YB: Klare und unklare Vorzeichen

Am Samstag empfängt YB den FC Thun. Die Young Boys sind klar favorisiert. Oder? In der Trainerrangliste steht Thuns Jeff Saibene besser da als Adi Hütter von den Young Boys.

Wer ist der bessere Guillaume? Thuns Goalie Faivre (links) im Duell mit YB-Torjäger Hoarau (rechts).

Wer ist der bessere Guillaume? Thuns Goalie Faivre (links) im Duell mit YB-Torjäger Hoarau (rechts).

(Bild: Andreas Blatter)

Fabian Ruch

In Derbys herrschen eigene Gesetze. Ganz besonders gilt das für die Partie zwischen YB und dem FC Thun am Samstagabend, wenn im Berner Kantonalduell ein österreichischer und ein luxemburgischer Trainer an der Seitenlinie stehen werden. Eigentlich sind die Young Boys ja der klare Favorit, sie sind grösser, reicher, erfolgreicher, haben die besseren Einzelspieler, die deutlich glorreichere Vergangenheit und das bedeutend höhere Potenzial. Gemessen an der Trainerrangliste allerdings sind sie morgen Abend Aussenseiter.

Denn seit Jeff Saibene im Herbst das Coachingamt bei den Thunern übernommen hat, holte einzig Leader Basel mehr Punkte als Thun. Saibene, Anfang Saison noch wenig erfolgreich in St. Gallen tätig, weist in dieser Saison als Thun-Chef den zweitbesten Punkteschnitt aller 18 Trainer auf, die ein Super-League-Team an einer Partie betreuten. «Das ist schön», sagt Saibene, «und natürlich hatte ich das nicht so erwartet. Es zeigt auf, wie gut die Strukturen beim FC Thun sind. Denn ich kam ja mitten in der Saison dazu.»

Vernunft in Thun

Jeff Saibene hat als Nachfolger Ciriaco Sforzas keine Wunderdinge vollbracht. Er hat an ein paar Schrauben gedreht, dem Team eine wirkungsvolle Taktik und Spielweise verschrieben – und er identifiziert sich deutlich stärker als sein Vorgänger mit Job und Arbeitsort. «Jeff passt mit seiner ruhigen, sachlichen, professionellen Art sportlich wie menschlich perfekt zu Thun», sagt Andres Gerber.

Aber auch der Sportchef ist vernünftig genug, um den Höhenflug nicht überzubewerten. «Es geht schnell, wir spielen nun gegen YB und Basel, da kann man bald wieder unten drin sein.» Und Saibene erwähnt nach dem Big-Point- und Last-Minute-Sieg zuletzt gegen Lugano (2:1), dass sich die Thuner nicht in Sicherheit wiegen. «Wir haben nur sieben Punkte mehr als Vaduz und Lugano.»

Druck in Bern

Es ist also nicht so, dass Saibene und seine Mitstreiter das Gefühl hätten, sie seien die beste Mannschaft hinter dem FC Basel. Als das gilt eigentlich YB, und es ist gut möglich, dass die Young Boys am Ende wie letzte Saison die Meisterschaft hinter dem FC Basel für sich entscheiden. Dennoch laufen die Stadtberner – mal wieder – den Erwartungen hinterher. Einen Titel holen wollten sie diese Spielzeit, nun haben sie nach 20 Runden gerade mal vier Punkte mehr auf dem Konto als der FC Thun, der Saison für Saison überrascht und sich erneut bis auf Rang 5 hochgearbeitet hat.

Im Derby morgen steht für YB jedenfalls einiges auf dem Spiel. «Wir können sicher nicht zufrieden sein», sagt Fredy Bickel. Doch der Sportchef hinterlässt einen ruhigen Eindruck, wenn er sagt: «Es ist nicht so, dass ich am Team zweifeln würde. Das Potenzial ist gross, wir müssen einfach konzentriert weiterarbeiten.»

Auch Hütter ist akzeptiert

Auch in Bern wurde diese Saison der Trainer gewechselt, sogar zweimal, nach Uli Forte und Interimslösung Harald Gämperle hat nun auch Adi Hütter die Launen der Young Boys kennen gelernt. Nach begeisterndem Start unter Hütter enttäuschte YB in den letzten Partien grösstenteils.

«Wir müssen uns Kritik gefallen lassen», sagt Hütter. «Wer das nicht kann, hat bei einem grossen Klub wie YB nichts zu suchen.» Der Österreicher hat frischen Wind in den Betrieb gebracht, er ist akzeptiert und tut den Young Boys gut, was Sportchef Bickel bestätigt: «Adi arbeitet zackig, er ist klar, authentisch, direkt.»

Für Hütter geht es nun darum, mit seinem Team konstant zu überzeugen. Ein mitreissender Auftritt im Derby würde helfen, die Unruhe rund um YB nach dem Stolperstart in die Rückrunde (1:1 gegen GC, 1:1 bei Vaduz) zu vertreiben. Zudem würden die Young Boys damit das ungeschriebene Gesetz bestätigen, wonach sie die Nummer 1 im Kanton Bern sind.

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