YB: Von Aebischer bis Zagreb

Meister YB siegt lässig-locker 5:2 gegen Aufsteiger Xamax – und lässt den Reservisten im breiten Kader vor dem grossen Spiel am Dienstag in Zagreb Auslauf.

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Fabian Ruch

Es ist ein Samstagabend, an dem den rund 20 000 Zuschauern im Stade de Suisse die Grösse der Young Boys in der Super League eindrucksvoll belegt wird. Prächtig dokumentiert auch durch die Aussage von Raphaël Nuzzolo, mit 35 immer noch spielfreudig, bei YB aber einst nicht mehr gut genug: «Wir haben gegen den Meister 70 Minuten mitgehalten. Darauf können wir aufbauen.»

Nuzzolo hat mit Xamax gerade 2:5 in Bern verloren, nach dem 1:5 zu Hause gegen Thun ist es eine weitere deutliche Niederlage des Aufsteigers. Auf das recht wild zusammengestellte Xamax wartet eine schwierige Spielzeit.

Die Young Boys jedenfalls feierten am Samstag mit einer besseren B-Auswahl im Transit zwischen den Zagreb-Spielen quasi im Vorübergehen einen klaren Sieg. Sie werden sich nicht lange mit dieser ­Begegnung aufhalten. «Wir haben eine ordentliche Leistung gezeigt», sagt ihr Trainer Gerardo Seoane, der sein Personal heftig rotieren liess. «Aber ein paarmal ziemlich jugendlich verteidigt.»

Schon 7 Punkte Vorsprung

Lässig-locker siegte YB auch im fünften Ligaspiel – und ohne sieben geschonte Stammkräfte in der Startformation. Die Prominenz guckte zu, wie die Stellvertreter Auslauf erhielten. Nervös wurden weder Prominente auf der Bank und Tribüne noch Stellvertreter auf dem Platz. Nicht nach dem frühen 0:1-Rückstand. Und auch nicht nach dem 2:2-Ausgleich der Gäste nach rund einer Stunde.

«Ich hatte den Eindruck, dass wir das Spiel immer im Griff hatten», sagt Michel Aebischer, einer der Prominentenstellvertreter. Mit seinem herrlichen Abschluss zum 3:2 schoss der 21-Jährige YB in der 70. Minute endgültig Richtung Sieg.

Nach dem Ausgleich von Xamax hämmert Aebischer den Ball ins Tor von Goali Laurent Walthert.

Später leistete sich der eingewechselte Penaltyexperte Guillaume Hoarau den Luxus, Jean-Pierre Nsame den Elfmeter zum 4:2 schiessen zu lassen.

Ein Xamax-Eigentor kurz vor Spielende rundete den unterhaltsamen, aber auch fehlerhaften Abend aus Berner Optik ansprechend ab.

Die Gegentore erhielt YB nach Eckbällen, zweimal traf Mustafa Sejmenovic mit dem Kopf, zweimal verlor Mohamed Ali Camara das Duell gegen Sejmenovic klar nach Punkten. Der noch 20-jährige Nationalspieler aus Guinea, im Sommer von Hapoel Raanana aus Israel verpflichtet, bewies interessante Ansätze und ist ein Versprechen, liess sich aber naiv übertölpeln.

Die Young Boys konnten sich diese Nachlässigkeiten leisten, mit 15 Punkten und 16:4 Toren aus fünf Begegnungen liegen sie sehr souverän an der ­Tabellenspitze – nach für sie optimalen Ergebnissen am Sonntag schon mit sieben Zählern Vorsprung! Sie haben die Liga derzeit von A bis Z im Griff.

Assalés starkes Comeback

Nicht jeder aus der zweiten Garde der Young Boys überzeugte gegen Xamax. Aebischer aber betrieb allerbeste Eigenwerbung im hochkarätig besetzten Mittelfeldcasting. Im Zentrum des Aufbaus stehen YB ja fünf starke Fussballer zur Verfügung. «Sanogo und Sow sind gesetzt», sagt Aebischer, «dahinter gibt es keine klare Reihenfolge. Wir haben in den nächsten Wochen so viele Partien, jeder wird gebraucht.»

Der frühere YB-Junior Sandro Lauper, ebenfalls 21 und von Thun gekommen, sowie Leonardo Bertone, gegen Xamax in Abwesenheit der Prominenz Stellvertreter-der-Stellvertreter-Captain, sind die weiteren Kandidaten für die zwei Positionen.

Morgen in Zagreb werden wieder Sékou Sanogo und Djibril Sow den Aufbau anleiten. Das Rückspiel des Champions-League-Playoff ist die wohl bedeutendste Begegnung in der Vereinsgeschichte der Young Boys – zumindest aus wirtschaftlicher Perspektive.

Rund 30 Millionen Franken würden sie bei einem Einzug in die Königsklasse einnehmen. Das 1:1 aus dem Hinspiel ist keine ideale Ausgangslage, allerdings hat YB auch gegen Xamax bewiesen, in der Offensive über bemerkenswerte Qualität zu verfügen.

Auch dank Nicolas Ngamaleu, Aufsteiger der ersten Saisonwochen, der am Samstag erneut brillierte. Mit der Vorarbeit zum 1:1, mit dem Treffer zum 2:1, mit ­vielen auffälligen Aktionen, in denen er seine Schnelligkeit und Dribbelstärke demonstrierte.

Und dank Roger Assalé, der gegen Xamax nach komplizierten Zeiten und einer Verletzung endlich wieder überzeugte – und mit dem Tor zum 1:1 erstmals seit fast einem halben Jahr traf. Der Wirbelwind könnte in Zagreb ein wertvoller Joker sein. Dass er zuletzt gar nicht so sehr vermisst wurde, ist ein weiterer Beleg der erstaunlichen Kadertiefe des Meisters.

Berner Zeitung

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