YB: Mit Geduld zur Leistungskultur

YB muss sich nach dem bitteren Cup-Out aufrappeln. Adi Hütter ist motiviert, den Young Boys ein Erfolgsdenken vermitteln zu können. Der Trainer hat hohe Ansprüche – und tut dem Klub gut.

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Fabian Ruch

Auf Facebook fragt am Freitagmorgen einer: «Warum wird man als YB-Fan immer enttäuscht?»

Es ist der Tag nach der 1:3-Heimniederlage im Cupachtelfinal gegen den FC Zürich und der erneuten Enttäuschung für die Young Boys. Innerhalb von vier Tagen haben sie zwei bittere Niederlage erlitten, nach dem 0:1 im Spitzenkampf in Basel folgte das Ausscheiden im Pokal. Zweimal war YB das bessere Team, zweimal lief es unglücklich. Pech? Fehlendes Glück?

Man kann es, wenn man will oder wenn man ein leidenschaftlicher YB-Anhänger ist, genau so sehen. Und einfach weitermachen wie in den letzten Jahren. Als YB oft Pech hatte. Oder kein Glück. Und die wichtigen Spiele nahezu alle verlor.

Zeit in der Vorbereitung

Man kann aber auch, wenn man die Analyse seriös betreibt, der Sache auf den Grund gehen. Das kann unangenehm sein und wurde möglicherweise in den letzten Jahren in der teilweise sehr geschützten Werkstatt Stade de Suisse vernachlässigt.

Darüber ist – auch an dieser Stelle – viel geschrieben und debattiert worden. Adi Hütter, und das ist eine gute Nachricht für YB, interessiert nicht, was in der Vergangenheit war. Er ist nicht einmal ein Schweizer, kennt die zahlreichen Geschichten von veryoungboysten Partien also nicht.

Er sagt am Freitag: «Ich weiss nicht, was früher war. Ich weiss nur, was wir heute wollen.» Und dann meint der YB-Trainer: «Wenn man wichtige Partien gewinnen will, muss man bereit dafür sein.»

Adi Hütter wirkt am Freitag nicht niedergeschlagen und auch nicht müde, obwohl er schlecht geschlafen hat. «Wir stellten uns in der Schlussphase ungeschickt an», sagt er, und weil er auf dem Kunstrasen des Stade de Suisse steht, veranschaulicht er mit ausladenden Gesten und Bewegungen, was seine Akteure falsch machten.

«Aber das Spiel ist vorbei, wir müssen es am Sonntag gegen Zürich besser machen.» Hütter ist, so der erste Eindruck nach ein paar Wochen, keiner, der lamentiert und jammert. Das hebt ihn von anderen rund um YB ab, die hinter jedem halbwegs kritischen Artikel und jeder unglücklichen Situation einen Angriff auf den Verein oder eine Ungerechtigkeit wittern.

Der österreichische Trainer will bei YB eine Leistungskultur etablieren. Er sagt das nicht so direkt, aber deutet an, genau zu beobachten, wer seinen Weg mitgehen und alles für den Erfolg tun wolle. «Wir waren zum Start erfolgreich, nun siegten wir dreimal nicht», sagt Hütter. «Es ist interessant zu sehen, wer sich in welcher Phase wie verhält. Ich verlange sehr viel von den Spielern.»

Grundsätzlich sieht Hütter die Entwicklung bei YB positiv. «Die Spieler haben die Art, wie ich Fussball spielen möchte, verstanden. Nun geht es darum, Dinge zu verfeinern.» In der Vorbereitung auf die Rückrunde wird der Coach endlich genügend Zeit und Möglichkeiten haben, um seine Spielart zu üben. Bis dahin wird Hütter erkannt haben, wer aus Team und Staff bereit für seine Mission ist. «Es geht vor allem um die richtige Mentalität», sagt er.

Der Anspruch bei Red Bull

Man muss wissen, dass Hütter zuletzt bei Red Bull Salzburg arbeitete, wo Titel jedes Jahr erwartet – und realisiert – werden. Hütter holte mit dem vom Dosengiganten alimentierten Klub das Double. «Bei Red Bull ist das Erfolgsdenken zentral», sagt Hütter, «aber die Situation lässt sich nur bedingt mit YB vergleichen.

Red Bull Salzburg ist in Österreich, was der FC Basel in der Schweiz ist.» Die klare Nummer 1 des Landes also, und auf Augenhöhe mit dem FCB möchte Hütter YB hieven. «Ich freue mich auf die Zukunft mit diesem jungen, talentierten Team», sagt der 45-Jährige, «es gibt viel zu tun. Ich mag solche Herausforderungen.»

Er sei keiner, der um den heissen Brei herumrede, erklärt er noch. «Aber», und Hütters Blick Richtung Medienvertreter wird furchteinflössend streng, «aber so ein Projekt benötigt Geduld.»

Und so steht das ambitionierte YB mal wieder vor einem Neuaufbau. Der dynamische Adi Hütter tut den Young Boys sehr gut, das lässt sich festhalten. Die Frage ist bloss, ob der zielstrebige, zackige Fussballlehrer die genügsame Wohlfühloase im Stade de Suisse nicht überfordern wird.

Berner Zeitung

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