YB verteidigt Rang 1 vor der Winterpause

Die souveränen Young Boys gewinnen in Luzern verdient 4:2 und verteidigen Rang 1. Im 33. Pflichtspiel in dieser Saison agiert YB überlegen.

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Fabian Ruch

Es ist ein Weckruf kurz vor Weihnachten. Die gesamte bisherige Saison und fast fünf Monate lang lag YB nach dem 2:0-Startsieg Mitte Juli in der Rangliste vor dem Rivalen FC Basel.

Am Sonntagnachmittag um 16.30 Uhr aber weist die Blitztabelle auf der Anzeigetafel der Luzerner Swissporarena den monatelangen Leader aus Bern tatsächlich auf Rang 2 aus – um ein Tor schlechter als der Serienmeister, der bei GC soeben 1:0 in Führung gegangen ist.

Luzerns rätselhafter Auftritt

Es ist nur eine Momentaufnahme. Drei Minuten später erzielt Sékou Sanogo in Luzern nach einem Corner mit einem Kopfballaufsetzer das 1:0 für YB, bald erhöht der agile Roger Assalé mit einem herrlichen Weitschuss auf 2:0. In der virtuellen Tabelle stehen die Young Boys also wieder dort, wo sie in der Realität seit langer Zeit sind. Vor dem FCB. Ganz oben. Auf Rang 1.

Corner, Kopfballaufsetzer, Tor: Sékou Sanogo erzielt das 1:0 für YB. Video: zvg/SRF

Herrlicher Weitschuss: Assalé erhöht zum 2:0. Video: zvg/SRF

Herbstmeister oder Halbzeitmeister ist YB ja bereits eine Woche zuvor geworden, der Vorsprung von sieben Punkten auf Basel aber schmolz zum Wintereinbruch innerhalb von acht Tagen auf zwei Zähler zusammen. Den Wintermeistertitel lassen sich die Young Boys am Sonntag nicht mehr nehmen.

Zur Pause führen sie beim schwachen FC Luzern 2:0, was nicht nur an ihnen liegt, sondern auch an einem rätselhaften Auftritt des Gastgebers, dessen Matchplan am dritten Advent darin zu bestehen scheint, eine Vollversammlung vor dem eigenen Strafraum abzuhalten und darauf zu hoffen, dass das Christkind bei den spärlichen Kontergelegenheiten ein ver­frühtes Geschenk bereithält.

Beinahe wäre diese Taktik früh belohnt worden, Shkelqim Demhasaj scheitert nach sechs Minuten aber am glänzend reagierenden YB-Goalie David von Ballmoos.

Von Bergens Fehler

Nach Demhasajs Grosschance übernehmen die Gäste das Kommando. Sie dominieren teilweise eklatant, erspielen sich mehrere Möglichkeiten von hochwertiger Qualität, notieren am Ende fast viermal so viele Schüsse wie der Gegner und ein Eckballverhältnis von 11:1. «Wir haben lange Zeit richtig gut gespielt», sagt YB-Trainer Adi Hütter. In Gefahr geraten die Young Boys jedenfalls auch nach dem Seitenwechsel nicht.

Miralem Sulejmani erhöht früh auf 3:0, was bei den Luzernern immerhin den Kampfgeist in der Kälte weckt. Angeführt vom eingewechselten, wirbligen Dereck Kutesa, der nach einem Fehler Steve von Bergens in der 51. Minute das 1:3 erzielt, lehnt sich der FCL doch noch energisch gegen die drohende Kanterniederlage auf.

Nach der Halbzeitpause trifft Sulejmani zum 3:0. Video: zvg/SRF

Luzerns Kutesa trifft nach einem Fehler von Bergens zum 1:3. Video: zvg/SRF

Die Young Boys antworten auf den Anschlusstreffer eine Viertelstunde später stilgerecht. Der überragende Sanogo steht nach einem Doppelpass mit Guillaume Hoarau wie im Trainingsspielchen allein vor dem Luzerner Tor – und schiebt eiskalt zum 4:1 ein. Ganz ohne klitzekleinen Nervenkitzel bringen die Berner das 33. Pflichtspiel innerhalb von 21 Wochen dann aber doch nicht über die Bühne.

Eiskalt: Sanogo steht allein vor dem Luzerner Tor - und trifft zum 4:1. Video: zvg/SRF

Der für einmal indisponierte von Bergen schenkt den Luzernern nach einem Foulspiel an Kutesa in der 73. Minute einen Elfmeter, den der ehemalige Schweizer Nationalspieler Reto Ziegler verwandelt.

Luzerns Ziegler verwandelt einen Elfmeter zum 2:4. Video: zvg/SRF

Und hätte es fünf Minuten vor Spielende nach einem Handspiel Kasim Nuhus im eigenen Strafraum einen weiteren Penalty für den FCL gegeben, wären die Young Boys vermutlich noch ins Zittern geraten. So aber darf Adi Hütter zu Recht von einem «völlig verdienten Sieg» seiner überlegenen Mannschaft sprechen.

Hütters zufriedenes Fazit

Die Young Boys beenden ein über weite Strecken sehr erfreuliches Halbjahr also mit dem fünften Sieg im zehnten Liga-Auswärtsspiel. In Luzern hatten sie bereits im Herbst 1:0 gewonnen.

Ab heute befinden sich die Berner Fuss­baller in den kurzen Winterferien, am 5. Januar steht der Trainingsauftakt im neuen Jahr auf der Agenda, vom 10. bis zum 19. Ja­nuar findet das Trainingslager im spanischen Jerez statt, Anfang Februar geht der Ligabetrieb mit dem Heimspiel gegen St. Gallen weiter.

Und Ende Februar folgt der Cuphalbfinal zu Hause gegen Basel. «Das wird ein grosses Spiel», sagt YB-Verteidiger Loris Benito. «Darauf und auch auf die Rückrunde dürfen wir uns die gesamte Vorbereitung freuen.»

Die Leaderposition jedenfalls haben die Young Boys um sieben weitere Wochen verteidigt. Und trotz einigen Rückschlägen zieht auch der Trainer ein positives Fazit der YB-Vorrunde. «Wir haben sehr viele Spiele bestritten», sagt Adi Hütter, «das war anstrengend.

Aber wenn einer vor dem Saisonstart prophezeit hätte, wir würden die Europa-League-Gruppenphase erreichen, dürfen im Cuphalbfinal ein Heimspiel bestreiten und als Erster in die Winterpause gehen, hätten alle gesagt, das wäre eine überragende Bilanz.»

YB auf bernerzeitung.ch

Am Dienstag: der Standpunkt zum ersten Halbjahr der Young Boys, zu ihren Aussichten in der Rückrunde und den Perspektiven der vielen talentierten Fussballer im Kader.

Am Mittwoch: die grosse YB-Vorrundenbilanz inklusive ausführlicher Spielerstatistik aus allen 33 Pflichtspielen.

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