YB scheitert im Cup erneut früh

Es ist Ende Oktober – und YB ist auch aus dem Cup ausgeschieden. Bei der 1:3-Heimniederlage gegen ein diszipliniertes Zürich überzeugten die Young Boys nur wenige Minuten.

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Fabian Ruch

Sieben Minuten immerhin beträgt die Nachspielzeit, weil es regelmässig längere Verletzungsunterbrüche gab. 1:3 liegen die Young Boys zurück, es ist ein brutales Resultat für sie, und im mit nur rund 10'000 Zuschauern besetzten Stade de Suisse glaubt kaum ein Berner noch an die spektakuläre Wende. YB ist erledigt, niedergeschlagen, die zwei späten Gegentore haben für einen Schockzustand gesorgt.

Zuerst verteidigte YB in der 83.Minute schwach und brachte den Ball nicht weg, der überragende Kevin Bua bediente Christian Schneuwly, der wohl selten derart frei stehend im Strafraum zum Abschluss gekommen ist. Auf den 1:2-Rückstand reagierte YB irritiert, und als Bua kurz darauf nach feinem Doppelpass Goalie Yvon Mvogo in der nahe Ecke erwischte, waren die Gastgeber zu keiner Reaktion mehr fähig.

Mit der 1:3-Niederlage gegen den kriselnden FCZ erlitten die Young Boys im Cupachtelfinal einen unerwarteten Rückschlag nach grösstenteils überzeugenden Leistungen in den letzten Wochen unter Adi Hütter. «Wir sind sehr enttäuscht», sagte der Trainer, «und haben uns gegen Ende des Spiels nicht klug angestellt.»

Wenig Spielfluss

Angefangen hatte der Abend mit einem Aufreger. Mvogo lancierte mit einem Fehlpass Bua, doch der junge Flügel war überrascht und vermochte den Ball nicht zu kontrollieren. In dieser kleinen Szene wurde der Abend schon treffend zusammengefasst: unglücklicher Mvogo, auffälliger Bua.

In der Folge entwickelte sich eine zähflüssige Angelegenheit, viele Zweikämpfe und Fouls hemmten den Spielfluss. Die Young Boys gestalteten das Geschehen leicht überlegen, Denis Zakaria schoss früh knapp am Tor vorbei, Yuya Kubo scheiterte bald am stark reagierenden Goalie Anthony Favre, aber dann fiel den Gastgebern bis zur Pause nicht mehr viel ein. Die beste Torchance in der ersten Halbzeit vergab Schneuwly nach rund einer halben Stunde, als er den Ball aus wenigen Metern nicht an Mvogo vorbeispedieren konnte.

Den Young Boys gelang es in der ersten Hälfte nicht, Zugriff auf den FCZ zu bekommen. Sie agierten fehlerhaft, entwickelten wenig Druck und kamen auch nicht dazu, ihren intensiven Balleroberungsfussball umzusetzen. Renato Steffen blieb sonderbar blass. Die Zürcher waren gut eingestellt, gingen keine Risiken ein, schenkten dem langen Ball nach vorne mehr Vertrauen als dem Kurzpassspiel, was sich gegen das YB-Pressing auch diesmal als richtiges Stilmittel erwies.

Völlig missglückte Saison

Erst nach dem Seitenwechsel fanden die Young Boys für wenige Minuten zu ihrer unter Hütter bereits erfolgreich praktizierten Spielart. Nun schnürten sie den Gegner minutenlang ein, griffen beherzt an, über links und rechts und durch die Mitte, druckvoll und mit Schwung. In der 61.Minute scheiterte Raphael Nuzzolo mit einem Hackentrick an Favre. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis der erste Treffer fallen würde.

Keine 60 Sekunden später führte der effiziente FCZ 1:0. Bua missriet nach einem Konter die Flanke derart, dass sie hinter Mvogo ins Netz segelte. YB schüttelte sich nach der kalten Dusche kurz – und attackierte sofort wieder. Der zweikampfstarke Zakaria bewies seine aussergewöhnlichen Fähigkeiten in der 65. Minute, als er mit seinen langen Schritten unnachahmlich übers Feld raste, nicht zu bremsen war und sogar noch die Klasse besass, Alexander Gerndt mustergültig zu bedienen. Der Schwede erzielte das 1:1 kaltblütig mit einem Flachschuss.

Lange jedoch hielt die Berner Druckphase nicht an, viele Unterbrüche stoppten den Angriffselan – und in der Schlussphase verlor YB Kopf und Orientierung. «Es ist ein harter Tag für uns», meinte Gerndt. Und Loris Benito bemängelte, dass der letzte Pass bei YB zu selten angekommen sei. «Wir sind für unseren grossen Aufwand nicht belohnt worden.»

Nach dem bitteren Ausscheiden gegen den Super-League-Letzten FCZ stehen die ambitionierten Young Boys vor den Scherben einer missglückten Spielzeit. Sie verpassten Champions League wie Europa League – wollen sie wenigstens ein Saisonziel (den Gewinn eines Titels) erreichen, müssen sie Meister werden. Bei 12 Punkten Rückstand auf Leader Basel dürfte das schwierig werden.

Berner Zeitung

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