YB gewinnt in der Nachspielzeit

Djibril Sow schiesst die Young Boys in der 95. Minute zum 1:0-Sieg bei GC. Xamax siegt gegen Sion 3:1.
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Thomas Schifferle@tagesanzeiger

Heinz Lindner hält alles, was er halten kann. In der ersten Halbzeit tut er das mirakulös bei einem Kopfball von Nsame, nach gut einer Stunde pariert er einen zugegeben unplatziert geschossenen Elfmeter von Assalé, und als schon die 93. Minute läuft, fliegt er nochmals und holt einen Kopfball von Camara aus der hohen Ecke. 0:0 steht es dank Lindner immer noch, dank des Torhüters von GC, der sagt: «Ich bin froh, dass ich meine Mannschaft so lange im Spiel halten konnte.» Sie ist auf dem Weg zu einem Unentschieden gegen YB, den Leader aus Bern. Der neue Trainer an der Seitenlinie, Tomislav Stipic, versucht, beruhigend auf sie einzuwirken.

Caiuby holt einen Freistoss heraus und gewinnt Sekunden, der Freistoss fliegt Richtung Berner Strafraum, die Sekunden verstreichen, der Ball wird abgewehrt. Und aus einer eigentlich harmlosen Szene setzen die Berner zu dem Konter an, der die Zürcher letzten Endes im Mark trifft. Gaudino flankt, in der Mitte duckt sich Rhyner weg, statt in den Zweikampf zu gehen, und Sow sagt Danke. Er trifft mit seinem Kopfball zum 0:1. Es sind 95 Minuten gespielt.

Neun sieglose Spiele für GC

«Das tut mir so leid für die Fans, für den Club, dass das so geendet hat», sagt Lindner. Zur Niederlage kommt die Nachricht aus Neuenburg dazu, dass Xamax gegen Sion gewonnen und seinen Vorsprung gegenüber GC auf vier Punkte ausgebaut hat. Die Zahlen lesen sich für die Grasshoppers Woche um Woche schlechter. Inzwischen sind sie seit vier Monaten ohne Sieg und haben ihn dieser Zeit in neun Spielen noch einen Punkt gewonnen. «Es fehlt schon ein wenig das Glück und ein Erfolgserlebnis», fasst Stipic seine ersten Eindrücke zusammen.

Seit Mittwoch ist er der Neue bei GC, der Unbekannte mit einer kleinen Vergangenheit als Absteiger mit Erzgebirge Auge und den Stuttgarter Kickers. Immerhin ist er furchtlos genug, um das Erbe von Thorsten Fink anzutreten, und das ist schwierig genug nach diesen langen erfolglosen Monaten.

Stipic setzt auf eine geschlossene Defensive. Fünf Mann bilden den Riegel vor Goalie Lindner, dabei ist Holzhauser, der sonst im Mittelfeld spielt, als Mann im Abwehrzentrum so etwas wie ein Ausputzer. Was Stipic dann von seiner Mannschaft geboten bekommt, das gefällt ihm. Er lobt ihre Mentalität, ihre Disziplin, ihren Zusammenhalt, er sieht von ihr viele positive Ansätze, vor allem das: dass sich keiner versteckt, dass jeder «alles raushaut». Und er sieht, wie seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit zu einer grossen Chance kommt, es ist eine Aktion aus dem Nichts heraus, weil sie bis dahin offensiv nie wirklich gefährlich geworden ist. Lika schiesst, Von Ballmoos lässt den Ball abprallen. Bajrami kommt ganz frei zum Nachschuss, «im Training haut er den bestimmt unter die Latte», vermutet Stipic. Nur ist es nicht Training, es ist Spiel. Von Ballmoos wehrt Bajramis Schuss hervorragend ab.

YB mit der Mentalität von Siegern

Die Berner sind die bessere Mannschaft, was sich in 9:1 Corner und der einen oder anderen Chance ausdrückt. Natürlich sind sie das, sie sind schliesslich der Leader, der 47 Punkte mehr gewonnen und 41 Tore mehr erzielt hat als GC. Aber sie sind nicht in der Form des vergangenen Jahres. Ihrem Spiel fehlt das Unbeschwerte und ihrer Offensive die Lockerheit der guten Tage, als die Tore fast wie von selbst fielen. Das sei eben eine ganz junge Mannschaft, gibt Trainer Gerardo Seoane nach dem Spiel in Zürich zu bedenken. Wenn Von Bergen, Mbabu, Sulejmani und Hoarau fehlen, muss das Spuren hinterlassen.

Was die Young Boys trotzdem haben, ist die Mentalität einer Siegermannschaft. Wie zuletzt schon in Lugano und gegen Sion gelingt ihnen in der Nachspielzeit das 1:0. Seoane sagt: «Wenn du oben stehst, ist der Glaube da, dass das Spiel noch auf deine Seite kippt.» GC erlebt an diesem Abend das Gegenteil.

Telegramme

Neuchâtel Xamax zeigt unter Trainer Stéphane Henchoz eine verblüffende Steigerung. Das 3:1 gegen Sion war der dritte Sieg in sechs Partien der Rückrunde, nachdem die Neuenburger ganzen Herbst nach nur zweimal gewonnen hatten (SDA).

Grasshoppers - Young Boys 0:1 (0:0)

5300 Zuschauer. SR Dudic. Tor: 95. Sow (Gaudino) 0:1.

Grasshoppers:Lindner; Ajeti, Holzhauser, Rhyner; Lika (60. Nathan), Kamber, Sigurjonsson, Goelzer; Bajrami (79. Taipi); Ravet (64. Djuricin), Caiuby.

Young Boys:Von Ballmoos; Schick, Camara, Benito, Garcia (80. Wüthrich); Sow, Aebischer; Assalé, Fassnacht (74. Gaudino), Ngamaleu (77. Mambimbi); Nsame.

Bemerkungen: Grasshoppers ohne Arigoni (verletzt) und Diani (gesperrt), Young Boys ohne Hoarau, Lauper, Mbabu, Sulejmani (verletzt), Lotomba (rekonvaleszent) und von Bergen (gesperrt). 64. Assalé trifft den Aussenpfosten. 68. Lindner hält Foulpenalty von Assalé.

Verwarnungen: 54. Lika. 60. Schick. 65. Camara. 67. Holzhauser (alle Foul). 95. Taipi (Spielverzögerung).

Neuchâtel Xamax - Sion 3:1 (0:0)

4371 Zuschauer. SR Schnyder. Tore: 7. Pululu (Ramizi) 1:0. 38. Pululu (Oss) 2:0. 76. Nuzzolo (Foulpenalty) 3:0. 91. Maçeiras 3:1.

Neuchâtel Xamax:Walthert; Gomes, Djuric (73. Tréand), Oss, Xhemajli, Kamber; Ramizi, Serey Die (86. Pickel), Corbaz; Pululu (79. Ademi), Nuzzolo.

Sion:Fickentscher; Bamert (46. Fortune), Angha, Ndoye, Abdellaoui; Kouassi, Grgic, Toma; Kasami, Djitté (64. Itaitinga), Morgado (85. Maçeiras).

Bemerkungen: Neuchâtel Xamax ohne Doudin, Veloso, Le Pogam und Sejmenovic (alle verletzt). Sion ohne Adryan, Kukeli, Lenjani, Mitrjuschkin, Raphael und Zock (alle verletzt).

Verwarnungen:37. Bamert (Foul), 52. Fortune (Foul). 59. Abdellaoui (Foul), 71. Gomes (Foul). 78. Angha (Foul).

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