Zackig

Erst 18-jährig, ist Denis Zakaria bei YB in kürzester Zeit zu einer verlässlichen Kraft aufgestiegen. Der Mittelfeldakteur sagt vor dem morgigen Heimspiel gegen GC, es gehe derzeit alles etwas schnell.

Grosse Schritte: Denis Zakaria (Mitte) ist der Aufsteiger der bisherigen Super-League-Saison.<p class='credit'>(Bild: Andreas Blatter)</p>

Grosse Schritte: Denis Zakaria (Mitte) ist der Aufsteiger der bisherigen Super-League-Saison.

(Bild: Andreas Blatter)

Dominic Wuillemin

Ein schöner Frühlingsabend vergangenen Mai, Wohlen empfängt Servette. Ciriaco Sforza, der damalige Trainer der Aargauer, hat den Strickpullover über die Schulter gehängt, während er an der Seitenlinie steht und Anweisungen gibt. Die Gäste geraten früh in Rückstand, am Ende gewinnen sie im beschaulichen Niedermatten aber 3:1. Von den 1310 Zuschauern dürfte sich kaum einer noch an den Abend besinnen. Dennis Zakaria aber schon.

Lob von Hütter

Vier Monate später sitzt der 18-Jährige in den Katakomben des Stade de Suisse. Er ist angekommen in der Beletage des Schweizer Fussballs. Die tristen Kulissen des Niedermatten oder des sehr spärlich gefüllten Stade de Genève sind in Bern weit entfernt, bei YB fehlt es einem Angestellten an nichts.

Zakaria spricht von grossen Veränderungen, sagt, es gehe derzeit alles etwas schnell. Mühe scheint ihm diese Tatsache aber nicht zu bereiten; wenn man dem Teenager zusieht, glaubt man, er spiele schon seit Jahren für YB. Am Ball hat er die Ruhe eines Routiniers, wie ein Leistungsträger agiert er derzeit konstant gut. Beim 1:0-Sieg in Thun sei Zakaria einer der wenigen Lichtblicke gewesen, findet Trainer Adi Hütter und attestiert dem grossen Talent eine tolle Entwicklung.

In den vier Spielen unter dem österreichischen Trainer stand der Waadtländer stets in der Startaufstellung. In der Super League hat er nun schon mehr Minuten absolviert als für Servette in der Challenge League. Kürzlich wurde er zum Axpo-Rookie der Monate August und September gewählt. Zakaria nimmt die Karriereetappen derzeit in grossen Schritten.

Leben in einer Gastfamilie

Aufgewachsen ist Denis Zakaria in Genf, die Mutter aus dem Sudan kommend, der Vater ein Kongolese, den er aber aus den Augen verlor, seit dieser 2011 in die Heimat zurückkehrte, um dort als Sportberater für die Regierung zu arbeiten. Manchmal sei es schon traurig, nichts vom Vater zu hören, meint er. «Aber so ist es eben.» Umso enger sind Beziehungen zu den anderen Familienmitgliedern.

Wenn möglich, zieht es Zakaria zurück in die Rhonestadt, zum älteren Bruder Florian (21) und der Mutter, die in Genf einen Friseursalon betreibt. Schwester Bidour, 35, lebt in den USA, mit ihr tauscht sich der kleine Bruder häufig per Skype aus. Trotz der engen Bindung zur Familie, als sich Sportchef Fredy Bickel im Sommer um Zakaria bemühte, musste er nicht lange überlegen, seine Heimat zu verlassen. Weil ihm YB viel Vertrauen gegeben habe, sagt der 191 Zentimeter grosse Mittelfeldspieler. «Bei YB kann ich mich bestens weiterentwickeln.»

In Bern lebt Denis Zakaria bei einer Gastfamilie im Neufeldquartier. Er hat seither eine Schwester und drei Brüder im Alter von 17 bis 22 dazugewonnen. Zakaria spricht von einer «perfekten» Konstellation, auch weil er so gezwungen sei, viel Deutsch zu reden. Noch ist sein Wortschatz spärlich.

So überrascht es nicht, sind Zakarias Bezugspersonen bei YB frankofon. Torhüter Yvon Mvogo ist ein brüderlicher Freund, Guillaume Hoarau beinahe eine Vaterfigur, welche die schützende Hand über Zakaria hält. Dementsprechend wohl fühlt sich der U-21-Nationalspieler. «Zak», wie er von den Mitspieler genannt wird, scheint immer ein Lächeln auf den Lippen zu tragen.

Damals, Mitte Mai in Wohlen, spielt Denis Zakaria übrigens in der Challenge League erstmals von Beginn an, er erzielt dabei auch sein erstes Tor. Derweil erlebt Ciriaco Sforza sein zweitletztes Heimspiel als Trainer der Aargauer.

Bald darauf unterschreibt der 45-Jährige in Thun, wo er aber am Mittwoch einen Bruch in der Laufbahn erleidet. Für Denis Zakaria aber könnte das Spiel in Wohlen einst ein erster Höhepunkt einer grossen Karriere darstellen.

Berner Zeitung

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