YB-Muster-Beispiel Fassnacht

Jung und ent­wicklungsfähig, vielseitig und bisher nur bei kleineren Klubsengagiert gewesen – Christian Fassnacht ist der Fussballerprototyp der YB-Philosophie.

Gut bei YB gestartet: Offensivspieler Christian Fassnacht.

Gut bei YB gestartet: Offensivspieler Christian Fassnacht. Bild: Keystone

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Es ist eine kuriose Mischung aus Stolz und Enttäuschung, mit der Christian Fassnacht seinen ersten grossen Medienauftritt als YB-Fussballer absolviert. Schauplatz ist das riesengrosse Olympiastadion in Kiew, Spielstätte des EM-Endspiels 2012 sowie des Champions-League-Finals 2018.

Neue und grosse Fussballwelt

Fassnacht ist gefragt, nachdem er in der 3. Qualifikationsrunde zur Königsklasse am Mittwochabend das einzige YB-Tor erzielt hat. Sogar ukrainische Journalisten sind an ihm interessiert, also gibt der 23-Jährige auch auf Englisch Auskunft. Es sei für ihn ein wunderschöner Abend gewesen, sagt Fassnacht, weil er erstmals für YB von Beginn an habe spielen dürfen und mit seinem Tor zum 1:2 in der Nachspielzeit grosse Glücksgefühle erlebt habe. «Aber wir verloren 1:3. Deshalb ist das für uns kein gutes Spiel gewesen.»

Christian Fassnacht ist der Prototyp jener Fussballer, auf die YB setzen will: jung und entwicklungsfähig, vielseitig und bisher nur bei kleineren Klubs engagiert gewesen. Erklärtes Ziel der Young Boys ist es ja, die Nummer-1-Adresse für begabte Schweizer zu sein (oder präziser: zu bleiben). Und der Offensivspieler ­geniesst unter all den Sommerverpflichtungen sogar einen Sonderstatus, weil Fassnacht als absoluter Wunschtransfer galt. «Ihn hatten wir schon früh und als ersten Spieler im Visier», sagte Christoph Spycher Ende letzter Saison, als der Wechsel Fassnachts von Thun nach Bern offizialisiert wurde. «Er ist Schweizer, talentiert, kann sich verbessern», sprach der Sportchef. Und: «Wir sind sicher, dass er bei uns den nächsten Schritt realisieren wird.»

Nun ist dieser Christian Fassnacht bei YB, wo alles «viel grösser ist als beim FC Thun», wie er sagt. Es ist keine überraschende Aussage, aber man muss berücksichtigen, was das für einen Fussballer bedeutet, der vor seinem Wechsel ins Stade de Suisse gerade mal eine Saison in der Super League absolvierte. «YB ist natürlich ein Verein mit ganz anderen Ambitionen als Thun», sagt Fassnacht, «das spürt man vom ersten Tag an. Das Niveau in den Trainings ist deutlich höher und der Konkurrenzkampf viel grösser.»

Das Lob des Trainers

Knapp sechs Wochen ist Fassnacht nun bei den Young Boys. Er hat sich schnell integriert und sich gut präsentiert, nicht nur wegen seines Tores in Kiew – sondern auch wegen seiner umgänglichen Art, seines Ehrgeizes und seiner gelungenen Vorbereitung mit starken Leistungen. «Er ist nahe am Team», sagt Trainer Adi Hütter, «ich habe keine Bedenken, ihn auch in wichtigen Spielen einzusetzen.»

So wie vor drei Tagen in der Ukraine. Christian Fassnacht ist einer jener Akteure, die das Niveau im Kader gehoben haben. Der Zürcher ist eine starke Alternative auf allen Positionen in der Offensive, kann am Flügel, als Stossstürmer sowie als hängende Spitze eingesetzt werden. Pflichtbewusst sagt Fassnacht, es spiele ihm keine Rolle, wo er spiele. «Ich bin gerne wie in Kiew am Flügel», erklärt er, «fühle mich aber auch im Zentrum wohl.»

Der steile Aufstieg

Als U-16-Junior war Fassnacht beim FCZ aussortiert worden, zu klein und leichtgewichtig sei er. Über Red Star, Thalwil, Tuggen und Winterthur kämpfte er sich nach oben, mühselig auf der einen, rasant auf der anderen Seite. Weil er nicht lange benötigte, um sich in der Challenge League und dann in der Super League zu etablieren.

Zu schmächtig ist Fassnacht längst nicht mehr. Er ist schnell, kräftig, torgefährlich. 10 Tore und 6 Assists gelangen ihm letzte Saison in Thun. Und bei YB ist er gut gestartet. In Kiew vertrat er den angeschlagenen Miralem Sulejmani am linken Flügel, heute in seiner Heimat Zürich gegen GC könnte Fassnacht im Angriff Guillaume Hoarau, der wohl geschont wird, ersetzen. «Ich kann noch viel lernen», sagt Fassnacht am Mittwoch. Er wirkt entschlossen in diesen für ihn aufregenden Tagen. Und am Ende seiner Entwicklung ist er bestimmt längst nicht angelangt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.07.2017, 09:18 Uhr

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