YB schlägt Basel mit dessen Waffen

Die YB-Ausgabe 2017/2018 erinnert stark an die Basler Meistermannschaften der letzten Jahre. Auch deshalb stehen die Young Boys vor dem Titelgewinn.

Einen Schritt schneller: YB überzeugt in dieser Saison mit Athletik und Spielfreude. Hier düpiert Sékou Sanogo den Basler Taulant Xhaka.

Einen Schritt schneller: YB überzeugt in dieser Saison mit Athletik und Spielfreude. Hier düpiert Sékou Sanogo den Basler Taulant Xhaka.

(Bild: Christian Pfander)

Fabian Ruch

Seit sieben Pflichtspielen ist YB gegen Basel ungeschlagen. Es ist eine beeindruckende Serie, zumal die Siege und Remis nicht glückhaft zustande kamen, sondern das Ergebnis einer imposanten Entwicklung sind.

Oft verloren die Young Boys früher Partien insbesondere im St.-Jakob-Park knapp, regelmässig auch nach Fehlentscheidungen der Spielleiter. Es war jedoch in den Basler Meisterjahren meistens ein Kennzeichen, dass der FCB robuster war, vor allem in der Offensive die besseren Einzelspieler besass – und die Basler Teams besser zusammengestellt waren.

Mehr Torgefahr

So gesehen darf man in dieser Saison festhalten: YB schlägt den FC Basel mit dessen Waffen.

Zum Beispiel mit torgefährlichen Fussballern. Noch vier YB-Spieler können Torschützenkönig werden: Roger Assalé (12 Treffer), Miralem Sulejmani, Jean-Pierre Nsame und natürlich Guillaume Hoarau (je 10).

Auch Christian Fassnacht hat schon sechsmal getroffen. Bei Basel hat nur einer mehr Treffer erzielt: Ricky von Wolfswinkel, der siebenmal traf, dreimal davon per Elfmeter – und derzeit nur Reservist ist.

Bester FCB-Torschütze in allen Pflichtspielen ist Rechtsverteidiger Michael Lang (10 Treffer). Früher trafen FCB-Angreifer wie Alex Frei, Marco Streller oder Seydou Doumbia, um nur ein Trio zu nennen, fast nach Belieben. Und es standen weitere Skorer im Team wie Scott Chipperfield.

Mehr Wucht

Neu ist auch, dass die Young Boys über mehr Akteure als der FCB verfügen, die bald in eine Topliga wechseln werden. Kevin Mbabu, Roger Assalé, Kasim Nuhu, Djibril Sow und Jordan Lotomba etwa. Auch die Basler setzen auf junge Kräfte, in dieser komplizierten Saison aber stagnieren Talente wie Dimitri Oberlin.

Seit 2010 verkaufte der FCB Akteure für über 160 Millionen Franken ins Ausland, erwähnt seien Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka, Yann Sommer, Samuel Inkoom, Mohamed Salah, Mohamed Elneny, Aleksandar Dragovic, Derlis Gonzalez, Breel Embolo und Manuel Akanji. Derart herausragende Figuren fehlen derzeit im Team.

Natürlich sind das alles Momentaufnahmen, der FCB bleibt im Schweizer Clubfussball das Mass aller Dinge. Der Abstand aber ist geringer geworden, und in dieser Saison passt es für die Young Boys perfekt, weil sie die Schwächephasen des Giganten beharrlich ausnutzen. Was auch an der erheblich verbesserten Physis liegt.

Früher wirkte YB oft leichtgewichtiger als Basel, es fehlte an Wucht und Entschlossenheit. Fussballer wie ein damals topfitter Geoffrey Serey Die, Fabian Schär, Granit Xhaka oder Dragovic dominierten mit ihrer Präsenz, die Young Boys hatten körperlich wenig entgegenzusetzen. Nun setzen Athleten wie Nuhu, Mbabu, Hoarau, Loris Benito und vor allem Sékou Sanogo mit Zweikampfhärte wertvolle Zeichen. YB lässt sich nicht mehr wegschubsen, ist auch bei Standardsituationen kompetitiv.

Mehr Tempo

Der Fussball wird immer schneller, intensiver, enger – und der entscheidende Unterschied zwischen YB und Basel lässt sich bezüglich Tempo feststellen. Den Basler fehlen Sprinter und Dribbler wie Salah, Shaqiri oder Gonzalez, sie sind deutlich langsamer geworden, am Ostermontag beim 2:2 in Bern sassen mit Oberlin und Kevin Bua die zwei flinksten Kräfte auf der Bank. Bei YB stehen jede Menge rasante, durchsetzungsstarke Fussballer im Kader, natürlich Assalé und Mbabu, aber auch Sow und Fassnacht.

Und so lässt sich im grossen Bild erkennen, wie smart dieses YB zusammengestellt ist. Alle Komponenten, die es benötigt, um Erfolg zu haben, sind vorhanden. Wucht und Zweikampfstärke, Tempo und Torgefahr, aber auch Technik, erinnert sei an Feinlinksfuss Miralem Sulejmani, und ein fast perfekter Mix aus Routine und Unbeschwertheit.

Mehr Glück

Und selbst die Referees agieren in den Gipfeltreffen Berner versus Basler nicht mehr ungünstig für YB. Im Cuphalbfinal (2:0) erhielten die überlegenen Young Boys einen diskutablen Handelfmeter vor dem 1:0 zugesprochen.

Und vor drei Tagen hätte man im Stade de Suisse beim Pfostenschuss Valentin Stockers auf Penalty für Basel entscheiden können, weil Stocker von YB-Goalie Marco Wölfli nach dem Abschluss abgegrätscht wurde.

Die Basler sprachen nach der Begegnung nicht einmal von dieser Szene. Sie haben 13 Verlustpunkte Rückstand. Das liegt nicht an einzelnen Urteilen der Spiel­leiter.

Berner Zeitung

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