb, doch es brauchte Leute, die bereit waren, sofort zu investieren. In Bern fanden sich diese damals nicht, doch meine Mitstreiter und ich glaubten an YB und den Fussball in der Bundesstadt.

Sie sind im Kanton St.Gallen aufgewachsen. Woher kommt Ihre Verbundenheit mit YB? Auf der St.Galler Seite des Zürichsees sind die Zürcher Klubs nicht sehr beliebt. Der FC St.Gallen wiederum war für uns weit weg. YB ist der Klub aus der Bundesstadt und damit ein Klub für alle Schweizer.

Haben Sie je gezweifelt, dass aus YB wieder ein Schweizer Spitzenverein wird? Zweifel ist ein schlechter Berater. Aber es gab Überlegungen. Etwa, ob wir die budgetierte Zuschauerzahl erreichen. Als wir davon sprachen, im Schnitt 20'000 Zuschauer an ein YB-Heimspiel zu locken, wurden wir ausgelacht. Aber wir haben die Widerstände aus dem Weg geräumt und die Skepsis besiegt.

Wird YB heute noch finanziell von Ihnen unterstützt? Das ist nicht nötig. Die Young Boys sorgen mit den Heimspielen für Umsatz, im Stadion wird mit Konzerten und anderen Veranstaltungen Geld verdient. Somit ist YB nicht auf Mäzene angewiesen.

Nach wie vor befindet sich im Kreis der Investoren kein Berner. Wird sich daran etwas ändern? Die Frage stellt sich derzeit nicht. Von uns vier Aktionären (Oertig, Fritz Bösch, Andy und Hans-Ueli Rihs, d. Red.) hat keiner die Absicht, sich zurückzuziehen. Schon länger existiert aber die Vision, das Stadion den Bernern «zurückzugeben». Eine Option ist der Gang an die Börse, damit könnte mit einer strukturierten Volksaktie der ganze Betrieb breiter abgestützt werden. Aber im Moment ist das nicht mehr als eine Spekulation.

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