YB: Ein Ausrufezeichen zum Start

Traumhafter Samstagabend für die Young Boys: YB Erster, Basel Letzter. Den 2:0-Startsieg gegen den Serienmeister FCB im ausverkauften Stade de Suisse feiert YB mit betonter Sachlichkeit.

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Fabian Ruch

Es gibt schöne Bilder dieses für YB herrlichen Samstagabends. Wie die Spieler ausgelassen mit den Fans feiern. Wie viele Menschen weit nach Spielschluss rund ums Stade de Suisse trinken, reden, lachen.

Wie Miralem Sulejmani nach seiner Auswechslung jeden auf der YB-Bank mit Begeisterung abklatscht. Wie Guillaume Hoarau während der Partie mit den jungen Mitspielern redet und sie motiviert.Und erst die Tabelle nach zwei Partien: YB Erster, Basel Letzter!

Vielleicht aber steht diese Aussage stellvertretend für das YB-Startspiel: «Die Meisterschaft ist kein 400-Meter-Lauf, sondern ein Marathon.» Yoric Ravet äussert sich so, Adi Hütter ebenfalls, nur Loris Benito tanzt leicht aus der YB-Sprachregelungsreihe: «Das ist kein 100-Meter-Lauf, sondern ein Marathon.»

Ein intensives Ringen

2:0 hat YB den FC Basel zum Auftakt bezwungen. Die Young Boys wollen das explizit nicht als Kampfansage verstanden wissen. Oder wie Steve von Bergen erklärt: «Die Saison dauert noch lange. Und es ist ja nicht das erste Mal, dass wir den FCB schlagen.»

Es ist ein grosses Spiel am Samstagabend im ausverkauften Stade de Suisse, einerseits, andererseits ist es ein zähes Ringen um jeden Meter, geprägt von ­knackigen Zweikämpfen, wüsten Fouls, Fehlpässen.

Hoarau leistet sich einen üblen Tritt gegen Goalie Tomas Vaclik, Basels Captain Matias Delgado müsste nach 20 Minuten zweimal verwarnt worden sein, die Hitzköpfe kommen bei Rudelbildungen auf ihre Kosten. Man spürt: Da duellieren sich zwei Rivalen, die das Terrain frühzeitig markieren wollen. YB wartet überraschend zurück­haltend ab, überlässt Basel vor der Pause oft den Ball, spielerisch gelingt beiden lange Zeit wenig.

Sulejmanis Traumfreistoss

Aber, um im etwas schiefen Bild zu bleiben, ein 400-Meter-Lauf ist eine anstrengende Disziplin. Man kann das Rennen auf der ersten Hälfte nicht gewinnen. «Es war wichtig, dass es zur Pause 0:0 stand», sagt Benito. «Wir waren uns in der Kabine einig, dass wir einen Zacken zulegen müssen.»

Nicht ganz unerwartet entscheidet eine Einzelaktion das Gipfeltreffen. Yoric Ravet nimmt in der 58. Minute einen erneuten Sportartenwechsel vor, betätigt sich als Slalomfahrer, wobei sich Luca Zuffi dankbarerweise als tauglichste rot-blaue Stange zur Verfügung stellt.

Zuffis Vater Dario war 1986 beim letzten YB-Meistertitel einer der Leistungsträger, möglicherweise ist das kein Zufall. Ravet jedenfalls schlenzt den Ball nach seinem Energieanfall ins Tor. Das 1:0 ist eine Erlösung, später vergeben Miralem Sulejmani und Djibril Sow beste Gelegenheiten, doch das spielt am Ende keine Rolle.

Denn es ist Sulejmani, der eine simple Trainingssituation, die er Hunderte Male an gleicher Stelle geübt hat, vor über 31 000 Be­obachtern formvollendet de­monstriert. Der Serbe mit dem wunderbaren linken Fuss zirkelt einen Freistoss aus etwas mehr als 20 Metern messiesk unter die Latte und bewirbt sich sehr früh als Tor-des-Jahres-Preisträger.

Das Quartett auf der Tribüne

Das ideenlose Basel ist zu keiner Reaktion mehr fähig. Die stabilen, zweikampfstarken Young Boys siegen zum dritten Mal in Serie zu Hause gegen den Meister. Allerdings haben sie sich im August oft peinliche Heimniederlagen geleistet, die nächsten Ligapartien im Stade de Suisse in Runde 3 und 4 werden am 6. und am 9. August gegen Lausanne und Thun sein. Vielleicht denkt Captain von Bergen daran, wenn er mahnt: «Wir müssen diesen Sieg in den Partien gegen kleinere Teams bestätigen.»

Erst wenn YB zu respektabler Konstanz findet, könnte sich aus einem feierlichen 400-Meter-Lauf ein spannender Marathon entwickeln. Vorerst surfen die Young Boys auf der Euphoriewelle weiter, die Aussichten sind interessant, das Kader ist auch in der Breite gut aufgestellt. Gegen Basel standen die Verteidiger Grégory Wüthrich und Sven Joss sowie die Stürmer Alexander Gerndt und Jean-Pierre Nsamé wie der verletzte Taulant Seferi nicht auf dem Matchblatt. Sie wären bei der Mehrzahl der Super-League-Teams unbestrittene Fixkräfte.

Auch das überzählige Quartett wird bald gefordert sein, es geht für YB im Dreitagesrhythmus weiter. Morgen fliegt das Team nach Kiew, am Mittwoch steht das Hinspiel der 3. Champions-League-Qualifikationsrunde gegen Dynamo Kiew auf der Agenda. «Wir geniessen diesen Sieg gegen Basel», sagt Adi Hütter noch, «aber bleiben fokussiert.» Und dann meint der Trainer: «Immerhin liegen wir gegenüber Basel nach 400 Metern in Führung.»

Nach dem Schlusspfiff feierten die Fans ihre Helden auf dem Platz ausgiebig:

Berner Zeitung

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