YB vergibt bessere Ausgangslage

Ein vorerst stürmisches, später umständliches und insgesamt glückloses YB verliert in der Europa League gegen Dynamo Kiew 0:1.

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Die zweite Halbzeit bleibt bis in die Nachspielzeit eine zerfahrene Angelegenheit. Die routinierten Akteure Dynamo Kiews erweisen sich als begabte Zeitschinder, bleiben hier ein paar Sekunden am Boden liegen, verzögern dort die Ausführung eines Einwurfes, schlagen da den Ball vor einem Freistoss weit weg.

Und so zerrinnen die Minuten. YB rennt bemüht, aber mühevoll dem 0:1-Rückstand hinterher, am nächsten kommt Michel Aebischer dem Ausgleich, er sieht seinen tollen Volleyschuss aus 16 Metern von Goalie Georgi Buschkan abgewehrt.

Insgesamt aber fällt den Young Boys zu wenig ein, um den soliden Gegner zu gefährden, in der allerletzten Sekunde verpasst Roger Assalé den Ball nach dem 17. Eckball um wenige Zentimeter. Es ist sinnbildlich für ein an diesem Abend glückloses YB.

Nuhus Pfostenkopfball

In der ersten Halbzeit noch gefielen die Young Boys grösstenteils, weil sie das Mittelfeld gewohnt rasant überbrückten, vor allem über die rechte Seite, und mit ­Kevin Mbabu konsequent die Offensive suchten.

Sie praktizierten ihr beeindruckendes Umschaltspiel mehrere Male in Perfektion: Balleroberung, Pass auf den Flügel, ab geht die wilde Fahrt. Im Gegensatz aber zum 5:1-Sieg vier Tage zuvor gegen Sion leistete der Kontrahent erheblich mehr Gegenwehr. Kiew investierte zwar auch am Donnerstag wie genau drei Monate zuvor bei der 0:2-Niederlage in der Champions-League-Qualifikation in Bern wenig in ernsthafte Angriffsversuche.

In der Defensive jedoch überzeugten die kräftigen Innenverteidiger Domagoj Vida und Jeven Katscheridi mit intelligentem Stellungsspiel und Kopfballstärke.

Und weil die Young Boys in der Gefahrenzone die Präzision vermissen liessen, vermochten die Gastgeber aus ihrer Überlegenheit keinen Profit zu ziehen. Christian Fassnacht schoss nach zehn Minuten knapp übers Tor, die meisten der vielen Flanken und Eckbälle aber gerieten zu ­ungenau.

Und einmal, nach einer Viertelstunde, beklagte YB grosses Pech, als Kasim Nuhu nach einem Corner seinen Kopfball an den Innenpfosten setzte, ehe Jean-Pierre Nsame Mitspieler Assalé auf der Torlinie abschoss.

Mit Fortdauer des Geschehens taten sich die Young Boys schwerer, Gefahr zu erzeugen. Sie blieben zwar vorerst die stärkere Mannschaft, doch die zahlreichen ungenügenden Abschlüsse und Flanken sorgten für Verun­sicherung. Die fehlende Berner Zielstrebigkeit erleichterte den routinierten Gästen die Abwehrarbeit, zumal Kiew nach der Pause mit leicht veränderter taktischer Ausrichtung besseren Zugriff aufs Geschehen erhielt.

Die zweite Halbzeit verlief ausgeglichener, wobei sich die Stärkeverhältnisse beinahe im Minutentakt verschoben. Die YB-Akteure schossen übers oder neben das Tor, trafen den Ball nicht wunschgemäss, blieben mit ihren Dribblings hängen, während ­Kiew nun tatsächlich Anstalten unternahm, koordiniert die gegnerische Hälfte zu besuchen.

Ungenügendes Verhalten

Überraschen jedenfalls konnte es niemanden, erzielte Kiew nach 70 Minuten das Siegtor. Jordan Lotomba klärte zuerst eine Flanke wenig stilsicher, liess sich dann von Derlis Gonzalez simpel ausmanövrieren, ehe Djibril Sow in der Mitte Witali Bujalski zu un­gestüm attackierte. Bujalski nutzte den entstandenen Raum und traf flach in die rechte Torecke.

Dieser Treffer schockte YB, das mit seiner international unerfahrenen Truppe gegen ein abgezocktes Dynamo Kiew Lehrgeld bezahlte. Das ungeschickte Verhalten der jungen Lotomba und Sow stand als Mahnmal dafür.

Damit hat sich die Ausgangs­lage für die Young Boys nach vier von sechs Spieltagen deutlich verschlechtert. Mit drei Remis stehen sie nur noch auf Rang 3, überholt von Partizan Belgrad, das gegen Skënderbeu wie erwartet gewann (2:0) und fünf Zähler aufweist.

Ende November tritt YB in Belgrad an – und steht unter Druck. Wobei Rang 2 auch mit einem Unentschieden bei Partizan sowie einem Sieg gegen Skënderbeu erreicht werden könnte, sollte Belgrad am letzten Spieltag in Kiew verlieren.

Bei Punktgleichheit würde die Direktbilanz entscheiden, was durchaus von Relevanz ist, weil YB und Partizan (bei einem Remis in Kiew) auf je 7 Punkte kommen könnten. In diesem Fall müssten die Young Boys in Belgrad entweder ein höheres Remis als das 1:1 aus dem Hinspiel er­reichen – oder bei einem 1:1 dann in der letzten Runde mit mindestens zwei Toren Unterschied gegen Skënderbeu gewinnen.

Mit ein bisschen mehr Zielstrebigkeit am Donnerstag hätte sich YB diese komplizierten Rechnereien ersparen können. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.11.2017, 22:10 Uhr

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