Zum Hauptinhalt springen

YB spielt weiterhin meisterlich

Die Young Boys lassen in Lugano trotz grosser Hitze nichts anbrennen. Von ihrer Qualität aus der Meistersaison haben sie weiterhin kaum etwas eingebüsst.

Mbabu beackert wie gewohnt die rechte Seite und zeigt dabei wiederum eine sehr gute Leistung.
Mbabu beackert wie gewohnt die rechte Seite und zeigt dabei wiederum eine sehr gute Leistung.
Keystone
Christian Fassnacht überwindet Lugano-Goalie Noam Baumann per Kopf und trifft zum 1:0.
Christian Fassnacht überwindet Lugano-Goalie Noam Baumann per Kopf und trifft zum 1:0.
Keystone
Lugano Trainer Guillermo Abascal konnte mit seinem Team nicht zufrieden sein.
Lugano Trainer Guillermo Abascal konnte mit seinem Team nicht zufrieden sein.
Keystone
1 / 5

Hupen, im Tessiner Strassenverkehr jetzt nicht unbedingt das Erfolgsrezept. Der Effekt bleibt bescheiden, der Bus vorerst stehen. «Die Tifosi wieder», murmelt der Fahrer und umkurvt die Gruppe Fussballfans dann, so gut es geht – auf dem gesperrten Fahrstreifen rechts.

Es ist Hochsommer in Lugano, die Hitze lähmt, es fliesst alles etwas zäher, auch der Verkehr Richtung Stadion. Doch die Young Boys lassen sich von den 33 Grad, die bei Anpfiff um 16 Uhr noch herrschen, wenig beeindrucken. Vielmehr lösen sie die heikle Aufgabe so, wie sie heikle Aufgabe schon in der vergangenen Meistersaison angegangen sind: ernsthaft, konzentriert, letztlich souverän. Und: vornehmlich über rechts.

Nach zähem Start überholen die Berner die Tessiner Mal für Mal auf der «falschen» Spur. Angetrieben von Kevin Mbabu, befördern sie die Bälle ziemlich zügig nach vorn und von da zur Mitte. Erst verpassen Roger Assalé und Guillaume Hoarau mit ihren Kopfbällen, und das 1:0 durch Christian Fassnacht – erneut per Kopf – ist trotz einem unmotivierten Ausflug von Lugano-Hüter Noam Baumann vor allem der Berner Zielstrebigkeit in dieser Phase geschuldet.

Fassnachts Kopfball zur YB-Führung. Quelle: SRF

Lugano: Ein Fest mit Kanten

Die Luganesi haben sich den Start gegen den Meister bestimmt anders vorgestellt, der Rahmen dazu ist ja sogar ein wenig festlich. Zum 110. Mal jährt sich an diesem Wochenende die Gründung des erfolgreichsten Tessiner Vereins, das Jubiläum fällt just aufs erste Heimspiel der Saison, was Präsident Angelo Renzetti zu schmucken Spezialtrikots und einem Fest am Spieltag mit extra Maccheroni motivierte. Allerdings geriet sich der Club darob im Vorfeld mit einer Gruppe Anhängern in die Haare – auch Dauerkarten­inhaber mussten für die Party be­zahlen. Schliesslich schlichtete Renzetti, man wurde sich einig.

Eine weitere Saison Super League, ein wohlgenährter Anhang: eigentlich gute Aussichten. Doch sportlich prophezeien den Luganesi viele Beobachter eine schwierige Saison. Es gebe nach diversen Abgängen zu wenig Leader, mit sechs Torhütern im Training zu viele Torhüter. Den früheren Thuner David Da Costa will Renzetti womöglich noch los­werden, der letztjährige Stammkeeper Joel Kiassumbua ist verletzt. Baumanns Aktien im Konkurrenzkampf dürften nach dem Schnitzer bei Fassnachts Tor bestimmt nicht gestiegen sein – obwohl er davor und danach die eine oder andere starke Parade zeigt.

Auch kurz vor der Pause verkürzt er den Winkel geschickt, als Miralem Sulejmani allein auf ihn loszieht und die Berner Führung nicht auszubauen vermag. Und auf der anderen Seite bleibt ein scharfer Pass durch den YB-Strafraum, für den sich in der ansonsten gut organisierten Abwehr niemand zuständig fühlt, das gefährlichste, was Lugano zu bieten hat.

Das YB dieser ersten Saison­wochen erinnert also im positiven Sinne ans YB der letzten Saisonwochen im Mai. Dabei geht gern vergessen, dass dennoch einiges und vor allem einer neu ist: der Trainer. Gerardo Seoane zeigte auch an diesem Sonntag, dass er beim Meister mit viel Feingefühl die eigene Spielidee einbringt. Nach 60 Minuten nimmt er mit Assalé einen Angreifer vom Feld, stellt auf 4-2-3-1 um, beweist in der Hitze die nötige Umsicht. «Ich habe auf die etwas zu grossen Abstände bei uns Ende der ersten Halbzeit reagiert», erklärt er später.

YB: Privilegien im Stau

Bis der Sieg im Trockenen ist, muss erst noch David von Ballmoos gegen Alexander Gerndt retten und im Gegenzug eine kleine Tessiner Systemüberhitzung die Partie entscheiden: Nach stümperhaftem Abwehrverhalten landet eine Flanke von Fassnacht auf ebenso kuriose Art und Weise bei Hoarau wie dessen Abschluss dann im Tor.

Der zweite YB-Treffer, mit freundlicher Unterstützung der Tessiner. Quelle: SRF

Letztlich aber gewinnt YB souverän und verdient und ist mit zwei Erfolgen ohne Gegentor weiter Leader, fünf Punkte vor dem erneut sieglosen Basel (1:1 gegen Xamax). Schnörkellos geradeaus geht es bei den Bernern derzeit, nur ist am Ende eines langen Urlaubwochenendes am Gotthard auch am Sonntagabend noch Stau. Nicht für den YB-Teamcar: der wird rechts durchgewinkt und fährt vorn rein. Wenn es läuft, dann läufts.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch