Young Boys erholt ans Spitzenduell

Kräfte schonen lautete das Motto der Young Boys in den letzten Tagen. Am Sonntag empfangen sie den Zweiten St. Gallen zum unerwarteten Spitzenkampf im Stade de Suisse.

Torschützen im ersten Spiel gegen St. Gallen: Jean-Pierre Nsame und Kasim Nuhu erzielten die YB-Tore beim 2:2 in St. Gallen vor einem Monat.

Torschützen im ersten Spiel gegen St. Gallen: Jean-Pierre Nsame und Kasim Nuhu erzielten die YB-Tore beim 2:2 in St. Gallen vor einem Monat.

(Bild: Keystone)

Fabian Ruch

Selbst die Betreiber des kleinen Flughafens in Tirana tragen ihren Teil zur Wellnesswoche der Young Boys bei. Für die ultra­kurze Strecke zwischen Gate und Flugzeug stellen sie am Freitagmittag tatsächlich einen Bus bereit. Die YB-Akteure quittieren die Ankunft nach 25-Meter-Fahrt mit begeistertem Applaus.

Vielleicht reicht die eingesparte Kraft am Sonntag gegen St. Gallen für einen kraftvollen 25-Meter-Sprint mehr, wer weiss, ganz sicher aber werden mehrere Berner Fussballer erholt zum Spitzenspiel antreten.

Adi Hütter warf ja am Donnerstag, beim enttäuschenden 1:1 in der Europa League gegen Skënderbeu, die Rotationsmaschine auf höchster Stufe an. Und er meldet eine Nacht später am Flughafen in Tirana: «Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Es ist wichtig, dass wir frische, fitte Spieler zur Verfügung haben. Uns bleibt nach dieser strengen Reise nicht viel Zeit zur Vorbereitung.»

Erholung auf der Bank

Man darf die Frage aufwerfen, ob es sinnvoll gewesen ist, derart viele Veränderungen vorzunehmen. «Ich akzeptiere Kritik», sagt Hütter, «als Trainer bietet man mit solchen Massnahmen Angriffsfläche. Doch ich stehe in der Verantwortung und denke langfristig.» Einige YB-Spieler liefen auf dem Zahnfleisch, ihnen half der Bankaufenthalt in Albanien.

Hütters Saisonbilanz ist sehr gut, er hat in Liga, Cup und Europa League in 13 Pflichtspielen nur einmal verloren (0:4 gegen Thun) und führt die Super League souverän an. «Das Ziel sind zwei Punkte im Schnitt», sagt der Österreicher, «das genügt, um ganz oben mitzuspielen. Nur gegen Basel reicht es oft nicht.»

Man schaut in Fussballbern ja reflexartig auf Basel. «Der FCB hat zuletzt gegen Zürich und vor allem mit dem 5:0 gegen Benfica überzeugt», sagt Hütter. Aber der Exploit Basels sei nichts Spezielles, fügt er schmunzelnd an. «Wir siegten vor der Saison im Testspiel auch 5:1 gegen Benfica.»

St. Gallens miserable Bilanz

Morgen bietet sich den Young Boys wie zuletzt gegen Luzern (4:1) und in Sitten (1:0) die Gelegenheit, einen Verfolger zu distanzieren. Die Statistik spricht klar für YB, in 20 Auftritten im Stade de Suisse hat St. Gallen nie gewonnen (!) und 14-mal verloren. Hütter erinnert sich vor allem an die zwei 2:2 letzte Saison in Bern. Und zuletzt holten müde Young Boys Ende August in St. Gallen einen glückhaften Punkt dank eines umstrittenen Last-Minute-Tores von Kasim Nuhu. Auch diese Partie endete 2:2.

Auch das Spiel in St. Gallen war die letzte nach intensiven Wochen und vor der Länderspielpause. «Uns lief es nicht gut, wir scheiterten in den ­Playoffs zur Champions League», sagt Hütter. «Dank des Punktgewinns konnten wir in Ruhe weiterarbeiten.» Morgen wollen sich die ausgezehrten Young Boys mit einem Kraftakt-Sieg erneut in die Länderspielpause retten. Und selbst bei einer Niederlage wären sie auf 2-Punkte-Schnitt-Kurs.

«Wir freuen uns, die Batterien bald aufladen zu können», sagt Hütter vor dem Rückflug noch. Der Trainer dürfte sich in der Chartermaschine der österreichischen Fluggesellschaft People’s Viennaline fast wie zu Hause fühlen, bei der Landung in Bern sitzt er im Cockpit. Auch das passt zu diesen YB-Wohlfühltagen.

Verfolgen Sie die Partie ab 15.45 Uhr im Live-Ticker auf unserer Website.

Berner Zeitung

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