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YB-Spieler mit FCZ-Vergangenheit

Im Cupfinal treffen am Sonntag vier YB-Spieler auf ihren ehemaligen Club. Was Loris Benito, Steve von Bergen, Christian Fassnacht und Djibril Sow mit dem FCZ verbindet.

Loris Benito, damals beim FCZ unter Vertrag, war im Jahr 2014 beim Cupfinal wegen einer roten Karten im letzten Meisterschaftsspiel gesperrt.
Loris Benito, damals beim FCZ unter Vertrag, war im Jahr 2014 beim Cupfinal wegen einer roten Karten im letzten Meisterschaftsspiel gesperrt.
Christian Pfander
Gewann mit dem FCZ 2006 und 2007 den Meistertitel: Steve von Bergen.
Gewann mit dem FCZ 2006 und 2007 den Meistertitel: Steve von Bergen.
Raphael Moser
Ist Djibril Sow bis zum Cupfinal wieder fit?
Ist Djibril Sow bis zum Cupfinal wieder fit?
Raphael Moser
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Es war ein herrlicher Frühlingstag, doch Loris Benito sagte im April 2014: «Die Sonnenstrahlen können keinen Trost spenden. Ich verspüre eine grosse Leere in mir.» Der YB-Aussenverteidiger, damals beim FCZ unter Vertrag, hatte im letzten Meisterschaftsspiel vor dem Cupfinal die Rote Karte geholt, in der 87. Minute, just gegen Finalgegner FC Basel. Der Kon­sequenzen war sich Benito erst nicht bewusst, als ihm Basels David Degen in den Katakomben sagte, er sei nun für das Endspiel gesperrt, entgegnete ihm Benito: «Bist du wahnsinnig?»

Aber es war tatsächlich so: Das bis anhin grösste Spiel seine Karriere verpasste der heute 26-Jährige, statt auf dem Spielfeld im Stade de Suisse zu stehen, sass er auf der Tribüne im Kreise seiner 35 Bekannten, für die er extra Tickets organisiert hatte. Der FCZ gewann dann auch so, und Benito findet im Mai 2018, das Gefühl sei trotzdem unbeschreiblich gewesen. «Und dennoch ist da ein kleiner Makel.»

Vier Jahre später erhält Benito die Chance, den Schattenfleck zu beseitigen, am Sonntag steht er erneut im Endspiel – ausgerechnet gegen den FC Zürich. «Den Final zu erreichen, war schon eine Genugtuung. Aber jetzt will ich unbedingt den Cupsieg auf dem Spielfeld miterleben», sagt er, ehe er nachschiebt: «Vor­behalten natürlich, der Trainer stellt mich auf.» Die Anmerkung passt zum Aargauer, der selbstbewusst, aber nicht überheblich ist.

Sorgen allerdings muss er sich nicht, seine Einsatzchancen sind ausgezeichnet, er absolviert eine vorzügliche Rückrunde, zudem wird YB auf der Aussenverteidigerposition geschwächt sein: Kevin Mbabu fehlt gesperrt – wie Benito einst.

Das Alter ist nur eine Zahl

Steve von Bergen verweist auf Hilton, einen 40-jährigen Brasilianer mit Schweizer Vergangenheit, mittlerweile in Montpellier engagiert. Der Verteidiger verlängerte kürzlich seinen Vertrag um eine weitere Saison. «Vielleicht werde ich ja auch so lange spielen», sagt der YB-Captain. Und lacht.

Sehr wahrscheinlich hätte manch ein YB-Fan solche Worte vor einem Jahr noch als Drohung aufgefasst, mittlerweile sind sie eher ein Versprechen. Bald 35 Jahre jung, blickt der Neuenburger auf eine seiner besten Saisons zurück. Er ist in der Hauptstadt zu einem Elder Statesman gereift, weil er in einer Mannschaft mit vielen jungen Wilden stets den Überblick bewahrt.Als er am Sonntag bei den Feierlichkeiten auf dem Bundesplatz seine Kontraktverlängerung bis 2019 verkündete, bedachte ihn die Menschenmasse mit grossem Jubel.

Sie sind schon länger her, aber es gab sie, die Zeiten, als von Bergen selbst ein junger Wilder gewesen war. 2006 und 2007 hatte er als solcher mit dem FC Zürich den Meistertitel ge­wonnen, angeführt von routinierten Abwehrkräften wie Iulian Filipescu und Hannu Tihinen. Man könne das heutige YB und den damaligen FCZ durchaus vergleichen, findet von Bergen. «Wir gingen damals im Wissen auf dem Platz, gegen jeden Gegner gewinnen zu können. Das ist auch jetzt so.»

Den letzten Beweis dafür erbrachte YB am Samstag, als es bei GC einen Rückstand spät drehte – ohne von Bergen, der geschont wurde und so erst zum zweiten Mal überhaupt in dieser Super-League-Saison eine Partie verpasste. Von Alterserscheinungen keine Spur.

Vom Fan zum Mitspieler

Als Steve von Bergen 2007 mit dem FC Zürich im letzten Spiel der Saison gegen Lokalrivale GC den Meistertitel gewann, befand sich Christian Fassnacht mittendrin im Getümmel. 13-jährig war er damals und mit anderen FCZ-Junioren als Balljunge im Einsatz. «Ich habe die Spieler angehimmelt. Jetzt stehe ich gemeinsam mit Steve auf dem Platz und feiere solche Erfolge. Das ist schon unglaublich», sagt Fassnacht. Es ist eine Pointe seiner erstaunlichen Aufsteigergeschichte.

2008 musste Fassnacht die Nachwuchsabteilung des FCZ verlassen, der heute 185 Zentimer grosse Modellathlet wurde für zu klein befunden – noch so eine Pointe.Er nahm den Umweg über Thalwil, Tuggen und Winterthur und entfernte sich emotional von seinem einstigen Lieblingsclub, für den schon die Mutter gefant hatte. Als er vor einem Jahr in Thun zu einem begehrten Spieler der Super League avancierte, interessierte sich auch der FC Zürich für den einst Verschmähten. Doch für Fassnacht war rasch klar: Er wollte nur zu YB.

Der 24-Jährige musste den Schritt nie bereuen, wie alle davor auch nicht, die smart geplante Karriere hat den polyvalenten Offensivakteur in den Dunstkreis des Schweizer Nationalteams sowie auf die Notizzettel ausländischer Clubs gebracht.

Vorerst steht er aber am Sonntag im letzten Spiel der Saison seinem Jugendclub FC Zürich im Cupfinal gegenüber. Für ihn ist der Platz am rechten Flügel vorgesehen, zentral in der Abwehr spielt Captain Steve von Bergen. Und draussen an der Seitenlinie steht vielleicht ein Balljunge und himmelt Fassnacht an.

Keiner wie er

Am Sonntag steht Djibril Sow auf dem Podest beim Bundeshaus, hinter ihm die versammelte Meistermannschaft, vor ihm rund 25 000 YB-Fans, die vor allem eine Frage interessiert: Ob er rechtzeitig fit für den Cupfinal werde. Er hoffe es, sagt er über die Lautsprecher.

Sow hat es innert Saisonfrist geschafft, in Bern zu einem Hoffnungsträger zu avancieren, als einziger YB-Akteur neben Kevin Mbabu befindet er sich im 35-Mann-Kader von Nationaltrainer Vladimir Petkovic. Insofern sind es Good News für YB, die Trainer Adi Hütter am Mittwoch ver­kündet: Der 21-Jährige trainiere mit der Mannschaft mit, er sei eine Option mehr für den Sonntag. Der schnelle Zentrums­spieler scheint den mehr­wöchigen Wettlauf mit der Zeit gewinnen zu können.

Vielleicht wird sich Sow beim Cupfinal direkt in die Gedanken von FCZ-Präsident Ancillo Canepa spielen. Im Sommer 2015 hatte der FC Zürich die Talente Nico Elvedi (Mönchengladbach) sowie Dimitri Oberlin (mittlerweile bei Basel), Francisco Rodriguez (mittlerweile Luzern) und Sow (ebenfalls Mönchengladbach) verloren. Der «Blick» schrieb vom «Baby-Zoff». Und die «SonntagsZeitung» fragte: «Werden die Jungen vertrieben, weil sie keine Perspektive mehr sehen?»Canepa zeigte sich damals un­einsichtig, mittlerweile hat auch er umgedacht.

Im Fe­bruar installierte der Präsident den vormaligen U-21-Coach Ludovic Magnin mit dem expliziten Auftrag, die eigene Jugend zu fördern. Tatsächlich baute der Trainer zuletzt auf junge Akteure wie Kryeziu, Domgjoni, Aliu, Rüegg und Rohner. Einen wie Sow aber hat er nicht.

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