YB verliert im Neufeld – und Nuhu?

Die Young Boys schliessen die Vorbereitung mit einer Niederlage am Uhrencup ab. Und Innenverteidiger Kasim Nuhu sorgt für Gesprächsstoff.

Warum der grimmige Blick, Kasim Nuhu? Es scheint, als würde YB-Trainer Gerardo Seoane schon ohne den Innenverteidiger planen.

Warum der grimmige Blick, Kasim Nuhu? Es scheint, als würde YB-Trainer Gerardo Seoane schon ohne den Innenverteidiger planen.

(Bild: Keystone)

Simon Scheidegger@@theSimon_S

Es gäbe sicher gemütlichere Ferienaktivitäten, ausspannen am Strand beispielsweise oder wandern durch die pittoresken Landschaften der West Midlands. Doch für Jack, Mitte 50, Wohlstandsbäuchlein und Dreitagebart, gibt es nur eine valable Option: Seinen geliebten Wolverhampton Wanderers nachreisen, wie er dies schon seit fast dreissig Jahren macht, zusammen mit seinen «Lads», alle ­ähnlich wohlstandsbäuchig und dreitagebärtig wie er, und für sie alle sind die Wolves die grosse Leidenschaft.

Am Samstagnachmittag hängen sie die grosse, weisse Fahne ihres Fanclubs vor die Sitzplatztribüne des Stadions Neufeld. «Hatherton Wolves» nennen sie sich. Natürlich darf der Ausflug an den Uhrencup nicht fehlen. Wie bei circa Tausend anderen Engländern auch nicht, die ins altehrwürdige Neufeld pilgern. Nach einer traumhaften Saison ist die Euphorie bei den Fans nach wie vor riesig. Vor dem Stadion werden Matchschals verkauft, als ob es sich nicht um ein Testspiel, sondern vielmehr eine bedeutende Begegnung im Europa Cup handeln würde. Nach sechs Jahren Absenz aus der höchsten Spielklasse und zwischenzeitlicher Drittklassigkeit sind die Wolves endlich wieder in die Premier League aufgestiegen.

Die Ausgangslage der beiden Teams ist also ähnlich, als die Young Boys und die Wolverhampton Wanderers den Rasen des ­Stadions Neufeld betreten: Beide agierten sie zuletzt in ihrer Liga überlegen. Beide haben sie vor ein paar Monaten unglaubliche Emotionen erleben dürfen. Und beide versuchen sie, den Fokus nun wieder auf das Hier und Jetzt zu richten, die feuchtfröhlichen Feiern zu vergessen, oder bestenfalls in positive Energie umzuwandeln.

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YB-Trainer Gerardo Seoane sagt vor der Partie, bei seinen Spielern sei von der Meisterfeier noch etwas in den Körpern hängengeblieben, das in der Vorbereitung, vor allem im Trainingslager in Fügen, erst herausgeschwitzt werden musste. Die Young Boys befinden sich eine Woche vor dem Saisonauftakt im Heimspiel gegen GC in der finalen Phase einer strengen Vorbereitung. Und Seoane ist nach wie vor daran, sein Personal zu sichten und möglichst vielen Akteuren eine Einsatzgelegenheit zu geben.

Im Fokus steht dabei auch, dass die Spieler während 90 Minuten auf dem Platz stehen können, damit ihr Körper auch in einer Partie wieder einmal an die Leistungsgrenze gehen muss. Aus diesem Grund arrangierten die Berner vor der Partie gegen Wolverhampton einen Match gegen Münsingen, das unlängst in die Promotion League aufgestiegen ist. 12 Akteure setzt Seoane gegen das Team von Kurt Feuz ein, einzig der leicht angeschlagene Steve von Bergen räumt seinen Platz nach 65 Minuten für Taulant Seferi.

Des Trainers Augenmerk liegt bei Testspielen ja selten beim Gegner, vielmehr beschäftigt er sich mit sich selbst, wenn verschiedene Aufstellungen und Taktiken ausprobiert werden, und in gewisser Weise spielt YB am Samstagmorgen beim 3:0-Erfolg vor 300 Zuschauern auch gegen sich selbst: Die Münsinger haben lediglich gelbe Trikots dabei und müssen deshalb kurzfristig auf die schwarzen Shirts der YB-U-21 ausweichen.

Die Trikotpräsentation: Thorsten Schick findet's schick. Video: Martin Bürki

Die Bekleidung steht dann gut zwei Stunden später wieder im Fokus, als die neuen Trikots der Young Boys vorgestellt werden. Ähnlich farb- und ideenlos wie das graue Auswärtstrikot präsentieren sich elf neue Berner wenig später im Duell mit Wolverhampton. Nach dem 0:2 nach einer halben Stunde stimmt einer aus Jacks Ecke freudig «It’s Coming Home» an. Die etwas bedeutendere Trophäe ist den Engländern bekanntlich durch die Lappen gegangen, aber immerhin, das ist nach zwei weiteren Toren klar, können die Wanderers den Uhrencup in die Höhe stemmen.

Müde Berner verpassen den Sieg am Uhrencup. Video: Martin Bürki

Kasim Nuhu verfolgt beide Partien von der Tribüne aus, kommt als einziger fitter Spieler nicht zum Einsatz. Eine Sicherheitsmassnahme, damit sich der Innenverteidiger kurz vor einem Wechsel nicht noch verletzt? Das sei eine berechtigte Frage, meint Seoane, aber er habe mit seinem Staff entschieden, dass der Ghanaer, der mit Hoffenheim in Verbindung gebracht wird, am Wochenende einfach mittrainiere. «Das heisst nicht, dass er uns bereits morgen verlässt.» Der 39-Jährige verhehlt nicht, dass er mit dem Auftritt nicht zufrieden ist, sagt aber auch, dass gewisse Leistungsschwankungen normal seien. Und: «Wir wissen, welche Pokale die Wichtigen sind.»

Gut zwei Stunden nach Abpfiff dröhnt «You’ll Never Walk Alone» aus den Lautsprechern, während die YB-Spieler Autogramme schreiben. Jack summt leise mit.

Berner Zeitung

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