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YB mit viel Kampf und Krampf zum Wintermeister

Nach dem 0:0 in Lugano sind die Young Boys Wintermeister. Sie blicken auf eine unterhaltsame, schwierige Vorrunde zurück.

Trotz Schieflage obenauf: Die Young Boys (hier Christopher Martins) überwintern nach dem 0:0 in Lugano erneut auf Rang 1.
Trotz Schieflage obenauf: Die Young Boys (hier Christopher Martins) überwintern nach dem 0:0 in Lugano erneut auf Rang 1.
Davide Agosta, Keystone

Team des Jahres in der Sportschweiz ist YB am Sonntagabend dann nicht geworden. Das wäre auch ziemlich unpassend gewesen nach den letzten Wochen, in denen sich der geschwächte Meister wie ein ausgemergelter Marathonläufer Richtung Ziellinie schleppte. Das gestrige 0:0 in einer fast schon historisch langweiligen Begegnung in Lugano passte zum harten Kampf der Young Boys gegen die schier unfassbare Verletztenseuche.

Weil aber die Verfolger Basel (1:2 in Luzern) und St.Gallen (1:3 gegen Zürich) überraschend verloren, gelingt YB der Wintermeisterhattrick. Das hat keine Auswirkungen auf den Palmarès, aber auf den Stimmungszustand. Als Leader ist es an Weihnachten leichter, als Erster feiert sich Silvester schöner, als Tabellenführer in die Vorbereitung auf die Rückrunde zu steigen, ist angenehmer.

Schürpf sei Dank

Letztlich dürfen sich die Young Boys bei Pascal Schürpf bedanken. Der Luzerner erzielte am vorletzten Samstag mit einem Eigentor den YB-Siegtreffer beim mühsamen 1:0 gegen den FCL. Und er traf gestern Sonntag doppelt beim 2:1 des zuvor wochenlang kriselnden Luzern gegen Basel.

Nüchtern betrachtet lässt sich über die Vorrunde der Young Boys sagen: Das war ordentlich. Nicht mehr. Aber ganz sicher auch nicht weniger – angesichts der Widrigkeiten inklusive Personalumbau und Ausfallliste. 29 Pflichtspiele hat YB in etwas weniger als fünf Monaten bestritten, 16 Siege waren dabei und vier Niederlagen, das Torverhältnis von 66:36 ist Beleg für Offensivstärke und Defensivschwäche gleichzeitig.

Rang 1 nach 18 Spieltagen darf unter den erwähnten Voraussetzungen als grosser Erfolg gewertet werden. «Wäre uns das vor zwei Monaten mit all den Schwierigkeiten angeboten worden, hätten wir unterschrieben», sagt Gerardo Seoane. Der YB-Trainer zieht ein positives Fazit der Vorrunde, weil sich sein Team auch weiterentwickelt habe. «Aber es ist eine Momentaufnahme.»

Seoane freut sich, sei es gelungen, die vielen Zugänge zu integrieren, YB habe erst gegen Ende nachgelassen. «Doch wir sind ambitioniert, es gab die eine oder andere grosse Enttäuschung zu verarbeiten.» So sei die Champions League ebenso verpasst worden wie das Weiterkommen in der Europa League. «Wir sind selbstkritisch und werden das genau aufarbeiten», sagt Seoane. «Die letzten sechs Wochen waren sicher nicht die besten sechs Wochen der letzten zwei Jahre.»

Das ständige Auf und Ab

Die Young Boys begaben sich in der Vorrunde auf eine unterhaltsame Achterbahnfahrt, die im Stade de Suisse viele Besucher anzog. Der Start missriet im Hochsommer mit einem enttäuschenden 1:1 gegen Aufsteiger Servette. Miralem Sulejmani bereitete damals das Führungstor Nicolas Ngamaleus nach fünf Minuten vor, musste aber später verletzt ausgewechselt werden. Der spielstarke Serbe ist seit über einem Jahr nicht mehr richtig fit, sein Ausscheiden gegen Servette war im Juli ein unschöner Vorbote auf viele weitere Verletzungen bei YB.

Dennoch blieb der Titelverteidiger in der Super League bis Anfang November und dem 0:3 bei … Servette ungeschlagen. Ein paar Wochen später folgte das ernüchternde 0:3 in Basel, doch da waren die Young Boys bereits schwer gezeichnet von all den Ausfällen und Umstellungen. Einspielen jedenfalls konnte sich das Team nie, und als auch noch der äusserst wichtige Captain Fabian Lustenberger wochenlang ausfiel, war es um die Balance endgültig dahin. «Ihn können wir nicht ersetzen», sagt Seoane. Der Trainer aber jammerte nie wegen der prominent besetzten Verletztenliste.

Mehrmals retteten sich die Young Boys dank späten Toren und kaschierten defensive Unzulänglichkeiten, etwa bei den 4:3 gegen St.Gallen und in Sitten. Die vielen Fehler der Verteidiger jedoch führten regelmässig zu Rückschlägen, insbesondere Frederik Sörensen, aber auch Cédric Zesiger und mit Abstrichen Nicolas Bürgy leisteten sich Patzer.

Es kann nur besser werden

Und irgendwann war die Zitrone ausgequetscht, mentale und körperliche Frische gingen verloren. Das doppelte Scheitern im Europacup war bitter und unglücklich, die kontinentale Kampagne jedoch kein Misserfolg, zumal die Young Boys äusserst knapp ausschieden. Und in der Super League kann es für sie nur besser werden, wenn all die wertvollen Zentrumsspieler ab Beginn der Vorbereitung zur Rückrunde am 3. Januar einer nach dem anderen zurückkehren.

Seoane hatte vor der Saison gesagt, dass YB nach den vielen Wechseln im Team zufrieden wäre, im Winter irgendwie vorne dabei zu sein – um dann in der Rückrunde anzugreifen.

Nun ist sein Team vorne dabei, zwei Punkte vor Basel und drei vor St.Gallen, und kann in der Rückrunde angreifen – und gleichzeitig Rang 1 verteidigen. 2020 wird es für die Young Boys vorerst darum gehen, das Double zu gewinnen. Seit 1987 warten sie ja auf den Cupsieg, im Viertelfinal geht es Anfang März erneut zum FC Luzern, bei dem es genau ein Jahr zuvor ein 0:4 absetzte.

Und in der Liga wartet zum Start Ende Januar gleich das Heimspiel gegen den FC Basel. Der YB-Rivale muss dabei auf den besten Verteidiger und den wichtigsten Mittelfeldspieler, den stärksten Stürmer und den Captain verzichten.

Vier Basler in Bern gesperrt

Eray Cömert und Taulant Xhaka, Cabral und Valentin Stocker werden nämlich alle gesperrt sein. Das mag der Begegnung aufgrund der teilweise besonderen Persönlichkeit dieser Akteure ein wenig Brisanz nehmen, doch im bestimmt ausverkauften Stade de Suisse wird das keinen Nachteil für die Young Boys darstellen.

Sie nehmen gegen den FCB Anlauf zu einem weiteren erfolgreichen Jahr. Und vielleicht werden sie Ende 2020 zum dritten Mal in Serie als Team des Jahres zur Wahl stehen, sollte der Double-Traum realisiert werden.

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