YB leckt die Wunden

Nach der 0:4-Derbyniederlage gegen den FC Thun kommen die Wechselgedanken von Yoric Ravet zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Sollte der französische Flügel wechseln, dann aber erst Ende August.

Frust pur: Die Young Boys erlebten gegen Thun einen herben Dämpfer.

Frust pur: Die Young Boys erlebten gegen Thun einen herben Dämpfer.

(Bild: Christian Pfander)

Dominic Wuillemin

Als Yoric Ravet am Donnerstag nach dem Vormittagstraining durch die Katakomben des Stade de Suisse läuft, verliert er kein Wort. Ravet stehe für ein Interview nicht zur Verfügung, teilte der Klub vorgängig mit. Das Gesprächsthema Nummer 1 will nicht reden, das verheisst oftmals nichts Gutes.

Es ist der Morgen nach einem für die Young Boys sehr bitteren Tag. Da ist die 0:4-Derbyniederlage gegen den vormals Letzten FC Thun, die in ihrer Heftigkeit Fragen aufwirft und Gedanken an die Zeiten aufkommen lässt, die der Klub nach dem Umbruch in der Führung und der Mannschaft hinter sich gelassen zu haben schien.

Und da sind die Spekulationen um Ravet, der sich nach Deutschland hingezogen fühlt. Einem Leistungsträger genügt nach gutem Saisonstart die Aussicht auf mögliche Partien in der Champions League nicht zu einem Verbleib in Bern. Das muss dem Klub, den Fans und den Mitspielern einerseits wehtun. Anderseits: Hängt die Niederlage mit den Gerüchten um Ravet gar zusammen?

Überraschte Spieler

Stunden vor dem Derby war das Interesse des Bundesligisten SC Freiburg an Yoric Ravet erstmals bekannt geworden. Der Franzose, der angeschlagen war und deshalb so oder so gegen Thun nicht in der Startaufstellung gestanden hätte, befand sich am Abend nicht im Aufgebot. Den Entscheid fällte Trainer Adi Hütter, weil sich der Flügel nicht in der Lage gefühlt haben soll, dem Team helfen zu können.

Linksverteidiger Loris Benito sagt, die Mannschaft habe von alldem nichts mitbekommen, sie sei davon ausgegangen, Ravet fehle, weil er nicht fit sei. Erst als er nach dem Derby in der Loge des Stade de Suisse auf das Thema angesprochen worden sei, habe er davon gehört, sagt Benito. Und Steve von Bergen meint, er habe am Mittwochvormittag zwar mit Ravet geredet. «Das tun wir oft. Aber da ging es um seine Verletzung.» Auch der Captain will nichts von Ravets potenziellem Wechsel gewusst haben.

Die Gerüchte als Ablenkung vor dem Derby – die YB-Spieler widerlegen diese These. Steve von Bergen nennt andere Gründe: «Wir können uns nicht erlauben, nur 90 Prozent zu geben», sagt der Neuenburger. «Sonst kriegen wir Probleme. Und zwar gegen jedes Team.» Der Innenverteidiger glaubt, YB sei es drei Tage zuvor beim 3:0 gegen Lausanne fast zu leicht ergangen. «Dann gelang auch der Start gegen Thun. Da wog sich der eine oder andere in falscher Sicherheit.»

Von Bergen fordert: «Uns ist dieser Fehler jetzt einmal passiert. Er darf uns kein zweites Mal passieren.» Das heftige Ergebnis soll am Ende eine rechtzeitige Verwarnung ­gewesen sein, so stellt sich das der Captain vor.

Steve von Bergen sagt, am Mittwoch sei er bereits in der Halbzeitpause laut geworden. Daheim angekommen, habe er die Tore noch einmal im Fernsehen angeschaut, analysiert. «Ich schlief schlecht», sagt der Captain. Die ausgiebige Rotation – Hütter brachte im Vergleich zum Lausanne-Spiel fünf Neue – will er nicht als Ausrede gelten lassen. «Wir sind 22 Spieler, da muss jeder bereit sein, wenn er die Chance bekommt.»

Immerhin: Am Samstag erhält YB im Cup gegen Breitenrain bereits die nächste Spielgelegenheit. «Wir müssen nach vorne blicken. Wegen einer misslungenen Partie ist nicht plötzlich alles schlecht», sagt Benito. Der 25-Jährige ist überzeugt, dass man Ende August die 0:4-Derbyniederlage als einmaligen Ausrutscher betrachten wird.

Ravet bleibt vorerst

Die Frage ist, ob Yoric Ravet dann noch bei YB unter Vertrag steht. Die Young Boys haben für sich eine Schmerzgrenze im mittleren siebenstelligen Bereich definiert, bisher genügte das Angebot des SC Freiburg nicht. Zudem teilt der Klub mit, dass man Ravet, wenn überhaupt, erst nach den Partien der Champions-League-Playoffs gegen ZSKA Moskau ziehen lassen würde. Im Cup dürfte der Franzose wieder dem Kader angehören.

Von Bergen sagt, er werde den Entscheid Ravets respektieren. Nachvollziehen könne er den allfälligen Wechsel aber nicht. «Wir stehen gegen Moskau vor einer riesigen Herausforderung. Und die Champions League ist für uns alle ein grosser Traum. Wie oft im Leben erhält man eine solche Chance?», fragt Steve von Bergen. In Freiburg jedenfalls sind die Sterne der Königsklasse weit entfernt.

Berner Zeitung

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